Nassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten.
Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege.
Do...
"Telling myself I won't go there Oh, but I know that I won't care Tryna wash away all the blood I'vespilt This lust is a burden that we both share Two sinners can't atone from a lone prayer Souls tied, intertwinedby our pride and guilt" - David Kushner, Daylight
Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.
Gleich einer bedrohlichen Gewitterwolke flatterte die schwarze Flagge über ihrem Kopf, rauschte und knatterte im Zuge des Windes. Anne hing in den Wanten, bereit das Kommando zu geben, auf das Schiff der Marine überzusetzen, sobald sie nah genug dran waren. Die Männer warteten geduldig. Welch berauschendes Gefühl es doch war, die Befehlsgewalt über eine ganze Truppe innezuhaben. Beim letzten Mal hatte sie es nicht genießen können. Heute schon. Und sie liebte es. Bei den Göttern, das tat sie. Ein kleiner Teil von ihr wünschte sich sogar, Ben würde niemals mehr auf die Beine kommen, damit sie ihm den Posten nicht wieder zurückgeben musste. Und ein viel größerer Teil schalt sie für diesen egoistischen Wunsch.
Das Donnern der Kanonenkugeln klang wie die schönste Symphonie in ihren Ohren. Ein beflügelnder Walzer der besonderen Art. Ob sich zu den Tönen der Geschosse auch hätte tanzen lassen? Ihr Blick glitt hinunter zu Jack, der die restlichen Crewmitglieder befehligte. Zu gerne hätte sie es ausprobiert. Hätte sich ihn geschnappt und wäre mit ihm zu der Musik des Krieges über die Dielen gewirbelt. Unaufhaltsam wie ein Sturm.
Doch dazu blieb nun keine Zeit. Adrenalin schoss durch ihre Venen, als der Moment schließlich gekommen war. Steuerbords berührte die Searose schon fast das Holz des britischen Schoners. Kugel zischten an ihren Köpfen vorbei, verfehlten allesamt ihr Ziel. Ein letzter, erbärmlicher Versuch der unvorbereiteten Marine das dunkle Schicksal abzuwehren, das ihnen bevorstand. Keine Überlebenden, das hatte Jack ihr und den anderen eingebläut. „Enterhaken auswerfen! Wir setzen über!", brüllte sie gegen die ohrenbetäubende Geräuschkulisse an.
Und ohne zu Zögern befolgten die Männer ihr Wort. Anne war die Erste, die sich an einem Seil auf die andere Seite schwang. Kaum berührten ihre Füße die fremden Planken, zog sie Säbel und Revolver. Hinter und neben ihr kamen ihre Leute auf und noch ehe die englischen Soldaten richtig reagieren konnten, ging das Gemetzel auch schon los. Die Mannschaft der Searose schenkte ihnen nicht eine einzelne Sekunde, um Orientierung zu finden. Klingen blitzten im Licht der heißen Sonne auf, Musketen und Revolver wurden ohne Pausen abgefeuert. Blut spritzte, besudelte Haut, Kleidung und Dielen. Tote Männer ergossen sich wie die roten Lachen über dem Boden. Schon bald war keiner mehr übrig, der versuchte, sich zur Wehr zu setzen. In der Hoffnung auf Gnade gingen die Soldaten auf die Knie. Anne konnte nicht anders, als über diesen Anblick den Kopf zu schütteln. Im Angesicht des Todes waren doch fast alle Menschen gleich. Hatten sie erst einmal begriffen, was sie erwartete, dann versuchten sie um ihr Leben zu feilschen. Selbst wenn der Sensenmann in Gestalt eines ach so blutrünstigen Piraten auftauchte, dem man nur Schlechtes nachsagte. Man wollte sich der Verzweiflung, dem Ende, nicht einfach so stellen.