Rache ist die schönste Art der Befriedigung

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"So I heard you're back in town and haven't changed a bit, man. You get Off talkin' down to the little man. Time you get what you deserve."
~ Little Girl Gone by Chinchilla

13. April 1822
Sankt Augustin

 April 1822 Sankt Augustin

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Sie hatte ihn gefunden. Nach einem scheinbar endlos langem Jahr war er endlich aus seinem Versteck gekrochen. Und heute würde er ihr nicht wieder entkommen, ehe sie mit ihm fertig war.

Er war so hässlich, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Nicht einmal ihr Kater Pierre Jacques sah so niederträchtig aus. Da half nicht einmal das teure Kostüm, in das er sich gezwängt hatte und auch nicht die ordentlich zurückgebundenen schmutzig blonden Haare. Das verbliebene Auge wanderte ungeniert zum Dekolleté der Dame, mit der er sich gerade unterhielt. Genauer gesagt unterhielt sie sich mit ihm, während ihm andere Dinge vorschwebten, die seinen ohnehin kaum vorhandenen Intellekt derart benebelten, dass ihm nur einsilbige Antworten über die schmalen Lippen kommen wollten.

Felicités Finger glitten durch die Tasche in ihrem Rock an ihren Oberschenkel, spürten den Gurt, der das Messer und die kleine Phiole mit Gift an Ort und Stelle hielt. Sie war bereit und das schon so lange, dass jede Faser ihres Körpers danach schrie, keine Sekunde mehr zu vergeuden.

Ein letzter tiefer Atemzug, dann stolperte sie auf ihn zu, packte ihn im vorgetäuschten Fall am Arm und als er sie auffing, da schenkte sie ihm einen erschrockenen, gleichsam dankbaren Blick. Sichtlich irritiert half er ihr zurück auf die Beine.

„Du meine Güte!", rief die Frau aus, mit der sich Jones eben noch im einseitigen Gespräch befunden hatte. „Geht es Ihnen gut, Miss?"

Felicité ignorierte das aufgescheuchte Weib. Gekonnt ließ sie einen charmanten Wimpernaufschlag folgen. Ihr war bewusst, dass sie nicht gerade die Schönheit in Person war. Ihrer Figur fehlten die Kurven, ihre Nase war zu breit für das ansonsten schmale Gesicht, die Augen waren von einem Blau, das nichts mit einem strahlend blauen Himmel, sondern eher mit einem trüben Gewässer zu tun hatte, ihr Haar war matt und strohig. Und dann gab es da noch die Sache mit der fehlenden Augenbraue, die sie sich selbst zuzuschreiben hatte. Aber wusste man gewisse weibliche Reize einzusetzen und welche Schalter und Hebel eines Mannes zu betätigen waren, dann konnte selbst die hässlichste Frau dem schönsten Kerl den Kopf verdrehen. Zumindest für eine Nacht. Hach, was war dieses Geschlecht doch simpel und einfach zu manipulieren.

Wie erwartet hatte Jones keine Ahnung, wen er da vor sich hatte. Sie musterte sein Gesicht. Das Gegenstück zu seinem verbliebenem Auge hatte sie ihm einst mit einem Löffel ausgeschabt, während er noch im Reich der Träume versunken gewesen war. Zu dumm nur, dass sie sein Körpergewicht geringer eingeschätzt und die Dosis ihres kleinen Schlafmittelchens wegen dieses Fehlers nicht ausgereicht hatte, um ihn lange genug bewusstlos zu halten. So hatte er es irgendwie geschafft, sich aus seinen Fesseln zu befreien und sich durch das kleine Kellerfenster ihres Ladens zu zwängen, bevor sie überhaupt bemerkt hatte, dass er wieder wach geworden war. Alles, was ihr von ihrem gescheiterten Rachefeldzug geblieben war, war das eklig glubschende Ding, das seither in einem alten Einmachglas auf einem Kellerregal umherschwamm.

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