Süßeste Folter

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Triggerwarnung! Dieses Kapitel enthält einvernehmlichen, sexuellen Kontext. Wer so etwas nicht lesen kann/möchte, kann die Stelle überspringen. Die Charaktere sind über 18!

12. April 1822 - Kurz vor der Küste von Florida

„und immer wenn du lachst, lache ich auch. Ich schreie deinen Namen, schreie ihn laut. Du weißt, wenn du weinst, halt ich’s nicht aus. Ich glaube, wenn du stirbst, sterbe ich auch.“

Sie hatten sich geliebt

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Sie hatten sich geliebt. Stundenlang. Hatten sich die Schuld und den Schmerz von den Herzen geküsst und jene Gefühle durch Liebe und Zuversicht ersetzt. Jack lauschte Annes langsamen, regelmäßigen Atemzügen und starrte reglos in die Schatten, die das Mondlicht in die Ecken und Nischen ihres Schlafgemaches warf.
Blitze zuckten daraus hervor. Sein Herzschlag wummerte in seinen Ohren, vermischte sich mit der Erinnerung des Grollen und Donnern der Kanonen.


Sein Augenlid bewegte sich unkontrolliert. Seit Stunden lag er wach. Nachdem er dieses Mal bereits nach gefühlten fünf Minuten aus einem dunklen Traum aufgeschreckt war, der ihm die Luft zum Atmen genommen hatte. Zum hundertsten Mal war er ertrunken. Zum hundertsten Mal hatte er Wasser geatmet und Asburys Visage vor sich gesehen. Dann all die anderen Männer, die bereits für ihn in den Tod gegangen waren. Die Frauen der Pictou, die heute ihr Leben gelassen hatten. Doch dieses Mal war ein neues Gesicht hinzugekommen, an das er sich seit Jahren nicht mehr erinnert hatte.


Edith Rackham.

Jack fluchte leise. Wann hatte er das letzte Mal länger als eine halbe Stunde am Stück geschlafen? Er erinnerte sich nicht. Unruhig wälzte er sich von rechts nach links und wieder zurück. Himmel und Hölle, wie konnte dieses verfluchte Laken nur so warm sein?

Angestrengt strampelte er die Decke von sich herunter und setzte sich auf. Leise schlüpfte er zurück in seine Hose. Ein Blick zu Anne verriet ihm, dass jene noch immer friedlich schlummerte. Darauf bedacht kein weiteres, unnötiges Geräusch zu machen, verließ er ihre gemeinsame Koje und schloss leise die Tür hinter sich, ehe er die Lampen in der Kapitänskajüte neu entfachte.

Der frisch geschriebene Name des Schiffes auf seinem rechten Schulterblatt zwickte. Es tat nicht weh. Dennoch fuhr Jack vorsichtig mit den Fingern über die kaum zu ertastende Wölbung der Buchstaben, die sich unterhalb der einen Klinge der gekreuzten Säbel entlang einer Narbe emporwand. Pictou. Auf seinem Arm gab es keine freie Stelle mehr.

Unschlüssig ließ er sich an seinem Schreibtisch nieder und drehte sich mit unruhigen Fingern eine Zigarette, die er entzündete. Still atmete er den weißen Rauch ein und ließ ihn gemächlich über seine Lippen hervorquellen, ehe er ungehalten ausatmete. Dann fiel sein Blick auf die innenliegende, versteckte Schublade, die sich im Kern des Schreibtisches verbarg.

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