POV: Ena
Lukas hatte sich nach dem Mittag wieder verabschiedet und auf Jessicas Nachfrage auch schon das Abschiedsgeschenk von der Belegschaft mitgenommen. Im Büro war bereits die letzte Stunde meines Arbeitstages angebrochen und ich stellte gerade der Buchhaltung die eingegangenen sowie ausgegangen Rechnungen der vergangenen Tage im Programm zur Verfügung. Jessica betrat das Büro und schloss hinter sich die Tür. Ich sah vom Bildschirm auf und in die traurigen Augen meiner besten Freundin.
"Ach Maus...", sagte ich und erhob mich von dem Stuhl, um Jessica in die Arme zu schließen.
"Das war es dann wohl, mein letzter Tag in Göttingen ist jetzt rum.", sagte sie weinerlich.
"Aber es geht zurück in deine Heimat, freu dich bitte darauf. Außerdem ist keiner von aus der Welt, noch lange nicht.", sagte ich tröstend und strich ihr über den Rücken.
"Du hast ja recht... Schade, dass ich mich von...", die Tür des Büros schwang auf und Tim stand im Türrahmen. Jessica löste sich aus meiner Umarmung und sah ihn mit einem leichten Lächeln an, ihr Blick schweifte zu mir. "Vergiss, was ich sagen wollte.", lachte sie leicht und wischte sich über ihre Wangen.
"Tu mir das bloß nie wieder an. Die Frau macht mich wahnsinnig.", sagte Tim recht laut, während er sich genervt auf dem Stuhl vor dem Schreibtisch niederließ.
"Ähm...", ich setzte einen unschuldigen Blick auf.
"Ja, ich bin jetzt wirklich hier hergefahren... Marcel war nicht daheim, Ben ist mit Lisa im Urlaub und dann hatte ich keine Lust mehr ohne Ziel durch die Gegend zu fahren.", laut atmete er aus und sah mich an. "Zwei Tage... Zwei Tage beherbergen wir sie jetzt schon und ich wünsche mir eine tödliche Krankheit."
"Babe, jetzt übertreibst du aber, findest du nicht auch.", ich hoffte ihn ein wenig besänftigen zu können.
"Willst du mich verarschen, die wollte mit mir heute in den Baumarkt fahren, wir sollten die Wand im Wohnzimmer und im Gästezimmer streichen, damit es gemütlicher wirkt.", ich begann leicht zu lachen, Tim griff sich an die Stirn und sah mich mit großen Augen an. "Ich hab ihr das zum Glück ausreden können. Dann war sie im Internet unterwegs und hat Zeug für Heisenberg bestellt."
"Aber das ist doch schön.", schulterzuckend sah ich ihn fragend an, Jessica blickte ihn ebenfalls fragend an.
"Der Kleine frisst mich doch bei lebendigem Leib, wenn ich ihm ein Halsband mit Pailletten anlege. Zur Mittagszeit wollte ich was zu essen machen, aber sie sagte, dass sie mich gern einladen würde."
"Immerhin vers...", Tim hob seine Hand und ich verstummte.
"Wir waren bei IKEA...!!!" Das Wort 'essen' betonte er mit Gänsefüßchen. "Plötzlich hat sie nach Möbeln schauen wollen. Wenn Elisa nicht gefahren wäre, hätte ich sie eiskalt stehen lassen. Immerhin hat sie ein paar Kerzen mitgenommen und ich hab 'nen Hotdog bekommen.", er zog kurz seine Augenbrauen nach oben. "Kann ich sie bitte vor die Tür setzen?", fragte Tim wehleidig.
"Babe... Beruhig dich bitte.", ich stellte mich hinter meinen Freund, beugte mich herunter und legte meine Arme über seine Schultern.
"Beruhigen? Ich frage mich eher, wie dein Vater diese Beziehung so lange aufrechterhalten konnte.", wieder atmete er tief durch.
"Halloooo... Jetzt ist gut! Es ist nur noch eine Nacht."
"Was macht dich da so sicher?", fragte er.
"Tadaa.", aus der Tasche meines Hoodies zog ich den kleinen Schlüsselbund hervor und hielt ihn Tim vor die Augen. "Jessica hat mir den Schlüssel für ihre Wohnung gegeben, da wird sie ab morgen unterkommen.", Tim löste sich aus meinen Armen, indem er vom Stuhl aufsprang und Jessica um den Hals fiel.
"Danke... Danke... Danke...", sagte er erleichtert.
"Ist ja schon gut, Tim. Es ist aber schön, dich auch nochmal sehen zu können.", Jessica klopfte Tim kurz auf den Rücken.
"Stimmt, ist dein letzter Tag.", merkte er an und Jessica lief wieder eine Träne aus dem Auge. "Ach Sonnenschein, du musst doch jetzt nicht weinen."
"Bye, bye baby, baby goodbye (bye baby, baby, bye, bye)
Bye, bye baby, don't make me cry (bye baby, baby, bye, bye)..."
Jessica hatte uns noch überreden können, nach meinem Feierabend bei ihr vorbeizuschauen. Während ich meinen Ford Fiesta durch die Straßen von Göttingen steuerte, sah ich Tim im Rückspiegel breit grinsend und zufrieden am Lenkrad seines Wagens. Ich parkte mein Auto am Bürgersteig, hinter dem Auto von Lukas ab und stellte den Motor aus. Auf dem Bürgersteig, zog Tim mich fest an sich heran und sah mir in die Augen. "In meinem Wahn vorhin, habe ich doch tatsächlich das Wichtigste vergessen.", sagte er ruhig und zog mich in einen intensiven Kuss. "Ich liebe dich.", flüsterte er unweit meiner Lippen und zog mich wieder in einen Kuss. Ich sah ihn zufrieden an, als wir uns lösten und erwiderte sein Geständnis. Bis zum frühen Abend verblieben wir bei Jessica und traten später gut gelaunt den Heimweg an.
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Verloren - 3
FanfictionMeine Fanfiction zur aufgelösten Band Trailerpark geht in die dritte Runde. Ich wünsche euch sehr viel Spaß beim lesen und mitfiebern. Der dritte Teil ist die Zerreißprobe für die Gruppe, doch wen trifft es am meisten? Die Geschichte ist frei erfu...
