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POV: Steven // Sudden

"Er hat das doch nicht so gemeint, mein Herz.", beinahe wehleidig sprach Melina zu mir. Im Schneidersitz saß sie auf dem Sofa in meinem Wohnzimmer, während sich mein Blick aus dem Fenster gerichtet hatte. "Zugegeben, dass solche Nachrichten von ihm kamen, waren wirklich nicht cool, aber er ist und bleibt mein Vater."
"Weißt du, wie ich mich gefühlt habe? Weißt du, was ich mir vor allem für Vorwürfe gemacht habe? Gerade nachdem du mir von deiner Angst von Krankenhäusern erzählt hast?", ich hielt meinen Blick an den grünen Baumkronen der Straßen fest und atmete tief durch.
"Hase... Du musst doch jetzt nicht so überreagieren.", schnaubte Melina.
"Überreagieren? Ich? Sag das mal Matteo.", ich drehte mich zu meiner Freundin und stand ihr mit hochgezogenen Augenbrauen gegenüber.
"Hase..."
"Ach... Ist doch wahr. Dreiundzwanzig Jahre war der nicht für dich da und macht mich dann so runter, weil ich dir helfen will. Melina, ich wusste nicht, wie ich dir sonst helfen sollte. Vier Wochen... Mehr als vier Wochen ist das ganze jetzt her und der hackt immer noch auf mir rum...", in meiner Verzweiflung wurde mein Tonfall zunehmend lauter und der Gesichtsausdruck von Melina zeigte ihre Verunsicherung. "Was hätte ich denn sonst tun sollen?", fragte ich entmutigt.
Stumm sah Melina mir in die Augen und zuckte mit ihren Schultern. Sie senkte ihren Blick und rümpfte ihre Nase, ich sah, wie ihr eine Träne aus dem Auge kullerte. "Süße... Nein...", ich hockte mich vor Melina auf den Boden und nahm ihre Hände. "Es tut mir leid, dass ich mich wohl im Ton vergriffen habe... Mich macht das einfach so fertig, dass er so mit mir umgeht. Er hätte doch bestimmt nicht anders reagiert.", besänftigt sprach ich zu ihr, wieder zuckte sie mit ihren Schultern. Meine Hände fassten ihre Wangen und mit meinem Daumen wischte ich ihr die Tränen vom Gesicht.
"Ich kann dich doch verstehen... Aber ich will, dass ihr euch wieder versteht. Ja er hat vielleicht überreagiert, aber...", Melina rümpfte ihre Nase und verstummte.

~*~

Melina hatte mich am Vormittag doch überzeugen können und ich begleitete Sie zu ihrem Vater und dessen Lebensgefährtin. Am Esstisch in der Küche hatten wir uns zum Kaffee eingefunden. Abweisend saß Matteo mir gegenüber, während Daya, die Stiefmutter von Melina, versuchte ihn mit ihren Blicken zur Vernunft zu bringen. Melina strich mir während der kleinen Mahlzeit unter der Tischplatte über den Oberschenkel und sah mich oft entschuldigend an. Mit der kleinen Gabel nahm ich das letzte Stück des Kuchens auf und schob es in meinen Mund, schwer schluckte ich. Die unangenehme Ruhe würde mich noch wahnsinnig werden lassen. Ich teilte unschlüssige Blicke mit den anderen am Tisch und sah schlussendlich zu Melina. "Ich geh' mal auf den Balkon.", sagte ich kurz und küsste sie sanft auf die Wange. Sie sah mich mit aufeinander gepressten Lippen an und nickte stumm.

"In einer Woche geht
es endlich wieder
Heim, Diggah."

Mit einem kleinen Schmunzeln las ich die Nachricht von Tim auf dem Bildschirm meines Handys und steckte es zurück in die Tasche meiner Jeans. Ich nahm einen weiteren Zug von der Zigarette, lehnte mich auf das schwarze Geländer aus Metall und blickte nach unten, auf meinen Wagen. Ein leises verzweifeltes Seufzen entfleuchte mir und ich zog wieder an dem Glimmstängel. Als sich die Tür des Balkons öffnete, blickte ich über meine Schulter und sah Daya, die zu mir heraustrat.

"Darf ich dir Gesellschaft leisten, Steven?", fragte sie vorsichtig.
"Hmm... Gern...", ich räusperte mich und aschte ab. "Kannst du mir verraten, was mein Fehler war? Matteo und ich hatten eigentlich eine gute Basis gefunden und dann... Dann habe ich Melina, den Krankenwagen gerufen und bekomme nur noch solche Nachrichten von ihm...", ich kratzte mich am Hinterkopf.
"Ich weiß nur so viel, dass er dich gut leiden konnte bis...", Daya atmete tief durch.
"Bis?", hakte ich nach.
"Matteo hat euch Jungs gegoogelt... Abgesehen von den ganzen Drogenexzessen hat er Angst, dass du Melina nur verarschst und als deine Bettgeschichte ansiehst. Ich glaube, dass dir dein Image als Fuckboy wohl doch ein wenig negativ nachträgt."
"Was?! Das ist ja lächerlich... Ich liebe Melina, wie keinen Menschen jemals zuvor. Ich will nur das Beste für sie und versuche ihr die Welt zu Füßen zu legen, so gut ich nur kann. Ich würde alles für diese Frau tun."
"Ist das wirklich wahr?", erschrocken sah ich zu der Tür des Balkons und sah zu Melina, welche mich gerührt mit roten Wangen anblickte. Allerdings stand sie neben ihrem Vater, der mir diese Frage mit einem recht strengen Ton entgegenbrachte.
"Ja, Matteo. Ich kann auch noch weitere Stunden ausschweifen und aufzählen in welchen Punkten, mich deine Tochter zu einem besseren Menschen macht.", sein ernster Blick lockerte sich langsam und ein kleines zufriedenes Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab.

Verloren - 3Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt