POV: Linda
"Ja, einen Moment, ich würde mal schauen, wo sich die Chefin versteckt.", mein Vater rief mich an und hatte sich ebenfalls nach Jessica erkundigt, woraufhin ich begann, sie in der Werkstatt zu suchen. "Torben? Hast du Jessica gesehen?", nachdem ich sie weder in den beiden Lagerhallen noch in der Küche zu Gesicht bekommen hatte, fragte ich einen der Mechaniker. "Ich glaube, sie ist vor einiger Zeit nach draußen."
Ich begab mich in den Hinterhof und blickte zu dem dunklen Pavillon aus Holz, der als Raucherbereich diente. Jessica stützte ihre Stirn auf ihre Handfläche und hielt ihren Blick am Boden. "Du... Papa... Ich glaube, Jessica ist gerade auf der Toilette, ich kann sie hier draußen auch nicht finden.", sprach ich in das Telefon. Mein Vater beendete kurz darauf das Telefonat und begab mich zu ihr. Ich stellte mich direkt vor die Brünette, welche langsam ihren Kopf hob und zu mir aufsah. "Darf ich fragen, was passiert ist?", fragte ich vorsichtig, Jessica atmete tief durch und wischte über ihre Wangen. Nahezu Hilfe suchend, sah sie mich an. "Hast du dich mit Lukas gestritten?", hakte ich nach, doch sie verneinte mit ihrer Antwort. Stillschweigend setzte ich mich neben sie und sah sie erwartungsvoll an.
"Hast du diese kleine Familie mit ihrer zuckersüßen Tochter vorhin mitbekommen? Die Kleine wollte mir bei dem Wechsel der Reifen helfen.", während Jessica mir diese für sie bedeutenden Worte sagte, griff sie in ihre Jackentasche und holte die Zigarettenschachtel hervor.
"Nicht wirklich, ich habe mein Büro seit heute Morgen nicht verlassen.", ich wünschte etwas anderes antworten zu können. Jessica zündete die Zigarette an und blickte geradeaus über den Hof.
"Ich weiß, dass Lukas auch irgendwann Kinder will... Ena ist jetzt schwanger und ich... Ich...", sie schluckte und begann zu weinen.
"Ich denke, Lukas wird verstehen, dass du jetzt mit der neuen Werkstatt und der neuen Wohnsituation noch keinen Kinderwunsch hegst.", ich versuchte ihr gut zureden zu können.
"Linda... Das ist es nicht...", enttäuscht sah sie mich an.
"Was ist es denn dann?"
"Ich bin mittlerweile unfruchtbar...", sagte Jessica fast stumm. "Letztes Jahr im Krankenhaus wurde mir mitgeteilt, dass ich noch immer Kinder bekommen kann... Bis mich meine neue Frauenärztin an Valentinstag eines Besseren belehrte...", sie zog an der Zigarette und blickte den Rauch, der in der Luft verblasste, an. "Einer meiner Eierstöcke ist beschädigt... Sie kann aber nicht nachvollziehen, ob er nachträglich durch den Stress verkommen ist oder bereits Schäden von der Gewalteinwirkung davon getragen hat... Aber Fakt ist...", Jessica schluchzte und warf den Glimmstängel verzweifelt auf den Boden. "Weißt du, wie scheiße ich mich fühle... Du hättest Lukas in Hamburg vor diesem Schaufenster sehen sollen, wie er mit diesem Kinderwagen geliebäugelt hat... Ich weiß nicht mal, wie ich das Thema ansprechen soll... Bei Ena melde ich mich seit Wochen nicht, weil ich mich dann gezwungen fühle, nach dem Entwicklungsstand zu fragen... Weil ich Patentante werde und mir selbst auch nichts Sehnlicher wünsche, als mit Lukas in einem oder zwei Jahren im Wald auf der Terrasse zu sitzen und ein Baby auf dem Arm zu haben...", sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen.
"Du willst mir jetzt nicht erzählen, dass du dieses Paket seit drei Monaten mit dir herumschleppst, oder?", hakte ich erschrocken nach.
"Doch, verdammt. Was soll ich denn bitte machen?", verzweifelt hob sie ihren Kopf.
POV: Jessica
"Don't ask me how I'm doing I'm gonna lie to you
I feel the need to please my people it's just what I do
So dry your tears, I always got you, ain't as bad as it seems..."
Die Lautstärke der Anlage in dem Auto von Lukas reduzierte ich, nachdem ich den Wagen vor dem Altbau geparkt hatte. Jeden Tag zerriss mich das Schweigen mehr und ich stellte mir die Frage, ob der richtige Zeitpunkt jemals kommen würde, an dem ich ihm davon erzählen konnte. Einen richtigen Zeitpunkt würde es dafür niemals geben, aber heute war es dennoch nicht so weit.
Ich schloss die Tür auf und wurde von Lukas bereits im Flur empfangen. Abrupt blieb ich im Türrahmen stehen und blickte in seine Augen. Aus dem Wohnzimmer nahm ich warmweißes flackerndes Licht wahr und aus der Küche zog ein würziger herzhafter Duft. "Lukas... Was hast du ausgeheckt?", mit großen Augen und einem Gefühl, was der Übelkeit nicht allzu fern war, stand ich ihm gegenüber.
"Du hast doch gesagt, wie stressig momentan die Arbeit ist. Ich habe mir heute Gedanken gemacht und hoffe, dich vielleicht ein bisschen zum Abschalten bewegen zu können." - Abschalten... Kann ich doch seit Wochen nicht... Erst recht nicht, seitdem ich weiß, dass Ena schwanger ist... Warum musst du es mir so schwer machen? - "Mäuschen? Ist alles gut.", er hatte bereits einen Schritt auf mich zugesetzt und seine Hände an meine Hüfte gelegt. Stumm nickte ich und versuchte, ein überzeugendes Lächeln aufsetzen zu können. Ein sanfter Kuss traf meine Stirn, Lukas nahm mir meine Strickjacke ab und führte mich in das von Kerzen erhellte Wohnzimmer.
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Verloren - 3
FanfictionMeine Fanfiction zur aufgelösten Band Trailerpark geht in die dritte Runde. Ich wünsche euch sehr viel Spaß beim lesen und mitfiebern. Der dritte Teil ist die Zerreißprobe für die Gruppe, doch wen trifft es am meisten? Die Geschichte ist frei erfu...
