Nassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten.
Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege.
Do...
"Jeder muss den Mut der Überzeugung haben." - Alexander von Humbolt
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Der dunkle Rauch des brennenden Wracks war noch immer in der Atmosphäre zu sehen, verhüllte das Blau der sich herabsenkenden Dämmerung und bedeckte das Funkeln der ersten Abendsterne in einem Schwarz, das finsterer als die Nacht selbst zu sein schien. Ihr Bug wandte sich dem letzten Rot des Abends zu, um den Kurs nach Westen in Richtung Florida aufzunehmen.
Jack nahm einen tiefen Atemzug der salzigen Meeresluft und folgte Anne in seine Kajüte. Routiniert begann sie bereits damit die Lampen und Kerzen zu entzünden, als er hinter sich die Tür ins Schloss fallen ließ. Für einen Augenblick starrte er die geschlossene Tür an, legte seine Hand erneut auf die Klinke, drückte sie hinunter und öffnete sie. Vor ihm breitete sich das Deck der Searose aus, mit den Männern der Nachtschicht bereits auf ihren Posten. Es sah beinahe aus wie immer. Die Searose war dieselbe wie vor seiner Abwesenheit. Er ließ die Tür ins Schloss fallen und öffnete sie wieder. Der Anblick änderte sich nicht. Er wiederholte den Vorgang ein weiteres Mal und versuchte seinen donnernden Herzschlag zu beruhigen. Die Tür war nicht verschlossen. Und es lag in seiner Macht sie zu jeder Zeit zu öffnen, wann immer es ihm beliebte. Ein letztes Mal legte er seine zitternde Hand auf das Metall der Klinke, öffnete und schloss sie wieder. Es half nicht.
"Stimmt etwas nicht mit der Tür?", drangen Annes Worte an sein Ohr und als er sich umwandte, erkannte er, dass sie dabei war die achterlichen Vorhänge zuzuziehen. Er zuckte mit den Schultern, was eine Welle an Schmerz über seinen bloßen Rücken jagte. "Lass sie offen, bitte!", antwortete er stattdessen.
Die Sorge im Sturmgrau ihrer Augen berührte ihn in seinem tiefsten Inneren. Ein knappes Nicken folgte, ehe sie sich auf der schmalen französischen Chaiselongue niederließ, die die eine Wand seiner Kajüte zierte. „Willst ... willst du darüber sprechen?" Anne klang so sanft wie noch nie. Das zumindest bildete er sich ein.
Wollte er? Darüber, dass er jeden Tag versucht hatte, um sein Leben zu verhandeln und es ihm doch nicht gelungen wäre? Dass er des Nachts den Teufel angefleht hatte, seine Seele herauszureißen, nur damit er ein letztes Mal in ihrer Liebe versinken konnte? Er schluckte. Seine Spucke schmeckte noch immer nach dem Salz des Meeres. Unmittelbar schüttelte er den Kopf und begab sich zum Regal mit dem Hochprozentigen, um sich selbst einzuschenken. Er leerte ein Glas in einem Zug, ehe er sich und auch Anne ein zweites bereitete und sich an ihre Seite begab. Sorgfältig darauf bedacht sich nicht anzulehnen, ließ er sich neben ihr nieder. "Was ist mit Asbury passiert?", begann er die erste seiner Fragen zu stellen, die in seinem Kopf herumspukten, seit er in ihren Armen aufgewacht war. "Ich habe die Geschütze der Searose gehört und dachte, sie würden meiner Einbildung entspringen. Ich ..." Sobald der Name des Kanoniermeisters über seine Lippen gekommen war, schimmerte es feucht in Annes Augen und er hielt inne. "Erzähl mir alles, Anne!"