Der Verrat einer Königin

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27. April 1822
Nassau

"Der König liebt den Verrat, nicht den Verräter." - Deutsches Sprichwort

„Wir haben nur einen einzigen Mann verloren!", krakelte es quer über den Strand

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„Wir haben nur einen einzigen Mann verloren!", krakelte es quer über den Strand. „Huxley, auf dich trinken wir!"

Was den anderen ein Jubeln entlockte, das ließ Jaspal neben ihr zusammenfahren. Er hielt sein Glas in den Händen und starrte betreten in die goldgelbe Flüssigkeit. Anne legte ihm den Arm um die Schultern und während die anderen weiterhin ausgelassen ihren Sieg über die Marine feierten, flüsterte sie ihm zu: „Mary hat ihr Bestes gegeben." Das hatte sie wirklich. Doch der offene Bruch im Oberschenkel, den der Späher sich bei seinem Sturz aus dem zerborstenen Krähennest zugezogen hatte, hatte die Arterie durchtrennt und so war er noch an Deck verblutet, bevor sie wieder in den Hafen eingekehrt waren.   

„Ich gehe mir die Beine vertreten."
Anne seufzte, als ihr Freund sie abschüttelte, aufstand und in den Schatten der Dunkelheit verschwand. Sollte er seine Zeit bekommen, um mit dem Geschehenen fertig zu werden.

Sie widmete sich den anderen ihrer Crew, die ihr Glück noch immer nicht fassen konnten. Jonah hockte auf der anderen Seite des Feuers, hielt Diamond und Ocean in den starken Armen, Mary trank mit ihren beiden neuen Gehilfinnen, als wäre Huxley nie gestorben und  Blackwoods Miene war so zufrieden wie zuletzt in Bombay.

„Und wie das Drecksding in Flammen aufgegangen ist! Pah! Die haben sich bestimmt in die Hosen geschissen, als sie gemerkt haben, dass es sich nicht mit Wasser löschen lässt!" Ben sprang um die brennenden Treibholzscheite, erfreute sich seines Lebens und schwenkte den Becher Rum in der Hand so wild von rechts nach links, dass er den ein oder anderen Mann damit bekleckerte.

Auch Jack war unter den Besudelten. Anstatt sich nicht weiter darum zu kümmern und sich mit ihnen zu amüsieren, wischte er sich mit grimmigem Ausdruck über das Hemd. Bevor er aufspringen und Ben am Kragen packen konnte, rutschte Anne näher an ihn heran und legte ihren Kopf auf seine Schulter. „Was ist los mit dir?", fragte sie ihn leise, sodass nur er es hörte. „Solltest du nicht mit ihnen anstoßen? Verdammt, es hätte doch nicht besser laufen können. Nur drei unserer Schiffe haben sie versenkt und die paar Löcher, die sie in die Bordwände der Searose geschlagen haben, lassen sich schnell wieder flicken. Und Blackbeard, er hat uns endlich aus diesem irrsinnigen Pakt entlassen. Das heißt, wir können schon morgen wieder los segeln und dieses verfluchte Land ein für alle Mal hinter uns lassen."

Sein dunkler Blick lag lange auf ihr, ehe er antwortete. "Ich traue einfach diesem Frieden nicht, Anne. Es ergibt keinen Sinn. Selbst wenn jede ihrer Fregatten irgendwo getroffen worden wäre, sie hatten fünfzehn weitere Schiffe mit denen sie nicht mal auf uns gefeuert haben. Warum aufgeben, wenn der Sieg so einfach gewesen wäre?"

„Vielleicht des Nafts wegen?", mutmaßte Anne. „Vielleicht haben sie das Höllenzeug noch nie gesehen und sich deshalb, wie Ben schon sagte, vor Angst eingeschissen."

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