Wolfsrudel

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10. April 1822
Rum Cay

„There  is nowhere for you to hide . The hunters moon is shining. I‘m running with the wolves tonight.“
~ Aurora

“~ Aurora

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Endlich. Der Wind brachte sein weißblondes Haar durcheinander, während sie am Pier standen und dem Schiff entgegensahen, das sie von der Insel holen würde.
Neben ihm stand Desna, deren Handrücken den seinen immer wieder streifte. Auch wenn es nicht ihre Nähe war, nach der er sich des Nachts verzehrte, ließ er es geschehen und zuckte nicht länger vor ihren angeblich zufälligen Berührungen zurück. Vielleicht sollte er ihr doch noch eine Chance geben, Anne aus seinen Gedanken zu vertreiben. Wenigstens für ein paar aneinandergereihte Stunden, damit er sich vorlügen konnte, sie hätte für ihn an Bedeutung verloren. Ja, vielleicht.

Zu seiner anderen Seite verweilte Van denn Berg. Die Hände in den Hosentaschen vergraben, bedachte er die britische Flagge mit unsicherem Blick. Samuel wusste von seinen Zweifeln.
Wir sind dem einen Sklaventreiber entkommen, nur um dem nächsten anheimzufallen. Das hatte Piet zu ihm gesagt, sobald Jones und Pearl verschwunden waren. Samuel kam nicht umher, diesem Satz eine gewisse Wahrheit beizumessen. Wobei jeder Mann, in dessen Gewalt er sich jemals befinden würde, ein angenehmerer Zeitgenosse sein würde, als Calico Jack. Dies war sicher wie der Regen, der ja doch immer wiederkehrte.
Er mühte sich den verhassten Namen aus seinen Gedanken zu verbannen, um seinen Geist klar und wach zu halten.

Jones, ein paar Schritte von ihm entfernt, spie seinen ekelerregenden, braunen Speichel in das Meerwasser. „Das ist Bolitho", stellte er dann fest, die Stimme so gleichgültig, dass Samuel daraus nicht herauslesen konnte, ob besagter Offizier etwas Gutes bedeutete oder nicht. „Wieso kommt er uns holen und nicht Davies?"

Pearl tupfte sich die schweißnasse Stirn und wischte dabei einen Teil seines weißen Puders fort. „Es könnte der königliche Henker selbst sein und trotzdem wäre ich froh darum, dieses Schiff zu betreten", hüstelte er und zog in Anbetracht seines eigenen Witzes als einziger die Mundwinkel nach oben. Sobald er merkte, dass niemand sich über seine Worte amüsierte, nicht einmal die idiotischen Golden Brüder und auch nicht die Handvoll britischer Soldaten, die wie reglose Statuen in seinem Rücken verharrten, wurde seine Miene wieder ernst. „Die Hitze auf dieser Insel tut meinem Verstand nicht gut. Zudem kann ich es kaum noch abwarten, wieder unter unseresgleichen zu sein. Da ist es doch wirklich nicht von Belangen, wer der Käpt'n dieses Schiffes ist."

Keiner antwortete ihm, aber ein jeder dachte sich vermutlich seinen Teil dazu. So auch Samuel, aber er hielt sich nicht lange damit auf, sich zu fragen, wo das Schiff abgeblieben war, das sie ursprünglich hätte einsammeln sollen. Dafür gab es tausend mögliche Gründe. Lieber beschäftigte er sich gedanklich mit dem weiteren Verlauf ihrer Reise.
Sankt Augustine, das war ihr Ziel. Ein Ball der Royal Navy und der US Marine, auf dem ehemals spanischen Fort, zu Ehren der Gründung des Staates Florida. Er hatte noch keine wirkliche Idee, wie er es anstellen sollte, aber er wusste, dass er um jeden Preis daran teilnehmen musste. Denn nach dieser Feierlichkeit sollte Nassau dem Erdboden gleichgemacht werden und das wollte er nun wirklich nicht missen. Er konnte nicht. Calico Jack war sicherlich in das sogenannte Königreich der Piraten zurückgekehrt, immerhin war seine Abmachung mit Blackbeard noch lange nicht erfüllt. Und Anne war bei ihm. Er wollte den arroganten Wichser fallen sehen und Bonny vor dem Galgen bewahren.
Um beides zu erreichen, bedurfte es aber erst einmal des Vertrauens der britischen Soldaten. Und wo ließe sich das besser erschleichen als auf einem Fest, auf dem alle bei bester Laune und wahrscheinlich auch betrunken waren? Dort konnte er vorgegaukelte Freundschaften schließen und erste Kontakte knüpfen, die ihm später sicherlich dienlich sein würden.

Ink & PoisonWo Geschichten leben. Entdecke jetzt