Nassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten.
Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege.
Do...
„I think of what the world could be. A vision of the one I see. A million dreams is all it's gonna take" ~ the geratest showman
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Zufrieden beobachtete sie Mary und Jérôme dabei, wie sie über die Dielen an Deck schwebten. Dabei entging es ihr nicht, dass Read die Führung besaß. Sie war es, die Blackbeards Mann durch den schiefen Gesang der Mannschaft trug und nicht andersherum. Doch Anne war es gleich, wer wem den Rhythmus vorgab, solange sie sich so anmutig bewegten, wie es von britischen Adelsleuten erwartet wurde. Und Mary tat dies allemal. Sie konnte die Augen nur schwer von der Grazie lösen, die die Schiffsärztin an den Tag legte. Zum Glück stolperte Blackwood in der nächsten Sekunde über Felicités schmale Füße und half Anne dabei, sich auf das andere Paar zu fokussieren. Die kleine Französin und der breit gebaute, glatzköpfige Smutje hätten kein seltsameres Bild abgeben können.
Anne knirschte mit den Zähnen. Wieso hatte die Kräuterhexe sich ausgerechnet Tiw aussuchen müssen? Jack hatte ihr Flips vorgeschlagen, der von seiner Statur her meilenweit besser zu ihrer schlanken Figur gepasst hätte. Oder den Oberzimmermann Mr. Brown, der sich mit seinem gut gepflegten, brustlangen Haar wunderbar in die Szenerie eines Marineballs eingefügt hätte.
Aber nein, Felicités Wahl war auf Blackwood gefallen, der ebenso wie Jack und Anne überaus unglücklich mit dieser Entscheidung war. Er konnte nicht tanzen, hatte er gesagt, und er war nicht erpicht darauf, den Navyschweinen Honig ums Maul zu schmieren und ihre ekelerregende Art wortlos abzunicken. Aber solange Bens Leben noch immer auf Messers Schneide stand, war ihnen keine andere Möglichkeit geblieben, als dem allerseits verschmähten Wunsch nachzukommen.
Anne hob die Hand, um dem unfähigen Chor Einhalt zu gebieten, der im Hintergrund ein langsames Seemannslied geträllert hatte, das den vier Viertel Takt eines Walzers hatte. Sobald Ruhe eingekehrt war, schritt sie auf das ungleiche Paar zu und korrigierte deren Haltung. Tiw knurrte unterschwellig, aber er ließ sie machen, als sie seine Hand tiefer an Felicités Hüfte ablegte. Die Hexe hingegen kicherte vergnügt, sobald Anne ihre Finger ordentlich mittig auf ihres Tanzpartners Schulter platzierte. „Versucht in Gedanken den Takt mitzuzählen", wies sie die beiden an, bevor sie wieder zurücktrat und dem wartenden Seemannschor mit einem Kopfnicken bedeutete, dass er mit seinem Gesang fortfahren sollte. Sie verzog das Gesicht, als die schiefen Töne an ihre Ohren drangen, verfolgte allerdings erleichtert, dass ihre kleine, aber feine Korrektur bereits Früchte trug. Wie die beiden einander nun über die Dielen führten, sah noch lange nicht so elegant aus wie bei Mary und Jérôme, aber auch nicht mehr so unästhetisch wie zuvor.
Anne atmete tief durch. Wenn Fortuna ihnen gut gewogen war, dann würden Felicité und Blackwood am Ende womöglich doch gar nicht so sehr auffallen, wie Jack es befürchtete. Anne hatte ihm geschworen, dass sie es hinbekommen würde. Immerhin war es ihr Plan gewesen. Und bei den Göttern, sie hatte so vieles wieder gutzumachen. Sie durfte es nicht vermasseln.