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POV: Timi

Basti und ich saßen uns stillschweigend auf meiner Couch gegenüber und tippten auf unseren Handys. "Wann wollte Vortex da sein?", fragte er und atmete laut. "Vor zwanzig Minuten, vielleicht steht er im Stau.", antwortete ich und sah zu, wie Basti aus seiner Hosentasche eine kleine Dose holte. Auf dem Bildschirm seines Telefons legte er sich mithilfe seiner Kreditkarte eine Line und zog sie mit einem eingerollten Fünfzig-Euro-Schein weg. "Langsam könnte der aber langsam mal hier antanzen.", sagte Basti genervt und lehnte sich auf meinem Sofa zurück.
"Diggah, du solltest langsam mal wieder deine Dosis reduzieren.", leicht besorgt sah ich ihn an, als ich sah, wie seine Nase zu bluten begann. Er wischte mit dem Handrücken seine Nase ab und blickte das Blut an. "Ach... Ein, zwei Tage und dann passiert das nicht mehr.", lachte er auf.

~*~

Am frühen Abend saß ich mit Igor und Basti auf der Terrasse, die beiden tranken ein Bier, während ich mir gerade einen Joint anzünden wollte, als mein Handy klingelte. Auf dem Bildschirm meines Handys konnte ich ablesen, dass Sudden mich anrief. Das Telefonat wurde recht kurz gehalten, er teilte mir mit, dass Melina eine starke Panikattacke am Nachmittag hatte und er aufgrund eines Zusammenbruches einen Krankenwagen rief. Melina würde vorerst im Krankenhaus unterkommen, dass ihr Zustand beobachtet werden konnte.
"Sollen wir zu dir kommen, Alter?", fragte ich und legte den Joint auf dem Tisch neben mir ab.
"Ich weiß es nicht... Ich... Ich bin total überfordert... Ich weiß, dass die Ärzte sie gut versorgen, aber ich bin nicht bei ihr... Ich... Ich... Ach keine Ahnung... Ahhh...", aus Verzweiflung schrie mein ehemaliger Bandkollege in sein Handy, was für mich eine Antwort auf meine Frage war.
"Wir sind auf dem Weg.", sprach ich entschlossen zu Steven und beendete das Telefonat.

"Wo müssen wir jetzt hin, ey, ich will doch nur chillen.", stieß Basti genervt aus, setzte die braune Flasche an und trank den letzten größeren Schluck aus.
"Steven... Melina ist zusammengebrochen und wurde vom Notarzt ins Krankenhaus mitgenommen.", ich zog meine Augenbrauen nach oben und hielt meinen Blick an meinem Kumpel fest. Dieser atmete leicht getroffen, dennoch schwer aus und sah zu Igor.
"Geht los.", sagte dieser kurz und klopfte auf seinen Oberschenkel.

"Süße? Ena?", meine Freundin lag schlafend auf dem Sofa und umklammerte fest ihr Handy. Langsam schlug sie ihre Augen auf und sah mich verschlafen an. "Wir machen nochmal los, Steven geht es nicht gut, ich erkläre dir morgen alles in Ruhe.", sagte ich flüsternd und strich ihr über den Kopf.
"Du fährst bitte und vorsichtig, ja?", schlaftrunken sprach sie zu mir. Ich nickte und küsste sie zärtlich. Ich setzte einen Schritt nach links, zog ihr graues Shirt leicht hoch und hauchte einen Kuss auf ihren Bauch. Auf dem linken Schenkel des Sofas lag eine weiche Decke, welche ich aufschlug und über Ena legte. "Ich liebe dich.", wisperte ich unweit ihrer Lippen und küsste sie noch einmal.
"Ich dich auch, Schatz.", gähnte sie, zog die Decke höher und schloss zufrieden lächelnd ihre Augen.

"Welcome to the city of the dead (of the dead)
Where we all wear crowns upon our head
Welcome to the city of the dead (of the dead)
Where the lost are found, in peace we rest..."

Festhielt ich meinen Blick auf der Straße, während ich meinen Wagen über die linke Spur der A2 heizte, um schnell bei Steven zu sein. "Ewig her, dass ich dich mal so fahren gesehen habe.", lachte Basti auf und schlug mir straff auf den Oberschenkel.
"Komm' mal klar, du weißt, wie er ist, wenn es ihm schlecht geht. Kein Bock, dass der Vorfall ihn jetzt richtig runterzieht. Die Außenwelt denkt eh schon, dass er keine Ahnung... Abgetaucht ist oder so.", ich deutete ein Augenrollen an. Basti verstand augenscheinlich nicht, wie ernst es wohl sein könnte, obwohl er Steven genauso lange kannte, wie ich. Allerdings hatte der Drogenkonsum von Basti seit der Auflösung unserer Band auch wieder deutlich zugenommen.
"Diggah, fahr doch gleich hier ab, zu der Tageszeit sind wir durch die Stadt eh viel schneller.", sagte Basti genervt, lautstark ließ er seine Handflächen auf seine Oberschenkel fallen.
"Oder ich fahre einfach so, wie ich immer zu unserem liebsten Ficker fahre.", kurz wandte ich meinen Blick von der Fahrbahn ab und grinste Basti breit an.
"Boar... Qutasch... Du Spießer...", sagte er augenrollend und griff nach dem Lenkrad.
"Diggah, wir kommen so oder so nicht eher an. Jetzt beruhig dich mal.", genervt schlug ich seine Hand vom Steuer und blickte ihn im Augenwinkel ernst an.
"Aber einmal noch.", lachte er. Wieder griff Basti das Lenkrad oben rechts an und zog es in seine Richtung. Obwohl ich versuchte, dagegen zu lenken, brachte ich nicht genug Kraft auf. Wir fuhren frontal auf die Leitplanke zu, welche zwischen der Ausfahrt und dem weiteren Streckenverlauf herausragte.

Verloren - 3Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt