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POV: Davi

"Locker und leicht so wie Hopfen und Malz
Füreinander geschaffen (Ey), Doc und McFly
Jaja, Marmor, Stein und Eisen bricht
Doch daraus sind wir beide nicht..."

- Was weiß ich denn, wo die ihre Smartwatch hingepackt hat... Wenn sie die wochenlang nicht trägt und nur auf der Kommode im Flur liegt... Im Endeffekt hat sie die verschmissen... War doch früher genau das Gleiche... - Auf dem Weg zur Werkstatt zerbrach ich mir allmählich den Kopf. Jessica stürzte heute Morgen durch meine Wohnung, auf der Suche nach ihrer Smartwatch. Nachdem wir zusammen eine Stunde gesucht hatten, knallte sie mit den Worten 'Zwei Wochen lag die im Flur und jetzt...?!', wütend die Tür des Gästezimmers. Nachdem sie nicht weiter auf mich eingegangen war, verabschiedete ich mich vorsichtig, um den Weg zur Arbeit anzutreten und Tommy abzuholen. "Du bist schon wieder so ruhig, bekommt dir die Ruhe vor Jessie etwa nicht?", merkte Tommy an, der auf der Beifahrerseite meines Wagens saß. "Pff... Wie kommst du denn darauf?", lachte ich, meinen Blick hielt ich fest auf der Straße. "Weil du lange nicht mehr so ruhig warst.", hakte er nach. "Ach... Mach dir mal keine Gedanken.", ich winkte ab und schaltete hoch in den vierten Gang.

"Guten Morgen.", mit einem aufgesetzten breiten Grinsen betrat ich das Büro. Ena sah von dem ledrigen Bürostuhl zu mir auf und deutete vorsichtig ein Kopfschütteln an. "Ärger im Paradies?", fragte ich und hielt meinen Blick an ihr fest.
"Tür zu, wir müssen reden.", der ernste Ton ihrer Stimme ließ mich schwer schlucken. Ich kam der Anweisung nach und setzte mich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. Erwartungsvoll blickte ich sie stumm an und wartete auf Antworten. "Davi, wann hast du das letzte Mal die Kasse gezählt?", ertappt bildeten sich förmlich Schweißtropfen auf meiner Stirn. "Davi? Ich warte..."
"Ja ist ja gut... Ich hatte es immer vergessen, weil ich es am Ende des Tages machen wollte und habe dir dann den Bestand geschickt, der im System stand."
"Genau das konnte ich mir jetzt schon denken.", augenrollend saß sie mir gegenüber und sah mich schlussendlich durchdringend an. "Zwischen Kasse und Kassenbuch liegt eine Differenz von derzeit zweihundertvierzig Euro.", sagte sie geradeheraus.
"Was? Du hast dich doch...", entgeistert suchte ich sofort eine willkürliche Begründung, um eine Erklärung zu haben, sollte Jessica davon Wind bekommen.
"Ich habe mehrfach nachgezählt und die Differenz hat sich kontinuierlich angehäuft. So gesehen, wusste ich auch schon länger, dass du einer Zählung nicht nachkommst. Irgendjemand bedient sich hier an der Kasse und die Einzigen, die wissen, wo die Kasse steht, sind wir beide und Jessica. Sie wird ja wohl kaum von Berlin hier herfahren, um sich dann von den paar Scheinen die Taschen vollzumachen.", durchdringend sah sie mich an. "Aber ich weiß, wer es war.", Ena zog eine Augenbraue nach oben.
"Wirklich? Wer? Und vor allem, wie hast du das rausgefunden?", begeistert und verängstigt zugleich wartete ich auf eine Antwort.
"Ich glaube nicht, dass dir die Antwort gefallen wird. Aber erstmal zum Tathergang oder auch, wie ich den Täter entlarvt habe.", amüsiert zog sie eine Lupe aus der Schublade am Schreibtisch und blickte mich detektivisch durch das Glas an.
"So schlimm kann es ja nicht sein, wenn du solche Scherze machen kannst.", spottete ich.
"Tut mir leid, dass ich dir nicht direkt sagen will, dass Nora sich gelegentlich an der Kasse bedient hat. Also soll ich nochmal anfangen oder reicht dir das jetzt als Antwort?", ein kalter Schauer lief mir den Rücken herunter, diese Aussage schlug mir unbeschreiblich stark auf den Magen. - Hat sie sich deswegen an mich rangeschmissen, beziehungsweise überhaupt mit mir geschlafen? - "Ich habe die Anweisungen meines Vaters befolgt, nachdem ich ihm aufgelöst davon erzählt habe. Die Geldkassette habe ich ordentlich abgewischt, sodass keine Fingerabdrücke mehr von uns dran waren und habe sie nach zwei Wochen gegen eine identische ausgetauscht. Unsere Kasse habe ich an meinen Vater weitergegeben mit Fingerabdrücken von uns allen, die ich nebenbei von Tassen, Werkzeug und Co gesammelt habe. Das Daktylogramm von Nora ist auf der Geldkassette nachzuweisen, nur von Nora, daher habe ich auch den Beweis, dass du die Kasse nicht gezählt hast.", ich stützte meine Arme auf meine Oberschenkel und legte mein Gesicht in meine Hände, ich atmete tief durch. "Davi, ich weiß, dass sich das anhört, wie in einem schlechten Film, aber..."
"Schreib bitte die Kündigung.", sagte ich trocken. "Fristlos... Weiß Jessica schon darüber bescheid?"
"Nein, wir... Seit der Danksagung zu ihrem Geburtstag bekomme ich keine Antworten mehr. Ich dachte, dass ich sie auch nicht weiter belaste und es nun so versuche. Ich muss mich natürlich bei dir entschuldigen, dass ich dir nichts davon..."
"Alles gut, es wäre zwecklos gewesen... Du sagst mir bitte nochmal genau wie hoch die Differenz ist, wir ziehen die Kassen wieder gerade und ich lege den Betrag ein. Es soll keiner weiter mitbekommen und bitte vor allem nicht Jessica, dann kann ich ihr wirklich nie wieder unter die Augen treten.", ich fuhr mir mit meiner Hand durch die Haare und senkte meinen Blick zu Boden.
"Du hast mein Wort." 

Verloren - 3Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt