Zahnfee POV:
Das Leuchten, welches von Manu neben und Samuel vor mir ausging, blendete mich, doch ich konnte meine Augen nicht davon ablösen.
Es hatte etwas befremdliches und unbekanntes, Magie in ihrer puren Form zu sehen, vielleicht sogar beängstigend, müsste ich zugeben.
Dennoch hatte es etwas Hypnotisierendes. Faszination ließ mich in meinen Bewegungen innehalten. Meine Gedanken abgelenkt von diesem Spektakel, welches ich zum ersten Mal bezeugen durfte.
Tod, Leben und irgendwas dazwischen.
Manu, der sein Leben für Samuel gab, Iris, welche ebenfalls, zum zweiten Mal, von der Erde ging, Fips und Joon, die beide nun unabhängig von Manus Magie wurden. Alles geschah gleichzeitig.
Trotz des Nebels in meinem Kopf, dem Entsetzen, welches Samus Tod in mir ausgelöst hat, ich aber keinem zeigen wollte, brannte ein kleiner Hoffnungsschimmer in mir.
Es war so unerwartet gewesen, zu sehen, wie mein kleiner Bruder vor dem anderen sprang, so selbstlos wie ich es noch nie erwartet hätte, um ihn zu beschützen. Vielleicht war meine Sorge aber auch anderen Ursprungs. Nochmals verstärkt durch einen anderen Tod.
Ich habe ihn heute schon einmal sterben sehen und dabei habe ich schon gehofft, dass sich das nicht wiederholen wird. Mein Ziel war ja, dass Sandy nicht dieses Schicksal haben wird, wie er aus der Zukunft. Vielleicht hätte ich sogar selbst springen müssen, um dieses Schicksal von ihm fernzuhalten.
Doch jetzt waren wir hier. Manu neben mir, der, der das alles schuld war, und sein Leben gab. Es war eine Entschuldigung, auf irgendeine Art und Weise, nichts aber, was alles wiedergutmachte. Dennoch war diese Hingabe etwas, was ich nie von ihm erwartet habe.
Manu, der sonst so in sich selbst geschlossen war, seine eigene Meinung stur verfolgte und in Anbetracht der Gerechtigkeit keine Rücksicht nahm, sah seine Fehler ein.
Seine Gestalt verschwand immer mehr, bis sie irgendwann vollständig verschwand. Nur noch letzte Magiefäden blieben übrig. Funken, die sich über Samu verteilten und sein Gesicht in einem hellen Licht nochmal aufleuchten ließen, bevor sie golden unter seiner Haut verschwanden.
Das weiße Leuchten, um die anderen verschwand auch, und Julia fiel neben mir auf dem Boden. Zum Glück war sie in der Hocke gewesen und kam nur dumpf auf dem Boden auf.
„Julia?!", erschrocken gingen Julien und Joon um uns herum und betrachteten ihre Freundin besorgt.
„Hä...", Julia blinzelte verwirrt „Das war ein weirder Traum..."
„Oh mein Gott, gehts dir gut?", fragte Julien als er einen schnellen Blick auf sie warf.
„Ja, aber so blöde Kopfschmerzen...hey! Das ist mein Hut!", beschwerte sie sich und riss Joon das Accessoire aus der Hand.
„Sorry...", murmelte Joon leise.
Diese chaotische Dynamik war irgendwie amüsant mit anzusehen, passte aber gerade nicht zur Situation.
Ich sah wieder runter zu Samu und entdeckte, dass diese schwarze Wunde fast vollständig verschwunden war. Fast alles war wieder regeneriert und sein Gesicht bekam wieder eine leichte braune Farbe.
Ungeduldig sprach Fips laut aus „Samu...? Komm schon, komm schon. Sei kein Schwächling und wach endlich auf..."
Erwartungsvoll warteten wir ein paar Sekunden ab. In dem Moment, wo die Wunde nicht mehr zu sehen war, schnappte Samu urplötzlich nach Luft und riss erschrocken die Augen auf.
Seine Augen, die ich zuvor geschlossen habe, rissen auf und suchten hektisch die Umgebung ab. Der leere Blick war verschwunden und braune, mit Gold gesprenkelte Augen sahen uns entgegen.
Ein Lachen der Erleichterung kam über meine Lippen und auch den anderen beiden schien eine riesige Last von den Schultern zu fallen.
Samu setzte sich vorsichtig auf und hatte auch ein leichtes Lächeln auf den Lippen „Was? Habt ihr 'nen Geist gesehen?", scherzte er und stieg kurz mit ins Lachen ein.
Irgendwie komisch, dass ich die schlechten Witze fast schon vermisst habe. Aber ich glaube, in dem Moment war es mir auch egal.
„Nicht lustig!", beschwerte sich Fips mit einem Lacher „Außerdem ist Auferstehung mein Ding!"
Samu lachte nervös und fasste sich vorsichtig auf die Brust. Dort, wo eben noch die Wunde war.
„Ja... Auferstehung...", er zog seine Augenbrauen zusammen und sah mit einem besorgten Blick neben mich. An die Stelle, wo zuvor Manu gehockt hat.
Es schien fast so, als ob er wusste, was genau sich ereignet hat...Er wusste, was Manu getan hat...
Vorsichtig, ohne ihn aus seiner Trance zu erschrecken, griff ich seine Hand, die sich immer noch in den Rasen krallte.
„Manu hat sich selbst dazu entschieden.", versuchte ich ihm zu erklären.
Er presste die Lippen aufeinander und sah beschämt auf die Seite. Seit wann war er so...nachdenklich? Irgendwie ist er so untypisch still, was mir Sorgen bereitete.
Entgegen meinen Erwartungen war es Fips, der Samu half, sich weiter aufzusetzen und ihn halb in den Arm nahm.
„Wenn es nach mir gehen würde, möchte ich das hier nicht wirklich nochmal wiederholen. Zu viele Nerven für eine Woche, dabei habe ich nur die letzten zwei Tage mitbekommen und erst seit ner Stunde wieder aktiv dabei.", versuchte Fips die Stimmung zu lockern.
Vielleicht nicht so erfolgreich, wie er es sich gewünscht hätte, aber es war etwas.
„Hiernach brauch ich erst mal Urlaub..."
„Klaus, du hast das ganze Jahr frei.", kommentierte ich trocken. Wie kann er jetzt bitte an Urlaub denken?
„Ihr wisst nicht, wie viel Stress Weihnachten ist."
„Wir arbeiten täglich."
„Ihr habt keine Mitarbeiter, die euch täglich nerven."
„Im Gegensatz zu euch-"
„Könnt ihr eure Diskussion auf später verschieben? Ist ja anstrengend.", beschwerte sich Samu und verschränkte die Arme vorwurfsvoll.
Fips sah verwirrt zwischen uns hin und her „Seit wann schreit ihr euch beide nicht mehr gegenseitig an? Und warum bist du auf einmal der Vernünftige?"
"Bin ich nicht."
"Sehr überzeugend. Wow. Bin beeindruckt, Samu. Starkes Argument.", gab Fips sarkastisch zurück.
Klaus gluckste und sah zufrieden auf uns. „Ich glaub einfach, dass sich so einiges auch verändert hat. Vielleicht, ausnahmsweise, nicht zum Schlechten."
„Wir können Glück haben?", fragte Fips stupide.
„Ich bin genauso überrascht wie ihr.", gab ich dazu und die beiden fingen an zu kichern.
Diese lockere Konversation war so ungewohnt und wirkte fast befremdlich. Ich schob diesen Leichtsinn eher auf die Entlastung von all dem Stress und die Erleichterung. Wir waren wieder zu viert, alle am Leben. Vielleicht versuchten wir auch die Situation von eben zu überspielen.
Was auch immer es war, es tat gut.
Samu war immer noch still, aber er sah wenigstens nicht mehr so bedrückt aus.
Trotz dessen, dass alles irgendein gutes Ende fand, war es nicht das Ende, das für jeden gut ausging.
Es gibt immer noch viel, das offen bleibt.
Damit werden wir aber klarkommen.
Irgendwie...Irgendwann.
One chapter remaining...
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4 Wächter
Fan-FictionWir sehen mal die andere Seiten der Wächter. Was ist passiert, bevor der Mann im Mond überhaupt auf die Erde kommt. Wie sah es im Leben der Wächter aus? Die Geschichte läuft parallel zu den Hauptvideos ab und hier ist unsere eigene Interpretation vo...
