Der Aufzug fuhr mich ins Dachgeschoss und vom Fenster des Treppenhauses sah ich die beiden unten auf dem Gehweg stehen. Marten redete auf John ein während dieser seine Hände in der Trainingsjacke vergrub.
Im Licht der Straßenlaterne sah es beinahe so aus als würde ihm eine Träne über die Wange laufen was ich mir in der nächsten Sekunde sofort wieder aus dem Kopf schlug. Wieso sollte dieser Mann um mich weinen?
Es vergingen wieder einige Wochen in denen ich nichts von John hörte. Vielleicht war es besser so. Das war meine Chance ihn endgültig zu vergessen, auch wenn ich noch Monate später seine Küsse auf meiner Haut spüren konnte. Manchmal zog sein Duft an mir vorbei auch wenn er gar nicht in der Nähe war. Ich hatte schon Wahnvorstellungen, so sehr fehlte er mir jedoch war mein Stolz zu groß.
Es war ein sonniger Sonntagvormittag an dem ich mir frisch geduscht ein Müsli in der Küche zubereitete. Mittlerweile hatte ich mich gut eingelebt, die Wohnung war weitgehend nach meinen Vorlieben eingerichtet und ich verband mit diesen vier Wänden keine schlechten Erinnerungen.
Es klingelte als ich mich gerade an der Kücheninsel niederlassen wollte. Etwas genervt stapfte ich zur Tür, hinter welcher mich ein riesiger Blumenstrauß anstrahlte.
Raf streckte seinen Kopf dahinter vor und lächelte mich an. „Hey Sonnenschein, Lust auf Kaffee?" Ich strahlte ihn an.
Wir hielten nach wie vor ab und an Kontakt, er war seit einer Weile nicht in Hamburg. Hatte viel zutun in Wien und Berlin, weshalb es bei einer Nachricht in der Woche blieb.
Ich freute mich riesig über seinen Besuch. Den Strauß Blumen der sicherlich viel zu überteuert vom Floristen angefertigt wurde, stellte ich sofort in eine schöne Vase die nun meinen Esstisch zierte. Ich machte ihm einen Cappuccino aus dem Vollautomaten den meine Eltern mir zum Einzug schenkten.
„Erzähl, wie gehts dir? Was gibts neues?" Neugierig ließ ich mich neben ihm auf dem Sofa nieder. Er erzählte dass er dabei war ein Buch zu schreiben und ein Parfum rauszubringen, was beides viel Zeit in Anspruch nahm. „Aber jetzt ist erstmal Festivalsaison." Wir hatten Anfang Juni, der Sommer begann und ich liebte diese Jahreszeit! Ich hatte bald meinen zweiwöchigen Sommerurlaub und freute mich die Zeit mit meinen engsten Freunden am See oder beim Sonnenuntergang an der Elbe zu verbringen.
„Kommst du nun eigentlich mal mit auf eins?" ich nickte während ich mir einen Löffel Müsli in den Mund schob. „Ja gerne, sagt mir wann's losgeht und ich bin bereit." in meiner Jugend war ich oft auf Festivals, zog meine Lebensenergie in schweren Zeiten aus diesen Momenten. Umso älter ich wurde, desto mehr rutschte diese Interesse in den Hintergrund dennoch freute ich mich darüber das Festival mal von einer anderen Seite kennenzulernen. Nämlich von der mit üppigen Catering und klimatisierten Zelten und nicht mit Matsch, Schlamm und Dehydrierung.
„Am Freitag fliegen wir in die Schweiz. Dort treten wir Samstag auf und Sonntag wieder zurück. Hast du Bock? Dann leite ich alles in die Wege." Er grinste mich an und ich stimmte lächelnd zu. „Sag mir was ich buchen muss und es kann losgehen."
Er winkte sofort ab. „Mach dir darüber keine Gedanken, ich sorg dafür dass du alles bekommst was du brauchst. Umsonst natürlich." Etwas verärgert sah ich ihn an, denn ich wollte nicht das irgendwelche Kosten von mir übernommen wurden. Er wusste das aber ließ bei dem Thema nicht mit sich reden. Es war selbstverständlich für ihn mich dazu einzuladen.
Wir unterhielten uns noch etwas über belanglose Themen bevor er nach John fragte. Ich rechnete viel eher mit diesem Thema, war jedoch dankbar dass Raf sich zurückhielt. Er hatte ein ganz anderes Verständnis als die anderen. Ich erzählte ihm also von unserer letzten Begegnung und wie ehrlich ich zu John an diesem Abend war. Er war fast etwas stolz.
„Du hast ihm einfach so deine Liebe gestanden? Krass." Ich zuckte mit den Schultern. „Naja dass ich bis heute so fühle weiß er nicht aber ich hab ihm gesagt dass ich ihn so sehr geliebt habe und er es einfach nicht gesehen hat." Er nickte nachdenklich. „Eigentlich so schade dass es mit euch nicht geklappt hat. Du machst ihn zu einem besseren Menschen." Fragend sah ich ihn an. „Was meinst du?"
„Naja selbst wenn man euch nicht allzu oft zusammen gesehen hat, er war ganz anders wenn du da warst und selbst wenn du's nicht warst. Er sprach ständig von dir, selbst nach eurem Streit. Das hab ich bei John noch nie erlebt." Er schwang das letzte Schlückchen Kaffee in seiner Tasse bevor er austrank. „aber wenn es ihm so wichtig war, dass er an nichts anderes mehr denken konnte wieso haben wir uns so selten gesehen? Wieso hat er nicht dafür gesorgt dass sich unserer Bindung vertieft?"
Ich hatte nie verstanden weshalb ich ihn nur auf Partys traf, mal abgesehen von unserem Restaurantbesuch. „Wenn ich für ihn so unvergesslich war, warum hat er nicht dafür gesorgt dass wir uns noch besser kennenlernen? Lieben lernen?" Raf wusste auf meine Fragen selbstverständlich auch keine Antwort aber ich wusste dass er meine Denkweise verstand. Er war erwachsen genug dafür, hatte kein Problem mit Gefühlen. Ich erinnerte mich an unsere erste Begegnung als er mich warnte dass John nicht mit Gefühlen umgehen kann. Trotz alle dem hatte ich auf ein Happy End gehofft und ehrlich gesagt, tat ich das auch jetzt noch.
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Liebe Widerwillen. - Bonez Mc FF
FanfictionVanessa lernt John auf einem nicht ganz so ursprünglichen Weg kennen, dennoch kann sie ihn nicht vergessen. Erst recht nicht als die beiden sich näher kommen, doch meint er es ernst? Sie wehrt sich Gefühle für ihn aufzubauen, doch wer kann das schon...
