23. April 1822
Nassau
"They're so pretty, it hurts. I'm not talking bout boys, I'm talking bout girls."
~ Girls, Girl in red

Acht Tage.
Acht Tage lang war es ihr gelungen Mary erfolgreich aus dem Weg zu gehen. An Deck der Searose hatte sich das als gar nicht so einfach erwiesen, da die Schiffsärztin immer wieder versucht hatte ein klärendes Gespräch zu führen, aber seit sie zurück im Königreich der Piraten waren, war es ihr sogar geglückt, sie kein einziges Mal zu sehen.
Bis heute.
Als sie am Morgen von Krämpfen im Bauch wach geworden war, war ihr klar gewesen, dass es sich nicht länger aufschieben ließ. Sie brauchte Gewissheit über ihre Umstände und diese konnte ihr einzig und alleine Mary liefern.
Nachdem Anne also mit Jack gefrühstückt hatte, war er aufgebrochen, um beim Bau weiterer Wehrtürme zu helfen und sie war unter dem Vorwand losgezogen, Felicité in ihrem Kräuterladen aufzusuchen und sie darum zu bitten, ihnen das Naft zu überlassen.
Später.
Anstelle über die Schwelle des Geschäfts, trugen sie ihre Füße über die Anlegebrücke der Searose, bis sie schließlich vor Nervosität zitternd Marys Räumlichkeiten erreichte. Die stets sanft klingende Stimme der Schiffsärztin drang an Annes Ohr, noch ehe sie sie erblickte und dabei beobachtete, wie sie Jaspals Hand untersuchte.
Kurz spielte Anne mit dem Gedanken doch wieder umzukehren, bevor Mary sich ihrer Anwesenheit gewahr wurde, aber das unangenehme Ziehen, das sich während sie wartete erneut in ihrer Leistengegend ausbreitete, ließ sie über ihren Schatten springen. Sie mussten ja nicht über den Kuss, oder über die Tatsache, dass Mary sie nur benutzt hatte, um Laroche loszuwerden sprechen.
Schließlich sah Mary auf. Ihre Blicke trafen sich. Annes Herz begann derart stark gegen ihren Brustkorb zu hämmern, dass sie glaubte, es müsste gleich daraus hervorspringen. „Ich bin da ... wegen dem ... Test", brachte sie mühsam hervor.
Jaspals angehobene Augenbrauen machten die Situation nicht besser. Sie konnte von seiner Miene ablesen, dass er sich fragte, wovon zur Hölle Anne da sprach. Ein Glück blieb seine Verwunderung unausgesprochen.
So sehr Anne Winston auch vermisste, war sie doch froh, dass er in diesem Moment nicht an Jaspals Stelle hier saß. Denn der ehemalige Kanoniermeister hätte ihr seltsames Gehabe niemals unkommentiert gelassen. Jaspal hingegen stand einfach auf sobald er fertig war, schenkte Anne nur eine knappe, freundliche Begrüßung und verschwand dann, um den beiden Frauen ihre Privatsphäre zu geben.
Mary seufzte unzufrieden. "Hör zu, Anne. Bitte gib mir eine Chance, mich zu erklären."
„Ich bin nicht da, um mich über irgendetwas zu unterhalten", erwiderte Anne tonlos. „Ich will nichts über dein Liebesleben hören. Das einzige, was ich möchte, ist endlich darüber Bescheid zu wissen, ob ich die Mutter von Jacks Kind werde oder nicht."
DU LIEST GERADE
Ink & Poison
AdventureNassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten. Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege. Do...
