Es waren die letzten Minuten vor dem Auftritt der Jungs. Die Massen warteten gespannt darauf dass es los ging, während die Jungs verkabelt wurden. „Seid ihr ready?" Raf gab jedem von uns einen Becher mit Jägermeister um ein letztes Mal anzustoßen bevor sie vor die jubelnde Menge traten. Sie steckten ihre Köpfe zusammen und motivierten sich gegenseitig. Als sie sich voneinander lösten, kam Alex für eine lange Umarmung zu mir.
„Viel Spaß und reißt bitte richtig ab." Ich lächelte ihn an. Er nickte und steckte sich sein In-Ear ins Ohr bevor er seinen Becher austrank. John kam auf mich zu, er war schon wieder in einem anderen Universum.
„So gehst du da raus?" Er grinste. „Auch die größten Rapper haben Lampenfieber." Ich verdrehte die Augen. „Also pumpen die sich alle so zu?" er zuckte mit den Schultern. „Ich bin nicht alle. Hab trotzdem eine gute Zeit egal was heute war ok?" Ich zwang mir erneut ein Lächeln auf und nickte. „Gibst du mir einen Kuss? Oder hast du jetzt noch weniger Bock auf mich als vorher?" Er zog mich an der Hüfte zu sich und ich konnte nicht anders als ihm seine Bitte zu erfüllen.
Der Auftritt war unfassbar krass. Die Menge machte mindestens genauso gute Stimmung wie die Jungs selbst. Sie sprangen über die Bühne, Jonas zog nach nicht mal 5 Minuten sein Shirt aus worüber Lisa lachend die Augen rollte und John war komplett in seinem Film. Zu meiner Überraschung spielten sie „Angeklagt". Ein Song aus Johns Soloalbum und trotzdem dass es ein etwas „ruhigerer" Song war, waren die Menschen vor der Bühne begeistert. Ich hörte zum ersten Mal intensiv auf den Text, er hatte wohl mit anderen Frauen ähnliche Dinge wie mit mir erlebt denn der Text passte zu gut zu unserer Situation. Dennoch wunderte es mich da er ja angeblich lange keine besondere Bindung in seinem Leben hatte, die Gedanken verschlangen mich sofort.
Er drehte sich Richtung Rand der Bühne wo ich mich etwas im Schatten der Mädels versteckte. „Bitte spar dir deine Tränen für einen, der sie verdient. Weil mehr kann ich dir nicht geben. Tut mir leid, dass du mich liebst" Sein Blick schien mich zu durchbohren während er die Worte ins Mikrofon rappte. In unseren Anfängen hatte ich immer gehofft er würde eines Tages ein Lied über mich schreiben, natürlich ganz ohne Kitsch denn das wäre nicht John.
Allerdings auch anders als dieses. Dieser bittersüße Schmerz den er mir bereits des Öfteren bescherte zog sich durch meine Brust. Ich dachte noch lange über die Zeilen nach die er mir widmete als das Lied schon fast vorbei war. Vielleicht hatte er Recht, vielleicht kann ich einem nur Leid tun dass ich mich in dieses Arschloch verliebt hatte.
Doch ich konnte nichts für meine Gefühle. Ich wünschte ja auch sie hätten einen On-/Offschalter.
Schweißgebadet beendeten sie ihre Show und liefen glücklich auf uns zu. Meine Laune konnte ich diesmal nicht ganz so gut verstecken, wie sonst und reagierte deshalb ziemlich zurückhaltend als John auf mich zu kam. „War krass oder?" Er wischte sich mit dem Handtuch um seinen Hals übers Gesicht. Ich lächelte ihn kurz an und nickte.
„Ja voll, wenn einem solche Texte gewidmet werden." Sein Gesichtsausdruck wurde ernster und er verdrehte Augen. „Man jetzt scheiß dir doch deswegen nicht ein. Es passt halt auch einfach, weißt du ja selbst." ich zuckte mit den Schultern und wandte mich an die Mädels die am Ausgang der Bühne warteten während der Rest der Jungs schon im Backstage verschwand.
Wir feierten noch die ganze Nacht obwohl der Flug am Vormittag zurück nach Hamburg ging. John und ich blieben auf Distanz, redeten nur flüchtig und jegliche Annäherungen blieben aus. Seine Art nervte mich schon wieder so extrem, dass ich wie immer alles hinterfragte. Wahrscheinlich einer der Gründe weshalb ich mich so dermaßen abschoss dass ich zum Schluss kaum noch laufen konnte. Allen anderen ging es genauso. Die Mädels saßen jeweils mit ihren Liebsten in irgendwelchen Ecken und machten miteinander rum, John und Raf drehten Instastorys während ich wie immer mit Alex das Dreamteam bildete was einen nach dem anderen rauchte.
„Wir sollten langsam los, müssen bald zum Flughafen." Die Sonne ging auf und ein verschwommener Blick auf mein Handy verriet mir dass es irgendwas kurz nach 5 war. Raf der noch am nüchternsten von allen war bestellte uns ein Großraumtaxi.
Etwas zu stürmisch stand ich vom einen der großen Sofas auf, auf denen ich die Nacht mit Alex verbrachte. Mein Rausch drückte mich sofort wieder zurück in die Kissen.
„Komm Prinzessin, du wirst wohl heute keinen Schritt mehr selbstständig machen." Alex lachte während er mich auf die Arme nahm um zum Taxi zu tragen. „Wir haben echt schon paar mal gefeiert aber so hab ich dich noch nie erlebt." Diana grinste mich von der Seite an, obwohl sie selbst kaum ohne Maxs Hilfe stehen konnte. „Das sagt die richtige." ich lallte sie mit einem Atem an, der wahrscheinlich nur vom Geruch benebelte.
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Liebe Widerwillen. - Bonez Mc FF
FanfictionVanessa lernt John auf einem nicht ganz so ursprünglichen Weg kennen, dennoch kann sie ihn nicht vergessen. Erst recht nicht als die beiden sich näher kommen, doch meint er es ernst? Sie wehrt sich Gefühle für ihn aufzubauen, doch wer kann das schon...
