Nassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten.
Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege.
Do...
„Alle Guten werden böse oder sind es schon längst." ~ Provinz
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Der Weg von der Küste San Salvadors bis auf die Insel Rum Cay war ihm wie eine halbe Weltreise erschienen, obwohl beide Orte nur etwa zwanzig Seemeilen voneinander trennten. Zu fünft in das kleine Beiboot der Searose gequetscht, in dem eigentlich nur drei Personen Platz gefunden hätten, waren sie über den Ozean gerudert. Nun, genau genommen hatten das die beiden Golden Brüder übernommen, nachdem er es ihnen aufgetragen hatte, während er versucht hatte, anhand des Standes der Sonne und des Nachts dem der Sterne den richtigen Kurs zu halten. Irgendwann hatten sie das kleine Eiland dann erreicht, auf dem wahrlich nicht mehr als zwei oder drei kleine Dörfer nebeneinander koexistierten. Desna und Piet hatten ihre verdienten Prisen bei sich getragen und ihnen die Unterkunft finanziert, die ohnehin nicht teuer gewesen war. In dem winzigen Gasthaus, das außer ihnen keinerlei Gäste beherbergte, waren sie zunächst einmal zur Ruhe gekommen und befanden sich auch am heutigen Tag noch dort.
In einer fast schon gemütlichen Runde saßen sie an einem der schmalen Tische aus Palmenholz. Thomas und Tobias schaufelten eine seltsam riechende Suppe aus Meeresfrüchten in sich hinein, während Samuel und Piet über einer Karte brüteten, um zu beschließen, wohin sie segeln würden, wenn sie erst einmal ein Schiff besaßen. Letzteres stellte wohl das größte Problem dar. Mit dem Beiboot wäre es wahnsinnig gewesen auf das offene Meer hinaus zu segeln und im Hafen lag derzeit kein einziges Seegefährt, das dazu im Stande gewesen wäre. Lediglich ein paar wenige Fischkutter trieben am Pier auf den sanften Wellen umher.
Dass sie auf Rum Cay festsaßen, beunruhigte Samuel mehr, als er es zugeben wollte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es Anne gelingen würde, ihren geliebten Jack aus den Fängen der Marine zu befreien und Samuel fürchtete, dass der Käpt'n Jagd auf ihn machen würde, wenn er erst auf seine Fregatte zurückgekehrt war. Anne mochte zu weich gewesen sein, um ihn der gescheiterten Meuterei wegen vor versammelter Mannschaft eine Kugel durch die Stirn zu treiben. Jack hingegen würde nicht eine Sekunde darüber nachdenken müssen. Er würde abdrücken. Ohne Zweifel. Ohne Zögern. Und wenn Samuel ehrlich zu sich war, konnte er es ihm nicht einmal verdenken. Er wusste zu viel.
Es war von höchster Bedeutung, dass sie so schnell wie es ging so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die verfluchten Bahamas brachten. Die Blicke der Bedienungen behagen ihm nicht und die ganze Zeit über hatte er das Gefühl, dass man sie beobachtete. Als wäre die Insel heimlich beides: Unter der Hand von Piraten und Marine! Nur wie sollten sie von hier wegkommen, wenn alles, was ihnen zur Verfügung stand, ein paar Bretter Holz waren, die nicht mal über ein Segel verfügten?
„Und wenn wir einfach Richtung England segeln?", schlug Piet vor und deutete auf besagtes Stückchen Land. „Dorthin würde er uns niemals folgen. Da wimmelt sich nur so vor Marinesoldaten, die ihn tot sehen wollen."