Die Sache mit der Aufmerksamkeit

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Da die Prüfungen und damit ihr Abschluss langsam näher rückte, wurden die Siebtklässler mit Hausaufgaben überschüttet. Sie saßen nun die meisten Tage bis spät in die Nacht an ihren Hausaufgaben und schleppen sich am nächsten Morgen übermüdet zum Unterricht.


Mit dicken Augenringen warteten Lily, Marlene, Mary und Alice am Montag vor dem Verwandlungsklassenzimmer.
„Ich freu mich schon auf die Osterferien. Ich halte das echt nicht mehr aus.", klagte Marlene.
„Ich mich auch, endlich wieder richtig schlafen.", stimmte Lily ihr gähnend zu.
„Wo sind eigentlich die Jungs?", fragte sie mit einem Blick um sich herum auf der Suche nach James, Remus, Sirius und Peter.
„Verschlafen wahrscheinlich.", zuckte Mary die Achseln.
„Sie waren gestern noch länger wach als wir, kamen erst um halb zwei in den Schlafsaal. Hat mir Frank erzählt.", sagte Alice und gähnte ebenfalls herzhaft.
„Seit wann machen die Jungs Hausaufgaben?", fragte Mary verwundert.
„ Seit dem James mit Lily zusammen ist.", grinste Marlene und sah ihre Freundin, die nun leicht rosa anlief, an.
„Du hast echt einen guten Einfluss auf ihn. Seine Eltern werden dich lieben.", ergänzte sie an Lily gewand.
„Das liegt doch nicht an mir, er ist halt erwachsener geworden und hat begriffen, dass er sich in seinem letzten Schuljahr anstrengen muss. Außerdem will er Auror werden und das kann er nur, wenn er die besten Noten hat. Das hat nichts mit mir zu tun."
„Lily, du siehst immer noch nicht wie sehr James dich mag. Der Junge ist verrückt nach dir, er würde wahrscheinlich alles tun, um dich glücklich zu machen. Klar, ein Teil seines Ehrgeizes kommt von ihm und seinem Wunsch ein Auror zu werden, und ja er ist auch reifer, erwachsener geworden aber der andere Teil ist eindeutig seinen Gefühlen zu dir geschuldet."
Dazu fiel Lily nichts ein und sie beließ es dabei.
Fünf Minuten später kam Professor McGonagall und sie betraten dass Klassenzimmer.
„Guten Morgen.", auf sie Sekunden genau traten auf die Rumtreiber ein.
Doch anders als erwartet und im Gegenteil zum Rest der Schüler sahen sie nicht müde aus, sondern eher so als kämen sie gerade aus einem erholsamen Urlaub.
James nahm Lily in den Arm. „Seht euch meine wundervolle Freundin an, sieht sie nicht toll heute aus.", rief er durch den Klassenraum, was dazu führte, dass sich alle Augen auf ihn richteten.
Zum zweiten Mal an diesem Tag spürte Lily die Hitze in ihrem Gesicht aufsteigen. Ihr war es immer peinlich so angestarrt zu werden. Aber das war wohl der Preis, den man zahlte, wenn man mit dem Quidditchheld James Potter zusammen war.

„Schön für Sie, dass Sie sich endlich zusammen gerissen haben, aber ich dulde keine Herumschreien in meinem Unterricht.", Professor McGonagall sah ihn streng an, allerdings konnte man ein kleines Lächeln auf ihrem Mund erkennen.
Mit hochroten Kopf setzte sich Lily auf ihren Platz. Die Stunde zog an ihr vorbei ohne, dass sie etwas mitbekam. Mit den Gedanken war sie ganz woanders. Als es zur Pause läutete fuhr sie aus ihrer Gedankenwelt mit einem gewaltigen Schreck hoch.
„Kommst du Lily?", Marlene wartete bereits aus sie und sah sie nun fragend an.
Schnell packte sie ihre Sachen zusammen und folgte ihr aus dem Klassenraum.
An der Tür würden sie jedoch aufgehalten.
„Sehen wir uns nachher noch?", fragte James und legte ihr dabei einen Arm um die Schulter.
„Ich denke nicht, bin ziemlich müde.", gab Lily zurück und befreite sich aus seiner Umarmung.

„Was ist den mit ihr los?", fragte Sirius und sah Lily und Marlene hinter her.
James zuckte die Achseln.
„Vielleicht hat es ja damit was zu tun, dass du wieder einmal alles daran gesetzt hast um Aufmerksamkeit zu bekommen. Nur so eine Idee.", Remus sah James mit einem Das-Ist-Doch-Offensichtlich-Blick an.
„Du weißt doch, dass sie die Aufmerksamkeit nicht mag und noch weniger wenn du es darauf anlegst im Mittelpunkt zu stehen.", ergänzte Remus als James nichts sagte.
Zusammen machten sie sich auf den Weg zu Kräuterkunde.

****

Am Abend saß Lily im Gemeinschaftsraum und starrte ins Feuer. Neben ihr unterhielten sich Marlene und Alice über die bevorstehenden Osterferien. Doch von diesem Gespräch bekam Lily nicht besonders viel mit. Abwesend hörte sie nur Fetze der Unterhaltung als wären sie von dicken Nebel umringt, der alle Stimme dämpfte.
„Lily!", Alice' Stimme ries Lily aus ihrem Tagtraum und brachte sie zurück in die Wirklichkeit.
„Was?"
„Ist alles okay?"
„Ja.", eine kurze Pause trat ein, bevor Alice und Marlene sich wieder ihrer Unterhaltung widmeten.
„Denkt ihr.", unterbrach Lily sie ohne vom Feuer weg zuschauen. „James wird immer im Mittelpunkt stehen?"
„Wie meinst du das?"
„Naja, denkt ihr er wird jemals aufhören, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen? Ich will nicht, dass immer wenn wir uns treffen alle Schüler uns anstarren. Ich hasse das."
„Lily, er weiß halt noch nicht wie er damit umgehen soll. Er möchte halt jedem zeigen, wie glücklich er ist, dass du an seiner Seite bist. Das wird sich irgendwann legen."
„Ja aber was heißt irgendwann? Ich halte, dass nicht noch den Rest des Jahres aus. Ich will nicht immer gefragt werden, wie es den mit James läuft und warum er sich mit der Hübschen aus Ravenclaw unterhalten hat. Ich habe einfach keine Lust darauf, dass ganz Hogwarts sich in unsere Beziehung einmischt. Aber das passiert automatisch, wenn James das alles auch noch präsentieren muss.", Lily hatte sich nun vom Feuer abgewandt und sah ihre Freundinnen mit glitzernden Augen an.
„Das versteh ich alles Lily aber du musst uns glauben, wenn wir dir sagen, dass er das nicht böswillig tut. Sag ihm einfach, was du denkst, dann wird er sich auch zurücknehmen.", sprach Marlene ihr Mut zu.
Im selben Moment trat besagter Junge in den Gemeinschaftsraum.
„Wenn man vom Teufel spricht. Geh zu ihm.", forderte Marlene Lily auf. Doch das war gar nicht nötig, denn James kam bereits mit großen Schritten auf sie zu.
„Hey Lily, kann ich kurz mit dir reden?" Marlene warf Lily einen scharfen Blick zu, diese nickte nur und folgte James aus dem Portraitloch.
„Tut mir leid wegen heute Morgen. Ich hätte dich nicht so in Verlegenheit und in eine solche Situation bringen sollen. Das ist nur alles so neu für mich. Ich weiß das ist keine Entschuldigung dafür aber ich will, dass du weißt, dass ich das nicht böse gemeint habe. Ich... ich habe einfach nicht darüber nachgedacht. Aber ich verspreche dir ich werde mich bessern. Und als Entschuldigung, um es wieder gut zu machen habe ich eine Überraschung für dich.", James grinste sie nun breit an.
„Was den?"
„Das siehst du gleich.", er nahm sie an der Hand und schleifte sie durch die ausgestorbenen Korridore bis sie mitten in einem weiteren dunklen Flur stehen blieben.
„Was ist?", fragte Lily verdutzt.
„Mach die Augen zu." Sie schloss die Augen widerwillig, nicht ohne sie vorher zu verdrehen.
So liefen sie eine gefühlte Ewigkeit, bis James endlich anhielt.
„Warte hier." Was anderes bliebt ihr auch nicht übrig. Blind und im Dunklen stand Lily da und wartete wie bestellt und nicht abgeholt, dass etwas passierte.
Sie wollte gerade die Augen öffnen als James sie wieder an die Hand nahm.
„Vorsicht Stufe. Okay, du kannst deine Augen auf machen."
Geblendet von der plötzlichen Helligkeit kniff Lily ihre Augen zusammen. Nach einer Weile gewohnte sie sich daran und konnte sie umsehen.
Sie standen in einer Küche, umringt von Haushelfen.
„Woher weißt du wo die Küche ist?", fragte Lily erstaunt.
„Sirius und ich haben sie zufällig in der dritten Klasse gefunden. Seit dem holen wir hier öfter mal etwas zu Essen. Du kennst ja Sirius, er hat immer hunger." Eine kurze Stille trat ein.
„Naja egal, wir sind nicht wegen Sirius hier.", er trat ein Stück zur Seite und Lily erblickte eine Vielzahl von ihrem Lieblingsessen. Siruptorte, Kürbispastete, Bouletten, Hähnchenbeine und sogar ihre Lieblingspizza; Schinken.
„Woher wusstest...?", Lily sah ihn mit großen Augen an.
„Du hattest es mal erwähnt.", James lief rot an.
„Danke.", sie zog James Gesicht zu sich und küsste ihn.

Bis kurz vor Mitternacht saßen sie in der Küche aßen und lachten.
„Wir sollten zurück, James. Es ist schon weit nach neun."
„Du hast Recht." Sie bedankten sich bei den Haushelfen, nicht ohne noch mehr Essen angeboten zu kriegen, was sie dankend ablehnten.
Dank James' Karte erreichten sie den Gryffindor Turm ohne Zusammenstöße mit Filch oder einen anderen Lehrer.
„Danke, noch mal. Das wahr wirklich schön."
„Kein Ding. Immer wieder gern."
„Gute Nacht, James.", sie küsste ihn und drehte sich dann in Richtung Mädchen Schlafsaal um.
„Lily."
„Ja?"
„Ich... uhm... dir auch gute Nacht. Schlaf schön."
Sie lächelte ihn an und verschwand nun endgültig die Treppen hoch.
„Man was bin ich nur für ein Idiot.", fluchte James leise und schlug die Hände vor das Gesicht.
Ein wenig niedergeschlagen und über sich selbst ärgern ging auch er in seinen Schlafsaal.

Changes | JilyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt