Feuerroter Engel

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"Something about you is soft like an angel. And something inside you is violence and danger. I knew from the moment we met, you are a dangerous thing."
- Dangerous thing by Aurora

14. April 1822
Atlantik, Kurs Richtung Nassau

Dieses Mal sicher, dass sie ihr auch wirklich einen Besuch abstatten wollte, klopfte sie an Marys Tür

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Dieses Mal sicher, dass sie ihr auch wirklich einen Besuch abstatten wollte, klopfte sie an Marys Tür. Die Schiffsärztin trug ihr Nachtgewand und war dabei, sich die frisierten Locken aus dem langen, roten Haar zu bürsten, als sie ihr öffnete. Anne konnte Sorge aus ihrem Blick heraus lesen, ehe Mary ihr mit einem Nicken ihres Kopfes bedeutete einzutreten.
Sie setzte sich an den Tisch, auf dem Tage zuvor noch die unzähligen Ausschnitte aus der Welt der Flora und Fauna gelegen waren. Stille schwebte zwischen ihnen und das Licht der Morgendämmerung ließ Schatten über die hölzernen Wände tanzen.

Anne beugte sich nach vorne, stütze die Ellenbogen auf ihren Knien auf und vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. Dann, endlich, ließ sie ihrem eigenen seelischen Schmerz freien Lauf. Tränen fluteten ihre Wangen, lautes Schluchzen brachte ihren ganzen Körper zum Beben. „Ich ... ich weiß nicht ...", brachte sie zwischen den ansonsten kläglichen Lauten hervor.

Es dauerte keine zwei Sekunden, ehe sie registrierte, wie Mary vor ihr niederkniete und ihr sanft über die losen Locken strich. Sie sagte nichts, keine Worte. Nur ein beruhigendes Summen bahnte sich einen Weg über ihre Lippen.

Anne atmete tief durch, rang um Fassung und wischte sich über die nassen Wangen. „Bin ich verflucht, dass ich nur Unglück über Jack bringe?", wimmerte sie schon fast, obwohl die Tränen bereits wieder versiegt waren.

Mit einem Mal hielt Mary ein weiches Taschentuch in der Hand, das frisch gewaschen nach Lavendel duftete. Sie ließ es in Annes Finger wandern.
"Was ist geschehen, dass du so etwas Absurdes von dir denkst?", fragte sie zärtlich.

Ein heiseres Lachen drang aus Annes Kehle. „Angefangen mit unserer Abmachung, die wir mit Blackbeard schließen mussten, über die Entführung bis hin zu den aktuellsten Ereignissen auf dem Ball ... es ist alles meine Schuld und es reißt ihn in sein Verderben. Ich ... Ich reiße ihn in sein Verderben! Wenn ich nicht verschwinde ... Jonahs Prophezeiung ..."

"Scht ... Liebes ..." Mary drückte ihre Hand so fest. Anne glaubte, dass sie sie nie wieder loslassen würde. "An diesen Unsinn von Prophezeiungen und Weissagungen glaubst du doch nicht wirklich, oder?" Sie hob ihre Hand, legte sie an Annes Wange. "Es sind nur Worte, Liebes. Wenn du sie dir immer und immer wieder im Geiste vorsagst und in allem, was geschieht, danach suchst, wirst du letztendlich immer irgendetwas finden, das dazu passt."

Mary versuchte ihr Sicherheit zu geben und ihr die Angst zu nehmen. Anne hätte ihr nur zu gerne Glauben geschenkt, aber sie wusste, dass mehr an dem Hokuspokus dran war, als die meisten vermutet hätten. Ihre Kette ... sie war der beste Beweis dafür, dass Dinge wie Magie tatsächlich existierten. Dinge wie Flüche. Sie war ein einziger Fluch.

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