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POV: Ena

Ich saß in dem dunklen Wohnzimmer des Hauses, neben mir auf dem Sofa lagen Heisenberg und Gustavo, die sich seit meines schmerzerfüllten Schreis, nach dem Telefonat mit Igor, nicht von meiner Seite getraut haben. "Was ist, wenn er innere Blutungen hat? Was wird dann aus uns?", begann ich wieder und weinte. "Ena, mein Kind. Bitte, bitte male nicht gleich den Teufel an die Wand. Allein die Tatsache, dass er ansprechbar ist, ist ein gutes Zeichen.", sprach meine Mutter am Telefon, welche sich nebenbei panisch anzog, um zu mir zu fahren. Mein Blick ging zu der Decke des Zimmers über.
"Ich versuche doch schon mich zu beruhigen, Lukas hat mir auch schon gesagt, dass ich mich beruhigen muss.", blaffte ich in meiner Verzweiflung.

POV: Lukas // Alligatoah

Wie ein verschrecktes Reh sah Jessica mich an, als ich hinter der geöffneten Tür meines Wagens stand. "Jessica, Süße... Was ist in letzter Zeit mit dir los?", durchdringend sah ich sie an und wartete auf Antworten, stumm blickte sie mich an und atmete laut und schwer. "Ich warte...", ich trat ein Schritt zur Seite, schloss die Tür zu meinem Wagen und ging langsam auf Jessica zu. "Wa... Wa... Was soll...", stammelte sie, Tränen begannen über ihr Gesicht zu laufen.
"Fang nicht wieder so an.", sprach ich ernst und verschränkte meine Arme.
"Lukas... Ich...", sie stieg komplett von ihrem Fahrrad ab, klappte den Ständer herunter und suchte in ihrer Jackentasche nach ihrer Zigarettenschachtel.
"Die hast du zu Hause liegen lassen.", merkte ich kühl an und zog meine Augenbrauen nach oben. Ihr Blick richtete sich zu Boden, sie versuchte ihre Tränen zu trocknen und rümpfte ihre Nase. "Jessica... Seit Wochen verhältst du dich so... Ena hat mir vorhin am Telefon gesagt, dass sie von dir auch keine Antworten mehr bekommt... Was ist vorgefallen, dass du dich mittlerweile so verhältst... Du hattest mal Angst, dass es genau so wird, wenn du hier lebst und jetzt... Jetzt sorgst du sogar dafür, dass es so ist...", ich war überaus enttäuscht.
"Es ist nichts vorgefallen... Ich... Ich...", kleinlaut begann sie wieder zu sprechen.
"Was kann denn bitte so schlimm sein, dass du darüber nicht mit mir reden willst?", mein Tonfall, den ich ihr entgegenbrachte, kannte sie von mir nicht. "Hast du doch einen anderen? Ist es das? Dann sag mir das bitte... Ich habe Pläne und das mit dir... Wenn ich in deine Augen blicke, sehe ich eine gemeinsame Zukunft... Du und ich... und ein oder zwei kleine Scheißer, die um uns...", je mehr mir in Gedanken kam, Jessica nicht mehr an meiner Seite haben zu können, umso mehr verletzte es mich und ich sprach lauter.
"Boar... Verdammte Scheiße, genau das ist das Problem!!!", schrie sie schmerzerfüllt und sackte vor meinem Auto auf dem Boden zusammen. "Wir werden nie eine Familie gründen können, Lukas.", schluchzte sie
"Was?", meine Stimme war schlagartig ganz sanft und meine Wut war ebenfalls verflogen. Vorsichtig ging ich neben Jessica in die Hocke und hielt meinen Blick an ihrem Profil fest. "Rede bitte mit mir.", flehte ich, doch ihre Atmung wurde hektischer und sie weinte ohne Unterbrechung. Mit meinem linken Arm griff ich unter ihre angewinkelten Knie, meinen anderen Arm legte ich so um sie, dass ich Jessica anheben konnte. Ich ließ mich auf der Bank aus Holz am Rand der Straße nieder und setzte Jessica auf meinen Oberschenkeln ab. Meine rechte Hand lag an ihrem Rücken, mit meiner linken Hand griff ich ihre Hände und strich mit meinem Daumen über die Knöchel ihrer Finger. Langsam normalisierte sich ihre Atmung und sie rümpfte die Nase. Ich ließ zögernd ihre Hände los und hob mit meinem Zeigefinger ihren gesenkten Kopf, sodass ich direkt in den leeren Blick ihrer braunen Augen sah. Sie blinzelte kurz und legte ihre Stirn an meine, ich legte meinen linken Arm ebenfalls um sie und drückte sie fest an mich. "Du bist unfruchtbar?", fragte ich vorsichtig und vernahm ein ängstliches Nicken ihrerseits. "Warum hast du denn nicht versucht mit mir das Gespräch zu finden?", hakte ich mit etwas Enttäuschung in der Stimme nach, doch bekam vorerst nur ein Schulterzucken, als Antwort. Jessica entfernte langsam ihren Kopf von meinem, sie atmete tief und sah in den Himmel, welcher übersät war mit leuchtenden Sternen.

"Ich habe es an Valentinstag von meiner neuen Frauenärztin erfahren, als sie mir beim Ultraschall zeigte, dass einer meiner Eierstöcke beschädigt sei. Deswegen war ich am Abend auch nicht zu Hause anzutreffen, ich wollte das Thema für mich erstmal setzen lassen. Dann kam die Tour, welche ich dir mit so einer Nachricht nicht vorher versauen wollte und dann...", wieder atmete sie tief durch und wendete ihren Blick direkt an mich. "Dann kam der Geburtstag von Ena und Tim...", mir lief ein kalter Schauer am Rücken herunter, als die beiden erwähnte, da ich die Worte von Ena noch in meinem Kopf hatte. "Seitdem ich deinen Blick sah, der nach ihrer bestätigten Schwangerschaft auf mir lag, war ich jeden Tag am überlegen, wie ich dir das nur beibringen kann.", ich schluckte und legte meine Hand an ihre Wange, somit zog ich ihr Gesicht an meines heran, wieder lag meine Stirn an ihrer. Eine Mischung aus Gefühlen spürte ich, zum einen war ich erleichtert, dass Jessica mir nach all der Zeit mitgeteilt hatte, was sie beschäftigt. Ihre Worte stimmten mich verständlicherweise auch traurig, aber meine Liebe zu dieser Frau, war stärker als jede Emotion, die ich ihr nur entgegenbringen konnte. Ich bemerkte, wie mir ebenfalls eine kleine Träne aus meinem Auge lief. 

Verloren - 3Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt