Kapitel 18.

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Als wir oben ankamen, saß Raf am Mischpult. Jonas und Alex auf der Couch, sie sahen noch ziemlich fertig aus von der Nacht was mich schmunzeln ließ.
Alle sahen uns an. „Seit wann lassen wir Weiber ins Studio?" lachend begrüßte uns Jonas.
„Na Perle, stehen dir super. Johns Klamotten." er lächelte mich breit an. Egal was er genommen hatte, es bekam ihm nicht. Grinsend bedankte ich mich und schob mich zwischen den Männern hindurch zu Alex aufs Sofa.
„Ich bleib auch nicht lange versprochen, muss morgen wieder arbeiten." versuchte ich zu rechtfertigen.
„Alles cool, war nur n Spaß." Jonas setzte sich neben mich und ließ einen Arm über meinen Schultern ruhen.

Es verging einige Zeit in der wir uns unterhielten und rauchten, bis John in den Aufnahmeraum ging. Er rappte ein paar Zeilen ein. Das Thema natürlich immer das selbe wie sonst auch. Hübsche Frauen, Autos voller Drogen und der Besitz von Waffen.
John musste meine Gedanken lesen, als er plötzlich mitten beim Rappen lachen musste. Deutlich hörbar stöhnte Raf auf.
„Man das war so gut. Jetzt können wir die Aufnahme vergessen." John zeigte lachend auf mich während ich versuchte die Situation zu retten.
„Sorry das ist eben nicht so meine Welt. Muss man sich erstmal reinleben." Ich lächelte Raf an und er zurück, um mir zu versichern dass er nicht böse war.
„Muss jetzt sowieso los, wird langsam spät."
Es war weit nach 21 Uhr und mein Wecker würde am nächsten Tag wieder zeitig genug klingeln.
Ich tippte auf meinem Handy rum um mir ein Taxi zu bestellen als John plötzlich wieder neben mir stand. „Sicher dass du schon gehen willst?" Sein Blick fraß mich wieder einmal auf doch bevor ich mich in seinen Augen verlieren konnte, unterbrach ich mich selbst.
„Ich muss, gibt schließlich noch Leute die normalen Jobs nachgehen müssen."
Die Jungs fingen an zu lachen.
„Also schlagfertig ist sie, John." Raf sah uns belustigend an.
Er lachte mit und in solchen Situationen kam es mir vor als würden wir uns ewig kennen. Ich fühlte mich so wohl in dieser Runde.
„Dann nimm wenigstens mein Auto." Ich glaube ich war nicht die einzige mit geweiteten Augen.
„Du gibst dein Auto ab? An eine Frau? Deinen Mercedes?" Alex war fassungslos.
„Halt die Klappe alter so besonders ist das nicht."
„Du lässt nicht mal Marten mit der Karre fahren und der ist dein Cousin." fügte Jonas hinzu.
Er hielt mir schweigend den Schlüssel hin. „Also dem musst du echt den Kopf verdreht haben." John sah die Jungs böse an aber verneinte es auch nicht, was mich irgendwie glücklich machte.
„Komm ich bring dich runter. Die Verrückten treiben dich sonst noch in den Wahnsinn." lachend schob er mich aus der Tür, sodass ich den anderen nur noch ein schnelles „wir sehen uns" zurufen konnte.

John brachte mich bis zu seinem Baby von Auto und gab mir die Schlüssel.
„Pass aber gut drauf auf und fahr vorsichtig." er streichelte über das Dach des Mercedes.
„Mach ich, soll ich ihn dir morgen nach der Arbeit bringen? Von dir aus kann ich auch mit der Bahn fahren." Lächelnd sah ich ihn an und er nickte.
„Ich würde mich freuen wenn wir uns morgen schon wiedersehen", gab ich zu.
Diese ganze Gefühlsduselei auszusprechen fiel mir ihm gegenüber immer noch schwer, weil ich wusste es war nichts für ihn.
„Klingt auf jeden Fall nicht schlecht, melde dich wenn du Feierabend hast."
Er wartete bis ich mich ins Auto gesetzt hatte um die Tür zuzumachen. Ich wusste nicht wie ich mich verabschieden sollte. Wir waren kein Paar, so gesehen nicht mal enge Freunde. Wir waren Bekannte die miteinander vögelten. Also ließ ich es einfach geschehen als er die Tür zuknallte und mir noch einmal winkte als ich aus der Parklücke fuhr.

Einen Moment lang genoss ich die Stille im Auto. Johns Auto hatte ich feinsäuberlich neben meinem abgestellt. Ein Blick auf die Uhr verriet mir dass es eigentlich schon viel zu spät war und ich morgen rumheulen würde wie müde ich wäre. Aber statt nach oben zu gehen, mich ins Bett zu legen und so schnell wie möglich zu schlafen saß ich immer noch wie festgeklebt in dem protzigen Schlitten. Auch wenn es nur ein Gebrauchsgegenstand war, realisierte ich in diesem Moment wie wertvoll diese Geste von John war. Es war für ihn nicht irgendein Auto, er hatte es sich (mehr oder weniger) hart erarbeitet. Ich wollte mich gerade nochmal bedanken als ich sah dass er mir mit einer Nachricht zuvorgekommen war.
> Siehst echt gut aus in der Karre. Könnte ich mich dran gewöhnen <
Ich lächelte wie bekloppt in mein Handy und sah sein Gesicht vor mir mit dem halben Grinsen. Langsam aber sicher konnte ich die Gefühle nicht mehr überspielen. Vor mir selbst sowieso nicht. 
Ich brachte mich endlich dazu aus dem Auto zusteigen und lief Richtung Haustür als mein Handy klingelte. John.
„Ich finde ich sollte dich zum Essen einladen, hast du Bock darauf?" Die Frage kam etwas überraschend, so ganz ohne Anrede oder sonstiges.
„Äh ja klar, wieso nicht? Woher dieser Einfall?" fragte ich ihn grinsend. Ich wette er konnte hören wie ich strahlte.
„Na wenn wir jetzt schon regelmäßig im Bett landen, kann ich ja auch mal Gentleman sein." Ich hörte wie Raf sich im Hintergrund darüber aufregte, wie John seine Entscheidung begründete. Ah daher wehte der Wind. Der vornehme Herr Ragucci hatte bestimmt mal ein ernstes Wörtchen mit John gesprochen. Andererseits wurde mir mal wieder bewusst, dass sie auch in meiner Abwesenheit von mir sprachen. Ich wüsste zu gerne wie.

Liebe Widerwillen. - Bonez Mc FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt