Quitt

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25. April 1822
Nassau

"I just want it to be perfect. To believe it's all been worth the fight."
~ Lies von MARINA

Schweigend betrachtete sie Jacks schlafenden Leib neben sich, seine Brust, die sich regelmäßig hob und wieder senkte

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Schweigend betrachtete sie Jacks schlafenden Leib neben sich, seine Brust, die sich regelmäßig hob und wieder senkte. Ihr selbst stand der Schweiß ihres Albtraums auf der Stirn, ihr Herz raste in ihrer Brust und wollte sich auch nicht durch das sanfte, beständige Schlagen der Wellen gegen den Schiffsbauch beruhigen lassen.

Sie war sich sicher, dass sie wieder geschrien hatte, bevor sie hochgeschreckt war. Und erneut war Jack nicht davon wach geworden, was sie ihn irritiert mustern ließ. Dass er einmal so tief im Reich der wohligen Träume versunken war, dass er Anne nicht greinen und wimmern hörte, mochte Zufall sein. Aber das war heute Nacht schon das dritte Mal. Irgendetwas war hier faul. Gewaltig faul.

Bedacht darauf, ihn nicht zu berühren, um ihn nicht doch noch zu wecken, kletterte sie über ihn. Geräuschlos wie eine Katze schlüpfte sie in frische Kleidung, trat aus der Koje und schloss leise die Tür hinter sich.

Der Verdacht, der von ihr Besitz ergriffen hatte, hielt sie fest und wollte sie nicht mehr loslassen. Sie musste wissen, ob das seltsame Klirren und das Schaben einer Schublade etwas mit Jacks eigentümlichem Schlafverhalten zu tun hatte.

Kurz lauschte sie nochmal in den Raum hinein und erst als sie sich sicher war, dass ihr Käpt'n noch immer eingewickelt in seiner Decke lag, trat sie an seinen Arbeitstisch heran. Tief atmete sie durch, setzte sich auf den Stuhl und ließ ihren Blick über die vier Fächer gleiten, deren Inhalt sie eigentlich kannte. Eines nach dem anderen öffnete sie, nur um festzustellen, dass sich nichts in ihnen verbarg, das ihr fremd vorgekommen wäre. Skizzen, Logbücher, Karten, der goldene Kompass, Behältnisse mit Tabak ... Und doch war sie sich sicher, dass es eine dieser Schubladen gewesen war, deren Kratzen sie letzte Nacht vernommen hatte, ehe Jack zu ihr ins Bett gekrochen war.

Ihre Finger glitten über das Holz des Tisches, nachdenklich und ohne wirklich auf der Suche nach etwas Bestimmtem zu sein, als sie plötzlich eine Stelle berührte, die nachgab. Nur ganz leicht, dass sie es fast nicht gespürt hätte.

Stirnrunzelnd sah sie genauer hin und erkannte am Boden eines Faches ein weiteres Schloss, das wie für einen winzig, filigranen Schlüssel geschaffen zu sein schien. Anne ließ sich auf die Knie sinken, tastete sich weiter, fühlte in jede noch so kleine Spalte unter der Arbeitsplatte, bis ihre Fingerspitzen etwas Kaltes berührten und tatsächlich einen Schlüssel zutage beförderten, der wie für das geheime Versteck geschaffen zu sein schien.

“Was verheimlichst du vor mir, Calico Jack?”, murmelte sie flüsternd. Entschlossen steckte sie das Metall in das dafür vorgesehene Schloss, rüttelte etwas an der Vertäfelung, die viel zu leicht nachgab und ein Versteck offenbarte. Ihr Herzschlag dröhnte laut in ihren Ohren, während sie die verborgene Schublade herauszog und einen Blick ins Innere riskierte. Da war eine Phiole mit flüssigem Inhalt, von dem sie nicht wusste, was es war und ...

Ink & PoisonWo Geschichten leben. Entdecke jetzt