Lady Audrey I

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13. April 1822
Sankt Augustine

"Bare your soul 'til it's naked
Bite my lip 'til you break it
Steal my heart, get it wasted
Don't do it slow" - Måneskin, the Driver

Der Innenhof des Fort war so hell mit Gaslampen und Kerzen erleuchtet, dass die Dunkelheit der Nacht über ihren Köpfen mitsamt ihrer Sterne zu einer Bagatelle verblasste

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Der Innenhof des Fort war so hell mit Gaslampen und Kerzen erleuchtet, dass die Dunkelheit der Nacht über ihren Köpfen mitsamt ihrer Sterne zu einer Bagatelle verblasste. Das Zirpen der Grillen untermalte die dumpfen Klänge der Musiker und die sanfte Brise, die kaum Abkühlung brachte, streichelte seine Locken. Es kam ihm alsbald so vor, als würde der schwere Rauch der Zigarren und die Hitze der Admiralitäten sich an diesem Fleck stauen.

Selten hatte er sich an einem Ort so unwohl und gleichsam den Anwesenden so überlegen gefühlt. Er hatte sich an Annes Arm festgeklammert, wie ein kleiner Junge an seiner Mutter, als sie die breiten Treppen empor geschritten und sich durch die dicken Mauern und befestigen Türme ihren Weg ins Innere der Festung gebahnt hatten. Doch nach und nach war seine Unsicherheit verflogen. Die einfacheren Unteroffiziere und anwesenden Matrosen grüßten ihn, als wäre er einer der ihren. Die Offiziere, Admiräle und Commodores schenkten ihnen nicht mehr Beachtung als nötig und widmeten sich ihren Rauchwerken und Champagnergläsern.

Unruhig nippte er an seiner eigenen Schale, während sie in ihrer Gruppe verharrten. Read und Jerome kicherten über irgendetwas, das seine Ohren nicht erreichte und Anne hatte ihre Hand in einer kultivierten Art und Weise auf seinen Unterarm gebettet. Aufmerksam beobachtete sie ihre unmittelbaren Nachbarn, doch anscheinend ohne auch nur den Hauch einer interessanten Information aufzuschnappen.

Jack sah der Hexe neben sich dabei zu, wie sie ihr Getränk in einem Zug leerte und den Kristall auf dem Tablett einer der vielen Bediensteten abstellte. Tiw an ihrer Seite wischte sich mit einer Serviette über die schwitzende Stirn.
"Ich werde mich umsehen ...", flötete Felicité schließlich und legte wie zum Abschied vertrauensvoll eine Hand auf seiner Schulter ab. "Genießen Sie die Party, Sir ..." Als wäre ihr sein falscher Name entfallen, die sie sich allesamt gegeben hatten. Sie kicherte. "Schlafen Sie nicht ein und nutzen Sie die Gelegenheiten, die sich Ihnen bieten. Auf so ein piekfeines Fest werden Sie wohl nie wieder einen Fuß setzen!" Damit verschwand sie in der Menge.

Jack sah ihr nach. Ihr himmelblaues Kleid wurde alsbald von wirbelnden Röcken und dunkelblauen Uniformen überdeckt. Er runzelte die Stirn. Hatte es ausgesehen, als würde sie auf etwas kauen?
Seine Hand glitt in die Tasche seiner Uniform und umfasste eines der Blätter, die sie ihm in der Kutsche in die Hand geschoben hatte, ohne dass die anderen es bemerkt hatten. Hatten sie nicht? Er hoffte es. Das monotone Geschaukel im dunklen Inneren des Gefährts hatte ihn so müde gemacht, dass ihm beinahe die Augen zugefallen waren. Der Schlafmangel der vergangenen Wochen zerrte mehr denn je an seinen Kräften und er war dankbar gewesen, dass sie ihm eine Möglichkeit eröffnet hatte, nicht vor einigen ausgewählten Mitgliedern der Crew aus todbringenden Albträumen aufzuwachen.

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