Der Morgen des 30. Juli begann genauso wie der vorangegangene Monat. Der Vormittag war bereits unerträglich heiß, weshalb sich Lily im Schatten des kleinen Baumes im Garten aufhielt, die Füße in einem großen Eimer mit Wasser und sah dabei zu wie James schwitzend in den letzten Züge den Buddelkasten zusammen schraubte. Lily hatte zwar versucht James davon zu überzeugen, dass das jetzt noch gar nicht notwendig war aber James wollte nichts davon wissen. Lily befürchte, dass wenn es so weiter ging, sie in wenigen Wochen einen ganzen Spielplatz im Garten hätten. Wofür dieser jedoch viel zu klein war.
Lily wusste ganz genau warum James sich ständig ein neues Projekt suchte. Er war seit Wochen nur zu Hause. Keine Missionen für den Orden, keine Ausflüge mit Peter, Sirius und Remus. Auch Sirius kam seit einiger Zeit weniger oft vorbei, was daran lag, dass die ganze Voldemort Sache nun endgültig unkontrollierbar das gesamte Land in Angst und Schrecken versetzte. Dumbledore hatte es gegenüber James und Lily nie erwähnt aber Lily ahnten, dass auch Dumbledore jetzt eigentlich kaum etwas gegen diese enorme Macht von Voldemort ausrichten konnte. Lily hatte das ungute Gefühl, dass der Mann, den sie immer für allwissend und unbesiegbar gehalten hatte, keine Ideen mehr hatte. Sie fühlte sich als würde der Orden gegen Rauch kämpfen. Jeder Versuch etwas auszurichten scheiterte oder änderte nichts an der herrschenden Situation. James hingegen war sich immer noch sicher, dass Dumbledore irgendeinen geheimen Plan hatte, doch Lily verlor langsam die Hoffnung.
James, der gerade etwas ungeschickt ein Brett in den Boden hämmerte, konnte nicht zulassen seine Hoffnungen zu verlieren und diese Projekte halfen ihm dabei auf andere Gedanken zu kommen.
Zusätzlich war James so nervös auf Grund der bevorstehenden Geburt seines ersten Kindes, dass er seit Tagen nicht schlafen konnte und wenn doch wurde sein Schlaf von Albträume geplagt. Ständig sprang James auf um nachzusehen, ob sie noch irgendetwas benötigten, die Erziehungsratgeber konnte er langsam auswendig und jedes Mal, wenn Lily das Gesicht verzog, weil das kleine Wesen in ihr mal wieder einen Stepptanz hinlegte, wurde James sofort panisch und wollte sie ins Krankenhaus bringen.
Lily hingegen war Angesichts der Tatsache, dass es auch ihr erstes Kind war, was sie mitten in einem Zauberer Krieg, bekommen wurde, ziemlich entspannt. Sie freute sich einfach darauf mit James eine Familie zu gründen. Ihrer Meinung nach konnte das Kind auch gerne jetzt kommen, 30. Juli war doch ein schöner Tag. Sie lächelte als sie daran dachte, doch das Lächeln wich schnell wieder als das besagte Stepptanztalent wieder einmal zeigen wollte wie talentiert es war. Als hätte James dafür einen Radar, drehte er sich gerade in diesem Augenblick um und stürzte zu Lily.
„Alles okay? Müssen wir los? Soll ich Marlene anrufen?", fragte er ängstlich.
„Nein, nein alles gut. Ist schon wieder vorbei, er oder sie wollte sich nur mal wieder bemerkbar machen." Als James sie immer noch besorgt ansah, küsste sie ihn auf seiner Wange.
„James, es ist wirklich alles gut. Ich sag dir schon Bescheid, weil ich ganz sicher nicht mit dir alleine das Kind kriegen möchte, du würdest nur ohnmächtig werden.", sie grinste und gab ihm einen zweiten Kuss.
James lachte leicht. „Ja ich muss zugeben, mir wäre auch lieber, wenn jemand da ist, der weiß was er tut." Mit einem letzten prüfenden Blick stand James wieder auf und machte sich wieder an seine Arbeit.
Erst gegen Abend stand der Buddelkasten. Ein bisschen schief und nicht besonders schön aber völlig perfekt für Lily. Dass James sich so viel Mühe gab rührte sie zu tiefst. Stolz über seine Arbeit stand er in einem Meter Abstand da und begutachtete den etwas krummen Sandkasten und grinste.
Ein Quietschen vom Gartentor ließ beide aufschrecken. Mit großen federnden Schritten kam Frank Longbottom auf sie zu. „Unser Sohn ist da!", rief er ihnen zu noch bevor er James und Lily erreicht hatte.
„Herzlichen Glückwunsch.", Lily umarmte ihn, gleich danach gratulierte auch James.
„Wie geht's Alice und dem Kind, ist alles gut gegangen?", fragte Lily und strahlte nun genauso wie Frank.
„Ja alles super, es geht beiden gut. Neville kommt aber ganz nach Alice, find ich. Wobei meine Mutter sagt er sei mir wie aus dem Gesicht geschnitten, aber er hat meine Haare.", sprudelte Frank drauf los ohne Luft zu holen.
„Ich werde auch gleich wieder zurück, meine Mutter ist so lange bei ihr aber ihr kennt sie ja.", er lachte leicht. „Aber ich wollte euch unbedingt die Nachricht persönlich bringen. Er ist schon ziemlich groß, wisst ihr.", es dauerte eine Weile bis Frank aufhörte über seine kleine Familie zu schwärmen. Doch weder Lily noch James störte das, sie konnte es beide kaum erwarten auch ihr Kind endlich kennenzulernen.
„Könnt ihr euch vorstellen, unsere Kinder werden irgendwann zusammen nach Hogwarts gehen. In 11 Jahren stehen wir zusammen in Kings Cross, kaum zu glauben oder.", stellte Frank fest und sah dabei ein wenig verträumt an James und Lily vorbei.
„Nun ich denke ich muss los, ich will Alice nicht zu lange mit meiner Mutter alleine lassen.", er verabschiedete sich und sprang förmlich wie ein kleines Kind aus dem Garten.
Eine Weile herrschte Stille, die nach ein paar Minuten durch James unterbrochen wurde. „Unglaublich."
„Ja.", stimmte Lily mit trockener Stimme zu. Sie wusste nicht genau wieso aber irgendwie machte sie das ganze sehr emotional.
„Ich denke ich gehe ins Bett, die Hitze macht mich echt müde.", verkündete Lily nach ein paar weiteren Momenten der Stille.
Lily erwachte durch einen stechenden Schmerz. James lag noch seelenruhig schlafen neben ihr.
Lily setzte sich langsam auf und fing an ihren Bauch zu streicheln, manchmal half das um das kleine Wesen in ihr zu beruhigen, doch diesmal fühlte es sich anders an. Vorsichtig, um James nicht zu wecken, stand sie auf und schlich langsam in die Küche um sich etwas Wasser zu holen. Unten angekommen öffnete sie eines der Küchenfenster. Die Luft draußen war immer noch warm, doch der leichte Luftzug der nun in die Küche kam kühlte Lilys Wangen ein wenig.
Eine Weile lauschte Lily den Geräuschen der Natur draußen, der laue Wind, der durch die Blätter der Bäume wehte beruhigte sie, doch leider nicht das kleinste Mitglied der Potters. Lily zog scharf die Luft ein, als ein weiterer Schmerz sie durchzuckte. Und ohne Vorwarnung spürte Lily einen weiteren Rück in ihrem Körper. Ihre Furchtblase war geplatzt und durchnässte nun den Küchenboden und ihre Füße.
„James!", rief Lily ohne sich einen Millimeter zu bewegen. Es dauerte kaum ein Atemzug bis James in die Küche gestürzt kam. „Was ist passiert?", fragte er panisch.
„Meine Fruchtblase ist geplatzt wir müssen ins St.Mungos.", Lilys kurzfristige Panik hatte sich schlagartig gelegt. Vielleicht lag es daran, dass sie James' panischen Blick gesehen hatte und schlecht beide von ihnen in Panik verfallen konnten, vielleicht lag es aber auch einfach daran, dass Lily nun einfach bereit war.
„Okay, okay, alles klar...", stotterte James und lief aus der Tür, nur um sofort wieder herein zu kommen. „Ich muss dich ja mitnehmen, kommst du?", fragte er völlig neben der Spur.
„James, entspann dich, hole doch mal bitte die Tasche die oben steht."
„Okay.", mit riesen Schritten sprang James die Treppe hoch. Während James Lilys Tasche holte, schnapp diese sich eine frische Hose aus dem Wäschekorb, der neben der Couch stand.
„Hier ich hab sie.", kam James immer noch völlig panisch wieder herunter.
Als James und Lily im St. Mungos ankamen lagen James Nerven blank, er schwitzte und seine Hände zitterten.
Während Lily in dem riesen Bett lag und versuchte die Schmerzen zu veratmen, lief James unruhig im Zimmer hin und her.
„James setzt dich doch bitte.", bat ihn Lily als ihr das zu viel wurde.
„Hör zu, es ist alles gut, wir haben alles da und es wird alles gut gehen, also setzt dich bitte."
„Okay, okay, okay...", wiederholte James während er sich auf einen bereit gestellten Stuhl neben dem Bett nieder ließ und Lily's Hand nahm.
Er ließ ihre Hand nicht los, bis die Heilerin ihm das kleine schwarzhaarige Wese in den Arm legte.
„Bei Merlin...", flüsterte James und sah seinen Sohn mit Tränen in den Augen an. Nur von Weiten, wie durch eine verschlossene Tür, hörte er wie die Heilerin nach dem Namen des kleinen Jungen fragte und wie Lily „Harry James Potter" antwortete. Seine Augen waren auf Harry gerichtet, der aufgehört hatte zu weinen und nun seelenruhig zu schlafen schien.
„James?", fragte Lily, ihre Stimme klang müde und geschafft, doch sehr glücklich.
James blickte zum ersten Mal, seit gefühlten Stunden auf. Er jetzt bemerkte er, dass die Heilerin offensichtlich gegangen sein musste, denn er und Lily waren alleine.
„Ich liebe dich.", murmelte Lily, als sie ihren Ehemann mit ihrem Sohn sah.
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Changes | Jily
FanfictionDas Glas zerbrach mit einem lauten klirren. Sie hatte gar nicht gemerkt mit was für einer Wucht sie das Glas auf den Tisch stellen wollte. „Lily, alles okay?", fragte sie Marlene besorgt. „Ja.", antwortete Lily bissig und warf noch ein Blick zwei Ti...
