Tränen

55 9 9
                                        

14. April 1822
Atlantik, Kurs Richtung Nassau

Bin wach die Nächte lang
Schlaf schon lang nicht ein
Wart, bis du verzeihst
Weißt du nicht, wie sehr ich wein?
Ich schwimm in meinem Haus
In Trän'n, holst du mich raus?
Es tut mir leid, ich weiß
Nicht, wohin ich sonst noch soll
Ich fühl mich schwach, bin kraftlos
Wann antwortest du mir bloß?
Was, wenn mein Herz nicht mehr schlägt?
Wär's nicht zu spät?
- Ayliva - Lieb mich

Bin wach die Nächte langSchlaf schon lang nicht einWart, bis du verzeihstWeißt du nicht, wie sehr ich wein?Ich schwimm in meinem HausIn Trän'n, holst du mich raus?Es tut mir leid, ich weißNicht, wohin ich sonst noch sollIch fühl mich schwach, bin ...

Hoppla! Dieses Bild entspricht nicht unseren inhaltlichen Richtlinien. Um mit dem Veröffentlichen fortfahren zu können, entferne es bitte oder lade ein anderes Bild hoch.

Der Geruch von frisch gebratenem Hühnerfleisch stieg ihr in die Nase. In beiden Händen jeweils eine Schüssel mit dem Abendessen haltend, auch wenn ihr der Appetit aus zweierlei Gründen vergangenen war, wanderte sie über das Deck auf Jacks Kajüte zu.

Er hatte nach ihr rufen lassen, aber war das wirklich ein Erfolg? Sie hatte so sehr gehofft, es würde ihm helfen, sich Diamond anzuvertrauen. Stattdessen hatte er sie mit eisigem Schweigen über das, was ihm zugestoßen war, bedient und sie alsbald aus seinen Räumlichkeiten geworfen. Anne war sich sicher, er war dabei nur so höflich geblieben, weil Diamond Jonahs Frau war. Ihr würde es mit Gewissheit gleich anders ergehen, wenn sich seine geballte Wut über ihr entladen würde, da sie ohne sein Einverständnis sein neuestes Geheimnis verraten hatte.
Aber sie war darauf gefasst. Sie würde es ertragen, sich ihm stellen, als wäre sie die Searose und er ein gnadenloser Orkan. Hätte sie seine Mitte, sein Herz, erst einmal erreicht, dann würde Ruhe einkehren.

Ein letztes Mal atmete sie tief durch, bevor sie an seine Tür klopfte. Während sie wartete, machte sich Übelkeit in ihrer Magengegend breit. Nicht, weil sie nervös vor dem bevorstehenden Gespräch war, sondern wegen der Saat ihrer Liebe, die, wenn man Mary Glauben schenken wollte, in ihr heranreifte.

Sie hatte vor, Jack davon zu erzählen. Allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich ein guter Zeitpunkt dafür fand. Fast die ganzen Morgenstunden über war sie wach gelegen und hatte darüber nachgedacht. Natürlich wäre es vermutlich am besten gewesen, es ihm wirklich erst zu verraten, wenn Mary ihre Tests durchgeführt und es ihr bestätigt hatte. Doch es fühlte sich falsch an, ihn so lange in Unwissenheit zu lassen. Er war der Vater. Er hatte ein Recht darauf, es zu erfahren. Nur war sie sich unsicher, ob er sich in Anbetracht seines eigenen seelischen Zustands darüber freuen würde ... und nichts wollte sie mehr als das.

Auf ihr Klopfen hin erklang auf der anderen Seite der Tür ein hektisches Poltern. Dann hörte es sich an, als würde eine Schublade geschlossen und schließlich folgte das leise, dumpfe Geräusch von Schritten, ehe sich die Klinke bewegte. Jacks finsterer Blick richtete sich auf sie und für einen kurzen Moment huschte ein gequälter Ausdruck über seine Züge. Hinter seinem linken Ohr steckte eine Zigarette, deren Pergament ungewöhnlich schmutzig aussah, doch noch bevor Anne irgendetwas dazu sagen konnte, erhob er bereits das Wort. "Du hast lange auf dich warten lassen." Er trat nicht beiseite, ließ sie nicht ein.

Ink & PoisonWo Geschichten leben. Entdecke jetzt