Orpheus Arme

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14. April 1822
Atlantik, Kurs Richtung Nassau

"Don't you just wanna wake up, dark as a lake?
Smelling like a bonfire, lost in a haze?
If you're drunk on life, babe, I think it's great
But while in this world
I think I'll take my whiskey neat
My coffee black and my bed at three
You're too sweet for me" -Hozier

"Don't you just wanna wake up, dark as a lake?Smelling like a bonfire, lost in a haze?If you're drunk on life, babe, I think it's greatBut while in this worldI think I'll take my whiskey neatMy coffee black and my bed at threeYou're too sweet for ...

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Ein unregelmäßiges Wummern. Eine warme, weiche Decke aus goldenem Glück. Verblassen. Kälte. Verflucht, warum war ihm nur so verdammt kalt? Mit schlotternden Gliedern tastete er nach den Laken in seiner Koje, nur um zu realisieren, dass er dort nicht war. Der Untergrund, auf dem er lag, war hart. Verschwommen nahm er das dunkle Grün eines Teppichs wahr, dann die Umrisse seines Schreibtisches.

Hatte er es nicht einmal mehr bis zu seiner Bettstatt geschafft?

Der Raum drehte sich um ihn, in dem Moment, in dem sich die Frage in seinem Bewusstsein formte. Weißer, nebelartiger Schwindel. Er ließ sich zurücksinken, nur um eine Minute später erneut aufzuschrecken.

Das Wummern gewann an Kontrast und Schärfe. Es klang wie... ein Klopfen. Jemand klopfte. Von außen. An seine Tür.

Anne.

Ihr Name durchzuckte seine Gedanken wie eine schmerzvolle Sehnsucht und er sog die Luft zwischen zusammengebissen Zähnen ein.

Überdeutlich fühlte er sein Herz in seiner Brust schlagen. Es tat weh. Atemlos schaffte er es sich aufzusetzen. Sein Blick trübte sich für einen Moment, als er sich erschöpft mit dem Rücken an die Seite des Schreibtisches lehnte.

Ein ekelerregender Geruch stieg ihm in die Nase. Was bei allen sieben Höllen war das? Er fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, doch erst als sein Blick auf einen dunklen Flecken auf den Fasern des Teppichs fiel, realisierte er, dass er die kläglichen eineinhalb Gläser Whisky in seinem ohnmachtsgleichen Schlaf wieder erbrochen haben musste.

Erneut drang der Klang an seine Ohren. Verflucht. Er musste einen armseligen Anblick bieten. Konzentriert nahm er einen tiefen Atemzug und tatsächlich gelang es ihm nach zwei Versuchen sich auf die zitternden Beine zu hieven. Eine Silhouette bewegte sich vor der Tür, die eindeutig zu einer Frau gehörte. Sie sollte ihn so nicht sehen.

Hastig überflog er die Platte des Tisches und ließ die Spuren seiner Eskalation in einer der Schubladen verschwinden, ehe er sich zu den achterlichen Fenstern durchkämpfte, um zwei davon zu öffnen und die reine Luft der See den Gestank von viel zu süßem Tabak und saurem Mageninhalt wegwaschen zu lassen. Das Salz, die Gischt und der Wind legten sich klärend auf seine Sinne und für einen Moment gelang es ihm, das wogende Blau liebevoll und voller Zuversicht zu betrachten.

Es dämmerte bereits. Die goldenen Strahlen der Abendsonne malten purpurne Wolken an den Himmel gleich einem epischen Gemälde. Er hatte einen ganzen Tag geschlafen, ohne von Albträumen heimgesucht zu werden.

Ink & PoisonWo Geschichten leben. Entdecke jetzt