Nassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten.
Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege.
Do...
“Scream! So that one day a hundred years from now another sister will not have to dry her tears wondering where in history she lost her voice” ― Jasmin Kaur
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Sie lachte. Himmel, seit Jahren hatte sie nicht mehr das Gefühl gehabt, so ausgelassen und freudig einem Tanz beizuwohnen. Jerome, der Mann Blackbeards, wirbelte sie über die blank geputzten Dielen und sie leitete ihn in einer perfekten Harmonie an all den anderen Paaren entlang, sodass sie nicht ungewollt mit jemandem zusammen stießen. Ganz anders, als an all den Anlässen und Veranstaltungen, zu denen sie ihren Mann in Indien begleitet hatte.
Der Alkohol und die Bewegung hatten ihre Wangen zum Erröten gebracht und beflügelt durch Musik und Champagner drehte sich ihre Welt noch immer, als das Stück endete und sie gleich allen anderen Paaren atemlosen Beifall klatschten. Jerome ergriff ihre Hand und hauchte einen Kuss auf ihre Finger.
"Ich würde mit Ihnen bis zur Morgendämmerung tanzen, meine Teure. Bis die goldene Sonne aus dem Meer steigt und das Wasser zu einem Ozean aus flüssigen Flammen macht."
Kichernd, wie zum wahrscheinlich hundertsten Mal in dieser Nacht hielt sie sich die Hand vor den Mund. "Ihre Worte sind so schmeichelhaft, Monsieur", gab sie spielerisch zurück, wohl wissend, dass der Mann sich viel zu wohl in seiner Rolle fühlte und seine Worte auf eine überwältigende Art und Weise viel zu ernst gemeint waren.
Er schenkte ihr einen tiefen Blick. "Die Pflicht ruft mich, aber wenn ich diese erledigt habe, werde ich alles daran setzen, alsbald wieder an Ihrer Seite zu sein." Er tat einen übertriebenen Kratzfuß vor ihr, ehe er sich wieder aufrichtete und sich entfernte, ohne sie jedoch länger als zwei Sekunden aus den Augen zu lassen.
Mary winkte ihm in einer minimalistischen Geste hinterher. Seufzend postierte sie sich am Rande der Tanzfläche, ließ sich ein Glas Champagner reichen und ließ ihren Blick schweifen.
Die Atmosphäre verleitete sie dazu nostalgisch werden. Aber nicht auf eine schwermütige Weise. Sie fühlte, wie etwas in ihrer Brust sich an den richtigen Platz zurückschob und heilte. Erinnerungen, die nichts als Schmerz und ergebene Machtlosigkeit beinhalteten, wurden überlagert von einem neuen Gefühl, nun, da sie die Festivität aus einem vollkommen anderen Lager betrachten konnte. Liebe, Verwegenheit und das Gefühl am richtigen Ort wirken zu dürfen. Ihr Herz wurde warm, strahlte sein Licht in ihren gesamten Körper, als sie sich darüber bewusst wurde, dass sie eine zweite Chance erhalten hatte. Eine Chance, etwas zu verändern.
Sie wollte sie ergreifen.
Während sie ihre Aufmerksamkeit über die anwesenden Gäste wandern ließ, drifteten ihre Gedanken zu Anne. Sie sah bezaubernd aus in ihrem blutroten Kleid, ihre Bewegungen und ihr Benehmen erinnerten an das wohlerzogene Mädchen, das sie einst gewesen sein musste. Und doch ... Wenn man wusste, wer sie war, ließ sich ihr Feuer nicht mehr länger vor der Welt verbergen. Als hätte sie das Versprechen, das sie dem Ozean gegeben hatte, in ein Stück Stoff gewoben und eine Garderobe daraus gemacht. Eine Königin der Piraten zu sein.