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Erstaunt über seine Ehrlichkeit starrte ich ihn an. „Aber es lief so gut zwischen uns, weshalb haben wir uns das kaputt gemacht?" Er wusste wahrscheinlich auch keine Antwort auf die Frage und es dauerte einige Minuten bis er sich seine Worte zurecht gelegt hatte. „Ich liebe Mary nicht. Ich wollte das mit uns einfach nur vergessen. Du hast mich als erste Frau seit langem mal wieder richtig verletzt." Er sah mir dabei nicht in Augen. „Und woher weißt du das mit Alex?" Er drehte seinen Kopf in meine Richtung, blickte jedoch an mir vorbei. „Ich bin nicht dumm. Ich kenn ihn jahrelang und dich auch nicht erst seit gestern. War doch klar dass es irgendwann so kommt" Meine Finger malten Kreise in den Sand und ich versuchte meinen Scham zu verstecken. „Es tut mir leid, ich hab auch nicht alles richtig gemacht." Er nickte langsam. „Ich hab doch auch viel kaputt gemacht. An dem Abend im Studio hab ich zum ersten Mal wieder Pillen genommen seit wir in der Schweiz waren. Das ist keine Entschuldigung aber als ich dann Mary sah, kam vieles von damals wieder hoch. Wir hatten ein paar Mal miteinander gepennt aber geliebt hab ich sie auch früher nicht. Zack wars für sie gleich ne Beziehung. Sie hat mich gestern vor dir ja gar nicht zu Wort kommen lassen." Ich nickte und erinnerte mich daran wie sie alle Fragen in diese Richtung beantwortet hatte.

„Meinst du wir kriegen das irgendwann mal noch hin?" Er stand auf bevor er sich den Sand von der Hose klopfte und mir eine Hand entgegen hielt um mir hochzuhelfen.
„Ich hoffe doch. Aber jetzt lass uns erstmal die Liebe unserer Freunde feiern."
Und das taten wir. Bis in die frühen Morgenstunden tanzten und feierten wir ausgelassen bevor ich tot müde ins Bett fiel.

Ziemlich verkatert öffnete ich nur paar Stunden später meine Augen. Mein Magen knurrte so laut, dass mir nichts anderes übrig blieb als mich wenigstens halbwegs straßentauglich herzurichten und im Hotel nach dem Buffet zu suchen. Es war bereits kurz vor zwölf doch Gott sei dank boten sie am Wochenende Brunch bis 13 Uhr an. Ich schlug mir mehr auf die Teller als ich wahrscheinlich schaffen würde bevor ich auf der Terrasse nach einem Platz in der Sonne suchte. Ich entdeckte Mary, nachdenklich schaute sie dem Meer nach. Auch wenn ich es vielleicht nicht sollte, ging ich zu ihr. „Alles okay?" vorsichtig stelle ich mein viel zu volles Tablett auf dem Tisch ab.

Müde sah sie auf und zwang sich ein Lächeln auf. „Geht schon." Auch wenn sie in irgendeiner Form meine Konkurrenz war, tat es mir leid sie so zu sehen. „Darf ich?" fragend zeigte ich auf den Stuhl gegenüber woraufhin sie nickte. „Ist es wegen John?" Sie sah mir direkt in die Augen und man konnte den Schmerz welcher sie bedrückte sofort erkennen. „Weißt du? Ich dachte irgendwie er hätte damals mehr gefühlt und dass wir jetzt glücklich miteinander werden würden aber er denkt den ganzen Tag nur an dich." Mit einem etwas erschrockenen Blick schlürfte ich meinen Kaffee. „Meinst du echt? Es ist so viel schief gelaufen zwischen uns, schlussendlich auch der Abend als ihr zusammen bei ihm wart." Sie nickte. „Doch glaub mir er liebt dich. Wir haben heute Nacht noch viel gesprochen. Wenn er getrunken hat, ist er am ehrlichsten. Ich bin nicht die Frau die er sucht, das bist allein du." Ich spürte wie mir die Röte ins Gesicht stieg und freute mich über ihre Worte. Er hatte ihr gesagt dass er mich liebt. Das sind so unglaublich große Erkenntnisse für ihn, die er nicht mal vor mir zu gab. „Tut mir leid dass er dich verletzt hat. Ich kann das gut nachvollziehen wie du dich fühlst." Sie lächelte mich an, diesmal anders. Irgendwie warmherziger.

„Das tut gut zu hören. Er ist ein echtes Arschloch aber glaub mir er will dich um nichts in der Welt verlieren. Sein Junkie-Ich hatte unsere Beziehung getragen über die letzten Wochen. Gefühle waren von ihm für mich nie im Spiel." Das Wort Beziehung setzte sie in Anführungszeichen. „Er hat dich sogar als Hintergrund auf seinem Handy. Dass er das nie geändert hat, hatte mich immer gewundert aber jetzt bin ich schlauer." Sie zuckte mit den Schultern und musterte mich. Am liebsten hätte ich sie in den Arm genommen, doch ehe ich den Mut dazu aufbringen konnte räumte sie die leeren Teller auf ihr Tablett und verschwand. „Wir sehen uns später. Vielleicht hast du ja Lust dich in Hamburg mal zu treffen." Ich nickte mit einem freundlichen Lächeln und sie ging.

Liebe Widerwillen. - Bonez Mc FFWo Geschichten leben. Entdecke jetzt