Nassau. Das Reich der Piraten. Klares Gewässer, Sonne, Gleichgesinnte und endlich kein Bedarf mehr, ihre Liebe zueinander geheim zu halten.
Alles scheint perfekt, die gemeinsame Zukunft gesichert und nichts dem Abenteuer des Lebens mehr im Wege.
Do...
“I'm still here in this bed that I crawled in, I hope that I'm someone else in the morning. So take this one wash it down and you'll be fine. Then walk around in a floating chalk outline” Ren X Chinchilla - Chalk outlines
13. April 1822 Sankt Augustin - Crescent Beach
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Sein Mund fühlte sich so verflucht taub und trocken an, doch er spuckte die Reste des letzten Blattes in den hellen, vom Mondlicht beschienenen Sand und schob sich unmittelbar das nächste zwischen die Zähne. Sein Herz pochte inzwischen so wild in seiner Brust, als wäre er zwei Meilen weit geschwommen und es gelang ihm kaum noch, das angespannte Beben seines Kiefers zu unterdrücken. Seine Zähne knirschten und übertönten beinahe das regelmäßige Rauschen der Wellen, das ihn für gewöhnlich beruhigte. Doch heute Nacht war es für ihn die Hölle. Fast so sehr, wie die Haut unter seinem linken Ärmel brannte und juckte, sobald der Stoff die Wunde berührte und ihn bei jeder Bewegung seines Arms daran erinnerte, dass die heutige Nacht kein Albtraum gewesen war.
Hilflos gab er ein weiteres Mal seinem Verlangen nach, seine Beine zu bewegen. Seine Hände griffen wie von selbst in die Innenseite seiner Jacke und begannen zum wohl hundertsten Mal in dieser Nacht, eine Zigarette zu drehen. Von dem unkontrollierten Beben seiner Hände war der Hölle sei Dank lediglich ein leichtes Zittern geblieben. Der Kamm der Düne vor ihm war zerwühlt von seinen eigenen Schritten, nachdem er ihn wieder und wieder abgelaufen war, doch nie waren das Licht oder die Geräusche einer weiteren Kutsche von der nicht weit entfernten Straße bis zu ihm vorgedrungen. Sein Blick glitt weiter über den Sand, über die sich brechenden Wogen bis hin zur Searose, die in einiger Entfernung zum Ufer im Wasser lag. Die Küstenlinie fiel so flach ins Meer, dass sie beinahe eine Meile Rudern vor sich hatten, ehe sie wieder an Bord des Schiffes würden gehen können.
"Sie brauchen zu lange!", entfuhr es ihm knurrend und auch wenn er keine Antwort hatte haben wollen, wehte das genervte Seufzen der Hexe zu ihm hinüber.
"Und Sie sind zu nervös! Setzen Sie sich und ruhen sich aus, verflucht noch mal!"
"Halten Sie die Klappe! Wir warten seit einer geschlagenen Stunde darauf, dass sie hier auftauchen. So lange kann das nicht dauern!"
"Und womöglich warten wir noch bis zum Morgengrauen...", hauchte Felícíté unbeteiligt. "Aber Sie irren sich. Es sind kaum einmal dreißig Minuten vergangen, seit wir hier angekommen sind."
"Habe ich Ihnen schon gesagt, dass Ihre beschissene Impertinenz mir auf die Nerven geht?"
Sie setzte zu einer Antwort an, doch just in diesem Moment durchdrang ein anderes Geräusch die Monotonie des Meeresrauschens und er erstickte ihre Worte mit einem herrischen /Scht/ kursiv, noch ehe sie sie formen konnte. Er fuhr sich mit der Hand durchs Haar und lauschte. Dann durchzuckte ihn Erleichterung, als das Wiehern eines Pferdes erklang. Kurz darauf konnte er erkennen, wie sich die Lichter eines Gefährts näherten. Mit aller restlichen Geistesgegenwertigkeit, die ihm geblieben war, duckte er sich in den Bewuchs der Düne hinein und sah zu, wie die Kutsche zum Stehen kam. Eine hochgewachsene Gestalt sprang behände vom Kutschbock, während sich eine andere, kleinere und stämmige aus dem Schatten des Inneren schälte.