Danke an Sandmann

761 37 4
                                        

Sandmann POV:

Seit einer Woche. Eine Woche lang war Fee jetzt schon verschwunden.

Ich versuchte, so viele Träume von Menschen wie möglich zu sehen, um diese auf Erinnerung von Fee zu untersuchen. Keiner hatte xien gesehen.

Fee schien selber auch nicht zu träumen oder überhaupt zu schlafen, soweit meine Magie mich nicht täuschte.

Jeden Tag nutze ich meine Magie, um den Schutzzauber gegen den Mond auszuführen.

Wie konnte Fee so einen großen Zauber Jahrhunderte lang täglich einfach so durchziehen? Einfach anstrengend.

Heute Nacht war ich wieder unterwegs, nicht nur um Menschen zum Schlafen zu bringen, sondern auch in deren Träume zu sehen.

Mit meinem Sand reiste ich durch die Nacht und hatte schon fast die Hoffnung für diese Nacht aufgegeben. Dennoch versuchte ich weiterzumachen.

Es geht um Fee hier verdammt! Ich kann xien nicht aufgeben! 

Die ersten Stunden der Nacht beschäftigte ich mich damit, die Kinder zum Schlafen zu bringen und ein paar Zähne dabei noch einzusammeln.

Jeder Zahn war aber immer ein Beweis mehr, dass Fee xieser Arbeit nicht nachging. Die Zähne für den Zauber wurden knapp und ich hoffte täglich, dass ich genug habe.

Gegen drei Uhr nachts war ich nur noch beschäftigt, Träume zu überprüfen. Von Kindern als auch Erwachsenen.

Im Moment sah ich einen sehr merkwürdigen Traum.

In diesen sah ich, wie der Träumende eine Person beobachtete, welche zusammengekauert an der Wand gelehnt saß. Ihre Kleidung war von dunkelroten Flecken übersäht und auch der Boden um die Person herum hatte eine ungewöhnliche Färbung. Um die Gelenke konnte ich schwere Ketten erahnen. 

Es wirkte nicht wie eine Erinnerung an einen Film oder Albtraum, so wie ich es eigentlich gedeutet hätte. Der Traum war zu hell und deutlich dafür.

Die Person auf dem Boden bewegte sich nur träge, sah den Träumenden aber für einen Moment an. Beinahe hätte ich die Person nicht erkannt.

Die Realisierung ließ meinen Atem stehenbleiben und den Traum fast loslassen.

Es war Fee! Xier saß angekettet und blutverschmiert in diesem Raum und dieser Typ sieht einfach nur zu!

Es kostete mich jede Form von Selbstkontrolle den Typen vor mir nicht in die Fresse zu schlagen. Wach brachte er mir nichts.

Ich musste wissen, wo das ist. Den Traum verändern, um an eine frühere Erinnerung zu kommen. 

In der Regel griff ich nur in Albträume ein. Normale Träume veränderte ich so gut wie nie. Das hier ist aber eine Ausnahme, welche ich ohne Gewissensbisse in Kauf nahm.

Auch wenn ich die Struktur des Traumes veränderte und er dadurch merkt, dass er träumt, kann es mir herzlich egal sein.

Gute Träume geben mir zwar Kraft, aber das hier ist etwas persönliches. Und war ja auch nicht so, dass ich einen Albtraum verursache. Nachdem ich die nötigen Infos hatte ließ ich, wenn auch etwas widerwillig, den Traum einfach los.

Ich reiste zum Ort, wo Fee gefangen gehalten wird. Zumindest folgte ich den Weg, den ich im Traum gesehen habe.

Ich öffnete (wenn auch etwas gewaltsam) die Tür zum Raum, wo Fee anscheinend beobachtet wurde. Drei Personen mit albernen Theatermasken starrten zurück.

Einer hielt rote Mondblumen in der Hand, während ein weiterer einen Dolch zückte.

Durch meine Magie, die irgendwie leicht geschwächt war, und meinem Traumsand ließ ich die Maske mit dem Messer zu Boden gehen.

Ich ging weiter in den Raum rein und sah zu meiner linken ein Fenster mit Fee dahinter. Dort waren zwei weitere Masken drinnen, welche gerade irgendetwas mit meinem Bruder anstellten.

Damit konnte ich mich aber nicht lange beschäftigen. Die Maske mit den Blumen wollte an mir vorbei, um wahrscheinlich Alarm zu schlagen. Ich warf ihn etwas vom Traumsand entgegen und wollte dasselbe noch beim letzten im Raum tun. Bevor ich zu ihm kam, streifte der Dolch meine Seite.

Die Wunde brannte und verschwand erstmals nicht.

Aber auch er wurde binnen weniger Sekunden zum Schlafen gebracht.

Durch ein paar Schläge zerbrach ich auch das Fenster, welches zu Fee führte. Wenn ich es nicht schon vorher war, dann war ich jetzt völlig fassungslos über Fees Zustand.

Blauen Fäden verteilten sich in Form eines Nervensystems über den Körper. Wahrscheinlich Folge der extremen Elektrizität, die durch xiesen Körper schoss.

Die Masken vor mir hatten nichts zu ihrer Verteidigung bei sich und wurden auch von einer guten Portion Traumsand ausgeknockt. Ich garantiere mit Zufriedenheit, dass sie für mehrere Stunden nicht mehr aufzuwecken sind.

Das Gerät mit dem Strom stellte ich sofort ab. Ich blickte auf meinen Bruder hinab, welcher keine Ahnung wie lange hier festsaß und gefoltert wurde.

Xiese Haut war extrem blass und durchsichtiger als sonst. Ich musste xien hier rausbringen, versorgen und Heiltränke geben.

Ich verbrannte schnell die Mondblumen im Nebenraum und spürte langsam die Magie in mir zurückkehren. Mit etwas Tüftelei befreite ich Fee aus den Ketten.

Ob ich xien in diesem Zustand mit den Sand mitnehmen kann? Erstmal besser nicht. Wer weiß, wie die Wunden darauf reagieren.

Erstmal kann ich Fee nur nach Hause tragen. Wenn die Wunden auch nur ein bisschen heilen, bringe ich xien unmittelbar durch den Sand nach Hause.

Ich trug Fee raus und begann den langen Weg zum Hotel. Mit meinen Armen unter den Schultern und Knien konnte ich mir den Körper genauer ansehen.

Mich störte nicht, dass meine Kleidung jetzt auch rot wurde, aber das man auf xiens gesamtem Oberteil kaum noch die graue Farbe erkannte, war beunruhigender.

Wenn Fee die ganze Woche festsaß und so zugerichtet wurde, will ich nicht wissen, wie viel Magie für die Heilung draufgegangen ist.

Teilweise konnte ich sogar noch Narben erkennen oder kleinere Wunden, die einfach nicht heilten.

Die Magie ist scheinbar zu schwach um Fee richtig zu heilen, wahrscheinlich gerade einmal genug, um xien am Leben zu erhalten.

Je schneller ich Fee zurückbrachte, desto besser.

Ein kratziges Husten riss mich aus meinen Gedanken. Fees Körper spannte sich kurz unter mir an und xier sah mich danach erschöpft aus halb offenen Augen an.

„Sandmann...?", ein leises Murmeln was leicht zu überhören war brachte Fee kratzig hervor. Fees Stimme war ungewohnt rau und heiser. Selbst dieses Wort schien zu viel für die kaputten Stimmbänder zu sein und xier fing an unkontrolliert zu Husten.

„Fee, alles gut, ich bin hier. Versuch ruhig zu atmen, okay. Versuch dich nicht zu überanstrengen."

Nur selten habe ich Fee jemals so erschöpft gesehen und...zerbrechlich. Das Husten hörte kurz darauf zum Glück wieder auf.

„Keine Sorge, ich bringe dich ins Hotel und dann werden wir uns um alles kümmern. Mach dir keinen Kopf."

„Hase...", murmelte Fee leise. Ich blieb abrupt stehen. Das kann Fee nicht ernsthaft vorschlagen „Bring mich zum Hasen...er kann das am besten...."

„Der Hase kann dich nicht heilen. Wir werden ihn nicht in die Sache reinziehen, er wird's sowieso vermasseln.", versuchte ich ihn in einem kläglichen Versuch aus diesem Vorschlag rauszureden. Ich klang wahrscheinlich lächerlich.

Sich Ausreden suchen, um den Bruder mit Heilkräften aus dem Weg zu gehen. Warum würde er auch helfen wollen? Ich vertrau ihn einfach nicht.

„Doch", hustet Fee und atmete flach „Er kann die Wunden heilen. Vielleicht...vielleicht meine Magie kurzzeitig entlasten...das weißt du au-"

„Nein! Ich möchte das nicht. Er wird es einfach nur schlimmer machen!", ich biss meine Zähne aus Anspannung heraus zusammen. Fee hörte auf zu argumentieren und war danach still.

Ich wollte nicht das der Hase Fee anfasst in so einen Zustand. Er ist zu tollpatschig. Er kann das nicht. Nach allem würde er mir sowieso nicht mehr helfen wollen.

4 WächterGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt