POV: Jessica
Eisern und ungläubig hielt ich meinen Blick an Lilith und Niklas fest, welche kurz zuvor die Lokalität betreten hatten. Sie hielten jeweils die Hand des Anderen, bis sie sich an einen Tisch auf der anderen Seite des Raumes setzten. Als der Blick von Niklas meinen traf, sah ich, wie er kurz schluckte. - Ist er mir wirklich mit ihr fremdgegangen? - "Ey... Jessie!", Linda stupste mich leicht mit ihrem Ellbogen an meinem Arm.
"Hmm?", erschrocken sah ich sie an.
"Dein Handy klingelt schon wieder.", merkte sie an.
"Ähm... Ja..."
"Mädels, ich muss langsam mal los.", sagte Ian und klopfte auf die Platte des Tisches.
"Warum hast du sie so angesehen?", die Stimme von Linda klang recht traurig, ihr Blick ging an mir vorbei.
"Ich habe nicht Lilith angesehen... Der Mann, mit dem sie hier ist... Er ist Niklas... Mein Ex...", mir fiel auf, dass mir diese Worte immer schwerer von der Zunge gingen. Es fühlte sich so schlimm an, darüber nachzudenken, gar es auszusprechen.
"Der Niklas?", hakte Linda entsetzt nach. Stumm nickte ich und wandte meinen Blick von ihr ab. "Das ist der Vater des Kindes.", sagte sie. "Sie hat mir gesteckt, dass diese Affäre schon seit Anfang letzten Jahres lief. Die beiden haben sich über irgendein Onlinegame kennengelernt.", ich schluckte schwer und mein Blick schwang über, auf den Rest des Latte Macchiato, in dem Glas vor mir. "Jessie, ich weiß, wie blöd das jetzt klingen mag, aber lass wegen dem jetzt nicht den Kopf hängen. Du hast Lukas, du bist glücklich mit ihm, der ist doch keinen Gedanken mehr wert."
"Ich bin gleich wieder da.", ich griff nach der Jacke über der Lehne des Stuhles. Ich sah, wie Niklas mich im Augenwinkel beobachtete. Bevor ich die Lokalität verließ, um vor dem Eingang eine Zigarette zu rauchen, blieb ich kurz in der Tür stehen und sah ihn finster an.
"Ich wollte dir nur sagen,
dass ich im Schrank noch
etwas gefunden habe.
Lass dir Kaffee und Kuchen
schmecken, Mäuschen."
Die Nachricht von Lukas, welche ich vor dem Lokal las, konnte meine Laune gerade wenig steigern. Ich stellte die komplette Beziehung mit Niklas infrage, doch wann könnte ich damit abschließen? Den Stummel der Zigarette drückte ich in dem hohen Aschenbecher neben dem Eingang aus und sah in den Himmel, um meine Gedanken zu sammeln. So viel Wut, wie ich sie in diesem Moment verspürte, war mir nie bekannt gewesen.
"Warum so nachdenklich?", der gehässige Tonfall von Niklas holte mich in die Gegenwart zurück, mein kalter Blick traf seine eisblauen Augen. "Du schaust immer in den Himmel, wenn du nachdenkst.", er lachte leicht und zog die Zigarettenschachtel aus der Tasche seiner Jacke.
"Ich frag' mich, warum du mich aus Eifersucht verdroschen hast, obwohl du mir fremdgegangen bist. Aber keine Sorge, ich stelle auch mich infrage, wie ich das nicht merken konnte.", mein Ton war kühl.
"Pff... Wenn du dich ständig auf der Arbeit verbarrikadieren konntest, hatte ich ja genug Zeit für anderen Kram.", lachte er und winkte ab.
"Jetzt frag dich mal, warum.", wieder lachte er leicht und rollte mit den Augen. "Du hast mir letztes Jahr in Göttingen eine Szene gemacht, dass du mich zurückwolltest, danach drückst du mir fast die Luft ab..."
"Boar, ich hab mal überreagiert, der Lulatsch und die Leinwand waren doch sofort zur Stelle.", er zuckte mit den Schultern.
"Ich hatte unheimliches Glück, dass Lukas und Tim kamen, jetzt spiel das bloß nicht runter. Warum warst du überhaupt da, wenn du doch eine Dumme hattest?", mein Blick hielt sich an den Pflastersteinen des Gehweges fest, ich wollte einfach nicht mehr in das Gesicht dieses verlogenen Gewalttäters blicken.
"Weil du meine große Liebe warst.", sagte er geradeheraus und trocken.
"Dann hast du echt eine verdammt beschissene Art, das zu zeigen.", kurz sah ich auf, atmete tief durch und wendete ein letztes Mal meinen Blick an Niklas. "Du bist echt so erbärmlich, weißt du das eigentlich? Was anderes fällt mir dazu nicht ein.", ich ging auf die Tür des Eingangs zu, öffnete sie ein kleines Stück und drehte mich noch einmal zu ihm um. "Ich denke, dass ich jetzt wirklich behaupten kann, mit dir fertig zu sein. Ich habe dich ja wohl nie wirklich gekannt.", ich betrat wieder das Café, setzte mich an den Tisch und sah Linda mit einem befreiten Blick an.
"Alles gut?", ich nickte und fragte Linda ebenfalls. Der Schock saß bei ihr, verständlicherweise, noch tief und der Herzschmerz war ihr anzusehen, doch sie würde da drüber stehen.
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Verloren - 3
Fiksi PenggemarMeine Fanfiction zur aufgelösten Band Trailerpark geht in die dritte Runde. Ich wünsche euch sehr viel Spaß beim lesen und mitfiebern. Der dritte Teil ist die Zerreißprobe für die Gruppe, doch wen trifft es am meisten? Die Geschichte ist frei erfu...
