Lily wachte am ersten Tag der Osterferien früh in ihrem warmen Bett auf. Die Sonne war zwar noch nicht vollständig aufgegangen, trotzdem hatten sich die paar wenigen Sonnenstrahlen durch das Fenster gekämpft und schienen nun in Lily's Gesicht.
Trotz ihrer Müdigkeit war an Weiterschlafen nicht zu denken. Da ihre Zimmergenossen noch seelenruhig schliefen, stand Lily auch nicht auf, sie wollte sie nicht unnötig wecken. Der Hogwartsexpress nach Hause würde erst in gut vier Stunden abfahren und so hatten sie noch zwei Stunden Zeit zu schlafen, die wollte Lily ihnen nicht nehmen. Ihre Freundinnen mussten ja nicht darunter leiden, dass sie unter einer immer wachsenden Nervosität stand und das Gefühl hatte in den nächsten Stunden einen Panikanfall zu bekommen. Und alles nur weil sie die Eltern ihres Freundes kennenlernen würde. Das war ja eigentlich keine große Sache. Eigentlich.
Sie wusste, dass James' Eltern reinblütig waren. Ihr wurde zwar von allen Seiten gesagt, sie würde nicht auf den Blutstatus achten aber in Lily schwang trotzdem ein Hauch von Angst mit, dass sie Lily wegen ihrer Abstammung nicht akzeptieren würden.
Zusätzlich waren die beiden auch noch anerkannte Auroren und damit anscheinend sehr talentiert. Lily war zwar nicht gerade die Schlechteste in ihrem Jahrgang aber das hieß ja nicht, dass es für Mr. und Mrs. Potter reichte.
Was war wenn sie, da James ihr einziger Sohn und einziges Kind war, sie aus Prinzip nicht mochten. Hatte sie nicht einmal gelesen, dass die Eltern von Söhnen die Freundinnen grundsätzlich für nicht gut genug hielten.
In ihr stieg die Panik an. Warum hatte sie bloß zugesagt.
Auch im Jungenschlafsaal, keine 50 Meter entfernt, lag auch James schon wach. Auch er war nervös, jedoch aus anderen Gründen. Das seine Eltern Lily lieben würden, war für ihn gar keine Frage. Er hatte ihnen schon so viel von ihr erzählt. (Vor allem weil ihm nach Sirius' Bemerkungen nichts anderes übrig geblieben war). Eigentlich kannte sie Lily schon und waren schon von ihr begeistert. Das lag vor allem daran, dass sie ihren chaotischen und Streiche liebenden Sohn scheinbar reifer werden ließ.
James' Sorge galt er Lily. Er hoffte sie würde in der Zeit, in der sie quasi 24 Stunden auf einander hockten, nicht merkte, dass er doch der Idiot war, für den sie ihn immer gehalten hatte.
Er hatte Angst davor, dass sie sich unwohl fühlte. Selbst er fühlte sich manchmal in diesem großen Haus unwohl und alleine(natürlich nicht mehr seit dem Sirius bei ihm wohnte).
Und was, wenn sie ihn als reichen Schnösel sah. Die Potters hatten nicht nur ein riesiges Haus, auch eine Menge Haushelfen arbeiteten für sie. Außerdem würden sie ständig von irgendwelchen hochrangigen Mitgliedern des Zaubereiministeriums besucht. Das konnte ganz schön einschüchternd sein. Was war wenn sie sich danach von ihm trennte, weil sie merkte, dass das alles nichts für sie war.
In ihm stieg Panik auf. Was hatte er bloß getan.
*****
Um 9 Uhr saßen Lily und ihre Freundinnen beim Frühstück. Der Hogwartsexpress würde um 10 Uhr losfahren. Da sie ihre Koffer bereits gepackt hatten, konnte sie noch ganz in Ruhe essen.
„Immer noch nervös wegen James' Eltern?", fragte Marlene Lily, die kaum was von ihrem Toast angerührt hatte.
Lily nickte.
„Brauchst du nicht. Ich kenne die beide und sie sind wirklich nett. Ich weiß gar nicht, ob sie überhaupt Menschen hassen können. Wahrscheinlich würden sie auch Lord Voldemort zu sich einladen und ihm versuchen seinen Wahn auszureden...", lachte Marlene.
„Nicht witzig Marls.", beschwerte sich Mary.
„Ich will Lily nur klar machen, dass sie nichts zu befürchten hat. Sie achten nicht auf diesen Reinblut Quatsch und sind super herzlich. Sie werden dich danach mit Sicherheit adoptieren wollen.", grinste sie.
Das brachten Lily's Mundwinkel tatsächlich dazu zu zucken.
„Und jetzt überleg dir mal wie James dich die ganze Zeit verhätscheln wird. Du musst nur sagen was du willst und er wird es dir bringen.", gab Mary dazu.
„Als ob ich das wollen würde."
„Ja schon klar aber so ab und zu mal einen kleinen Gefallen wäre schon nicht schlecht.", zwinkerte Marlene.
„Du wirst zurückkommen und dich noch mehr in ihn verliebt haben.", sagte Mary voraus ohne groß darüber nachzudenken.
Lily hatte nicht mit ihnen darüber gesprochen ob sie James liebte oder nicht. Wenn sie ganz ehrlich war, hatte sie selber noch nicht einmal darüber nachgedacht. Sie waren ja erst gute zwei Monate zusammen, konnte man da schon über Liebe sprechen?
Woher wusste man denn überhaupt was Liebe ist.
Doch weiter konnte sie nicht darüber nachdenken denn die Rumtreiber betraten gerade die große Halle und setzten sich neben sie.
„Na Evans, freust du dich schon? Zwei Wochen mit uns beiden. Das hättest du dir auch nie träumen lassen nicht war? Mit zwei so gut aussehenden Jungs zwei Wochen verbringen.", zwinkerte Sirius.
„Ich glaub ja wohl eher, du kannst es immer noch nicht glauben dass du mit so einem atemberauben Mädchen, wie mir, Zeit verbringen darfst. Wobei du natürlich nicht an erster Stelle stehst.", gab sie belustigt zurück und küsste James.
Um halb zehn machten sie sich zu siebt auf den Weg zu den Kutschen, die sie zum Zug bringen würden.
Es war ein warmer Frühlingstag. Die Sonne strahlte von Himmel und vertrieb die meisten Wolken. Eigentlich ein perfekter Tag um sich an den See zu setzten dachte Lily als sie den Hogwartsexpress bestiegen.
Die Fahrt verließ ereignislos. Sie vertrieben sich die Zeit mit Zaubererschnipschnap und unterhielten sich.
Die Sonne ging bereits unter, als sie den Bahnhof King Cross erreichten. Und die Nervosität die Lily die gesamte Fahrt verdrängen konnte war nun wieder unter ihre Haut geschlichen. James schien das bemerkt zu haben, denn er nahm sie in den Arm und gab ihr ein Kuss auf ihre Haare.
Sie lächelte ihn an und gemeinsam verließen sie den Zug.
James erblickte seine Eltern sofort in der Menge. Sie standen etwas Abseits und unterhielten sich mit Marlenes Eltern.
James nahm Lily an der Hand und zog sie mit sich mit. Als sie James und Sirius bemerkten breitete sich ein Strahlen auf ihren Gesichtern aus.
Etwas peinlich berührt stand Lily daneben als sie ihre beiden Jungs umarmten. Sie wusste nicht, wo sie hingucken und was sie mit ihren Händen machen sollte.
„Mum, Dad, das ist Lily.", stellte James sie nach der Begrüßung vor.
„Ah meine Liebe, schön dich endlich kennzulernen. Wir haben schon so viel von dir gehört. James konnte ja nie aufhören von dir zu schwärmen.", nahm Mrs. Potter nun auch sie in den Arm.
„Mum.", zischte James peinlich berührt seiner Mutter zu.
„Was den Schatz, sie ist doch jetzt mit dir zusammen, da kann sie das ruhig wissen."
Auch Mr Potter gab ihr nun die Hand und schenkte ihr ein breites Lächeln, was dem von James unfassbar ähnlich war.
Marlene hatte Recht gehabt. Die Potters waren mit Abstand die nettesten Menschen, die Lily je kennengelernt hatte.
Nach einer ein stündigen Autofahrt standen sie vor einem großen Haus. Wobei Haus für dieses Gebäude maßlos untertrieben war. Es glich mehr einem Schloss.
„Das ist nicht ernsthaft euer Haus?", fragte Lily beeindruckt.
„Uhm doch.", antwortete James unsicher.
„Das ist ja Wahnsinn.", bestaunte sie das Haus.
Vom Inneren war Lily genauso begeistern wie vom Äußeren. Von der Eingangshalle ging eine Marmortreppe in das obere Stockwerk und wenn sich Lily nicht täuschte, führte die Tür neben ihr in ein Ballsaal, so groß wie die große Halle.
„Ihr habt einen eigenen Ballsaal?", flüsterte Lily James zu.
„Ja.", er kratzte sich verlegen am Kopf. „Mum und Dad gehören zu den angesehenste Zauberern und veranstalten daher öfter mal Bälle. Unser Silversterball und der Sommerball sind echt legendär."
„Wahnsinn.", keuchte Lily. „Ich muss unbedingt dein Zimmer sehen.", setzte sie mit einem Grinse dran.
„Kannst du gerne aber das ist nicht aufgeräumt. Als ich das Letzte mal hier war, habe ich noch nicht wirklich damit gerechnet Lily Evans zu Besuch zu haben.", lachte er.
„Als ob ich etwas anderes von euch kenne würde. Euer Schlafsaal ist ein einziges Chaos."
Auch James Zimmer war ziemlich groß, dennoch wirkte es anders als der Rest, den Lily bisher vom Haus gesehen hatte. Irgendwie freundlicher, heimischer, gemütlicher.
Die Wände waren von sämtlichen Quidditch Poster bedeckt auch einige Bilder von James und seinen Freunden waren zu sehen. An der Wand stand ein großes Bett, was ähnlich wie das von Hogwarts ein Himmeldach hatte. Ein Schrank zog sich die ganze Wand lang und Lily fragte sich ob ein Mensch überhaupt so viel Kleidung besitzen konnte um einen so gigantischen Schrank zu brauchen.
„Da sind auch alle meine alten Besen drinnen.", sagte James als hätte er ihre Gedanken gelesen.
„Ich konnte sie einfach nicht wegschmeißen, was Mum übrigens nicht verstehen konnte. Sie ist nicht so der Quidditch Fan. Das ist eher den Männern unserer Familie vorbehalten."
Lily sah sich weiter im Zimmer um. Aber viel mehr gab es in dem Zimmer nicht. Nur noch ein Schreibtisch stand in der Ecke und zu ihrem Überraschen sah er sogar benutzt aus.
Auf dem Tisch lagen eine Menge zerknüllte Pergamentblätter und mehrere Feder sowie leere Tintenfässer standen daneben.
„Warum so viel Pergament?", fragte sie und deutete auf den Tisch. „Das sind doch wohl kaum Hausaufgaben."
James wurde scharlach rot. „Uhm... das... das ist nur... uhm... Überlegungen für einen Trainingsplan.", versuchte er sich raus zu reden, doch Lily sah ihn wenig überzeugt an.
„Netter Versuch, Potter.", hob sie die Augenbrauen und wollte ein zerknülltes Blatt auseinanderfalten als James ihr es aus der Hand schnappte.
„Das kannst du nicht lesen."
„Wieso?", fragte sie argwöhnisch.
„Weil ... uhm..."
„Ja?"
Darauf fiel James allerdings nichts ein und schnappte es sich Lily wieder. Ihre Augen flogen über die wenigen Worte, die darauf standen und James wäre in diesem Moment am liebsten im Boden versunken.
„Ist das ein Brief an mich?"
„Naja... sollte es werden.", gab er zu und spürte wie sein Gesicht noch heißer wurde.
„Das alles?", fragte sie und deute auf die restlichen Blätter.
„Uhm... nun... ja."
„Du hast mir nie einen geschickt."
„Ich wusste ja, dass du nie einen gelesen hättest und außerdem waren die alle nicht gut genug."
„Ich hätte sie gelesen.", bestritt Lily.
„Und dann verbrannt.", lachte James ein wenig bitter.
Dazu sagte Lily nichts. Ja das hätte sie wahrscheinlich gemacht.
„Tut mir leid.", sie sah ihn schuldig an.
„Muss es dir nicht. Ich war ein Idiot hätte das wahrscheinlich nicht anders gemacht."
„Jetzt würde ich niemals einen Brief von dir verbrennen. Ich werde sie alle aufheben.", lächelte Lily und küsste ihn sanft.
Anschließend wandte sie sich wieder ab um sein Zimmer genauer zu begutachten. Sie schaute sich die Bilder der Rumtreiber an als sie auch ein Bild von sich entdeckte. Darauf war sie vielleicht vierzehn und es war bei Remus entstanden, als sie ihn einen Sommer besucht hatte.
„Woher hast du das?", fragte sie und drehte sich wieder zu James.
„Hat mit Remus gegeben. Hoffe das ist okay für dich."
Sie nickte. „Klar aber ich mag das Bild nicht du bekommst ein besseres.", grinste sie.
„Gerne, du kannst mir auch gern mehr als eins geben.", zwinkerte er.
„Okay. Kriegst du als Abschlussgeschenk.", lachte sie. Dann wurde sie wieder ernster.
„Uhm... James... wo schlafe ich?"
„Also theoretisch hättest du ein eigenes Zimmer, das neben Sirius aber... ich hätte auch nicht dagegen wenn du hier schläfst."
„Also natürlich, nur wenn du willst.", ergänzte er schnell.
„Okay.", sie küsste ihn erneut. Viel zu schnell, nach James Geschmack, löste sie sich wieder von ihm.
Das würden die besten Ferien werden, die James jemals hatte.
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Changes | Jily
FanfictionDas Glas zerbrach mit einem lauten klirren. Sie hatte gar nicht gemerkt mit was für einer Wucht sie das Glas auf den Tisch stellen wollte. „Lily, alles okay?", fragte sie Marlene besorgt. „Ja.", antwortete Lily bissig und warf noch ein Blick zwei Ti...
