Blut, Schießpulver und nasser Sand

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27. April 1922
Nassau

"It's now or never. Don't surrender. We came too far to die."
~ Claim your weapons - Christian Reindl, Atrel

Gemeinsam mit Mary und den beiden nervtötenden Weibern hatte sie gerade den Rückweg antreten wollen, als sich ein markerschütterndes Donnern über ihren Köpfen entfaltete

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Gemeinsam mit Mary und den beiden nervtötenden Weibern hatte sie gerade den Rückweg antreten wollen, als sich ein markerschütterndes Donnern über ihren Köpfen entfaltete. Anne registrierte, wie Odette vor Schreck den Arm der Schiffsärztin umklammerte und wollte Mary schon fragen, was zur Hölle sie sich dabei gedacht hatte, sich zwei so ängstliche Frauen auszusuchen, da bahnte sich der stechende Geruch von Feuerqualm in ihre Nase.
Schlagartig wurde ihr bewusst, dass es sich bei dem lauten Poltern nicht um einen Boten des Gewitters handelte, das vor gut einer halben Stunde aufgezogen war. Nein, etwas viel Schrecklicheres war gerade im Gange.

Sie wandte den Kopf in die Richtung der Türme und erkannte in der Dunkelheit, wie sich züngelnde Flammen ihren Weg durch das Holz des Wehrturms mit dem Namen Oberon fraßen. Titanias Kanonen auf dem aufgeschütteten Hügel gegenüber drehten sich in Richtung der Stadt.

Keine zwei Sekunden später hallten Schreie durch die Nacht, gefolgt von den ersten Schussgeräuschen. Jack hatte recht behalten. Die Marine war zurückgekehrt, hatte sich hinterrücks angeschlichen und die Kontrolle über ihr bedeutsames Abwehrsystem erlangt. Nassau war dem Untergang geweiht.

Anne wirbelte herum, fasste Mary am anderen Arm. „Wir müssen uns beeilen! Nehmt eure Beine in die Hand!", rief sie ihr und den anderen beiden durch die anschwellende Lautstärke zu. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Halse, während sie in einer fließenden Bewegung ihre Waffe zog. Sie ließ Mary und ihren Gehilfinnen den Vortritt, um sie im Auge behalten zu können.

Es kam ihr beinahe wie Fliegen vor, so schnell rannte die kleine Truppe an den Häusern vorbei. Doch es reichte nicht. Hinter der nächsten Kurve wartete bereits das Chaos auf sie und bremste sie aus. Ein Gewirr aus uniformierten Marine Schweinen und Piraten.

„Verdammte Scheiße!", fluchte Anne lauthals, fasste abermals nach Marys Arm, als sie den Soldaten entdeckte, der im Zwielicht lauerte und den Lauf seiner Waffe direkt auf sie richtete. Gerade rechtzeitig zog sie die Ärztin mitsamt Odette zur Seite, in den Schutz einer Hütte. Christine benötigte dagegen zu lange, um zu reagieren. Marys verzweifelter Schrei traf Anne mitten ins Herz, als die junge Frau leblos zu Boden ging. Doch es blieb keine Zeit, um ihr Trost spenden. Nicht jetzt, nicht hier, inmitten des Gefechts.

Ein blutiger Dunst wehte durch Nassaus Gassen, vermischte sich mit dem Geruch von nassem Sand, Schießpulver und brennendem Holz. Anne spähte um die Ecke, zielte auf den Soldaten, der Christine getroffen hatte und erledigte ihn mit einem gezielten Schuss in die Stirn. Anschließend wandte sie sich Odette und Mary zu. „Wir müssen weiter. Bleibt dicht hinter mir, habt ihr verstanden?" Wo sonst nur Selbstbewusstsein zu erkennen war, spiegelte sich nun die blanke Panik wider. Auch Odette glich einem einzigen Haufen Elend. Ihre dunklen Augen schimmerten feucht vor Tränen.

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