Nassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten.
Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege.
Do...
„Manche Abwesenheit trägt sehr zur Verbundenheit bei." ~ Michael Marie Jung
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Felicité war eine echte Kräuterhexe. Zumindest sah sie aus wie eine. Völlig verrucht. Ihre lange blonde Mähne war an diversen Stellen verfilzt, eine Augenbraue fehlte ihr und sie trug einen Glanz in den blauen Iriden, der Anne an den Wahnsinn erinnerte, der auch stets in Blackbeards zu finden war. Und sie war nicht alleine gekommen. Auf ihrem Arm schlummerte ein alter Kater, der genauso ungepflegt erschien. Sein braun-weißes Fell war struppig und stand in sämtliche Richtungen ab, die Schnurrhaare waren knittrig, das rechte Ohr fehlte ihm ganz und das Linke war so verkrüppelt, dass es kaum noch als ein solches auszumachen war. Die kleine, bleiche Hand der Französin strich behutsam über den Rücken ihres Haustiers, während sie Anne ein zuckersüßes Lächeln schenkte. „Was sagt ihr? Haben wir einen Deal?"
Es war nicht so, als hätte Felicité die Weltherrschaft für ihre Informationen gefordert und doch flüsterte da etwas in Anne, dass es keine gute Idee war, diesen Handel einzugehen. Diese Frau schrie förmlich nach Schwierigkeiten, aber im Grunde blieb ihnen keine andere Wahl, als sie mitzunehmen. Sie wusste, wohin die Marineschweine segelten. „Das ist womöglich unsere einzige Chance", sagte sie also an Jonah und Ben gewandt.
Die Ratte stand zähneknirschend in der Ecke, während der Steuermann mit verschränkten Armen auf Jacks Stuhl ruhte. „Woher sollen wir wissen, dass sie die Wahrheit spricht?", wollte Scarlet wissen. „Sie könnte genauso gut eine Informantin der englischen Arschlöcher sein, die uns so wie Jack ans Messer liefern will. Vielleicht war es auch sie, die die Marine erst auf seine Fersen gehetzt hat. Das würde nur Sinn ergeben!" Wie so oft gestikulierte er dabei wild mit den Armen.
„Tu nicht so, als wäre ich gar nicht anwesend. Das kann ich nämlich gar nicht leiden", gurrte Felicité in ihrem fast schon niedlichen Akzent. Im nächsten Atemzug schnalzte sie missbilligend mit der Zunge. „Sehe ich wie jemand aus, der mit der Marine verkehrt?" Sie wartete nicht auf eine Antwort. „Wohl kaum." Irres Gekicher. „Zumindest nicht auf die Weise, die dir durch den Kopf schwirrt. Ich bin keine von der Sorte, die sie sich ins Bett holen würden, wenn sie sie zu fassen bekämen, sondern eher so eine, die am Galgen enden würde."
„Weshalb?", hakte Jonah nach. In seiner Stimme lag ehrliches Interesse.
„Ach, erst haben sie mir etwas genommen, dann habe ich mich revanchiert. Nur noch nicht zur Genüge. Die Rechnung ist noch nicht ganz beglichen." Der Kater gähnte, hob den Kopf und blinzelte aus müden, trüben Augen in die Runde.
„Und du willst, dass wir dich mitnehmen, weil ..."
„Hör mal, Jungchen." Jonah hob bei der eigenartigen Betitelung seiner selbst die Augenbrauen. „Ich hege kein Interesse daran euch meine Lebensgeschichte darzulegen, deshalb formuliere ich es knapp. Ihr versichert mir, dass ich als Passagier auf diesem Schiff reisen darf, dafür sage ich euch, wo die Marine Halt macht. Alles andere sollte nebensächlich sein. Am Ziel angekommen trennen sich unsere Wege. Ihr geht eurer Aufgabe nach und ich meiner."