Der Abend war noch besser als ich erwartet hatte. Wir sprachen über all möglichen Kram. John interessierte sich brennend für mein Leben. Umso mehr ich erzählte, desto mehr wurde mir bewusst wie wenig wir voneinander wussten. Wir kannten uns nur oberflächlich, was für Sex vielleicht auch reichte aber ich wollte wissen wer John ist. Eigentlich kannte ich nur Bonez. Ich wusste nur so viel wie Zeitungen und Instagram Preis gab außer vielleicht seine Bettqualitäten.
An diesem Abend merkten wir zum ersten Mal dass wir gar nicht so verschieden waren. Bei vielen Themen waren wir derselben Meinung. Es tat so gut unsere Beziehung zu vertiefen.
Er leerte den letzten Schluck des Chardonnays in unsere Gläser. Das Restaurant wurde ebenfalls immer leerer.
Im Hintergrund spielte leise etwas Klassik Musik. Nicht wirklich unser beider Fall dennoch beruhigte es und gab die richtige Atmosphäre für die Themen die wir besprachen. Ich spürte wie mir der Wein langsam in den Kopf stieg und begann mich noch mehr zu öffnen als eh schon.
„Kannst du mir was beantworten? Vollkommen ehrlich ohne Rücksicht zu nehmen?" fragend sah ich ihn an.
Er nickte. „Alles was du willst."
„Was sind wir?" ich stellte die Frage kurz und knapp ohne etwas auszuschmücken. Wollte mich nicht um Kopf und Kragen reden.
Er musterte mich während wir auf dem Tisch mal wieder Händchen hielten.
„Weiß nicht, was willst du denn hören?"
„Die Wahrheit. Was siehst du in uns? Wie weit würdest du gehen?"
Seine Schultern zuckten. „Keine Ahnung. Hab dir letztens schon gesagt dass ich keinen Drang zu ner Beziehung habe. Es passt auch einfach nicht in mein Leben."
„Verstehe... aber warum das alles hier dann?" in meinen Augen sammelten sich leichte Tränen als hätte ich jetzt die ultimativen drei Worte von ihm erwartet.
So war's nicht. Ich wollte nur hören dass sich mein Aufwand lohnt. Ein Aufwand von dem er wahrscheinlich nicht mal was bemerkte.
„Weißt du so n Leben als Rapper ist einfach nicht für normale Beziehungen gemacht. Ich bin ständig unterwegs egal ob im Studio, auf Tour, Festivals oder zu Interviews. Wir feiern viel und ich bin n scheiß Junkie, nehme zu viele Drogen das weißt du selbst.
Ich hab kaum Zeit für Tyga man. Sie ist das wichtigste im Leben und trotzdem krieg ich's nicht auf die Kette." Nachdenklich schwankte er den Wein in seinem Glas umher und sprach weiter, bevor ich antworten konnte.
„Ich bin dankbar für alles was in meinem Leben passiert ist, gerade die letzten Jahre waren wir unfassbar erfolgreich aber dann denk ich an meine Tochter oder daran abends in tausend Euro teuren Suiten alleine einzuschlafen. Ich könnte jede Nacht ne andere Frau bumsen aber sowas hilft nicht für immer gegen Einsamkeit."
Ich war ziemlich überrascht dass er sich mir gegenüber so öffnete. Ein weitere Grund unserer Beziehung zu hinterfragen.
„Du hast es hautnah mitbekommen, dass ich es nicht mal schaffe Tyga pünktlich abzuholen. Was bringt es ihr wenn sie mit Geschenken überhäufe aber kein vernünftiger Vater bin?" ich nickte langsam um ihm zu signalisieren dass ich seine Sorgen verstand.
„Ich bin selbst ohne Vater aufgewachsen. Er schickte hier und da mal Geld um meine Mutter zu unterstützen aber am Ende des Tages musste sie alles alleine schaffen. Ich versteh dich und schätze es sogar irgendwie dass du dir solche Gedanken machst." ich redete einfach drauf los, hatte das Gefühl meine Gedanken sind bei ihm sicher. Er drückte meine Hand etwas fester als würde er Mitgefühl zeigen wollen.
„Ich hab dir zu Hause schon gesagt dass du eben nicht so bist wie andere und das meinte ich auch so. Ich hab dich nicht umsonst hierher ausgeführt. Das hab ich mit noch gar keiner Frau gemacht aber du bist eben anders. Ich liebe es wie du dir keine Gedanken darüber machst ob du heute nun ungeschminkt aus dem Haus gehst oder nicht. Die Weiber die sonst um uns herum sind, kannste gar nicht spontan abholen. Die müssen sich erstmal 2 Stunden zurecht machen." er lachte.
„Ob du den halben Tag schon arbeiten warst um am Ende die Jungs durch Hamburg zu fahren. Du hörst dir alles an obwohl es dir selbst nicht gut geht. Ich weiß nicht so wenig über dich wie du vielleicht denkst. Nachdem du mich mit der Alten am Basketballfeld gesehen hast, wusste ich es geht dir nicht gut sonst wärst du nicht einfach gegangen. Ich bin dir wichtiger als es sein sollte."
Ich spürte wie mein Gesicht sich errötete vor lauter Scham.
„Lass mich dir sagen, dass du seit langem mal wieder was besonderes in meinem Leben bist. Allerdings kann ich dir keine Versprechen geben. Es wird immer wieder Ladys in meiner Nähe geben, wir würden uns wenig sehen und ich kann dir außer Geld nichts bieten, verstehst du? Ich will dein Potential nicht an einen Idioten wie mich verschwenden."
Ich räusperte mich als ich merkte dass ich ziemlich geplättet von seiner Ehrlichkeit war. So eine ausführliche Antwort hatte ich auf meine Frage nicht erwartet.
„Ich versuche zu verstehen was du meinst, gib mir Zeit dafür okay? In mir sieht es schon anders aus, weiter irgendwie." gab ich leise zu. „Ich wusste von Anfang an dass du kein Beziehungstyp bist. Trotzdem bist du mir seit dem ersten Kuss in meiner Wohnung nicht aus dem Kopf gegangen. Wir kommen aus zwei so verschiedenen Welten und dennoch passt alles sobald wir Zeit verbringen." Er sah mich schweigend an als würde er mir den Raum geben mich komplett auszusprechen aber mir fehlten die Worte.
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Liebe Widerwillen. - Bonez Mc FF
FanfictionVanessa lernt John auf einem nicht ganz so ursprünglichen Weg kennen, dennoch kann sie ihn nicht vergessen. Erst recht nicht als die beiden sich näher kommen, doch meint er es ernst? Sie wehrt sich Gefühle für ihn aufzubauen, doch wer kann das schon...
