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Sabo stand an der Reling und sah missgestimmt dabei zu, wie Baltigo in der Ferne immer kleiner wurde. Er gähnte und streckte seine Arme, denn sie waren sehr früh aufgebrochen und er war noch sehr müde. Der Blonde war ein wenig traurig, denn Rain hatte sich heute morgen nicht von ihm verabschiedet. Sehr übel nehmen konnte er es ihr zwar nicht, denn die Sonne ging gerade erst auf. Er würde jetzt selber viel lieber im Bett liegen, aber insgeheim hatte er sich gewünscht, sie noch einmal zu sehen. Immerhin musste er gestern ganze Überzeugungsarbeit leisten, um sie daran zu hindern, dieses Schiff zu betreten. Letztendlich musste sie es ihm schwören, dass sie nicht mitkommen würde.

***

„Wie lange wird es dauern, bis wir auf die bewaffneten Schiffe treffen?", fragte Sabo einige Stunden später, während er über ein zweites Frühstück nachdachte. Koala stand am Bug des Schiffes und hielt ein kleines Notizbuch in den Händen.

„Noch ein paar Stunden, vielleicht auch einen Tag, wenn der Wind weiterhin so schlecht ist", antwortete Koala ihm, ohne von ihrem Notizbuch aufzublicken. Der Blonde seufzte ungeduldig. Je schneller sie die Sache hinter sich brachten, desto schneller konnten sie nach Baltigo zurückkehren.

„Entspann dich. Du wirst Rain bald wiedersehen", meinte Koala plötzlich und brachte den Stabschef der Revolutionsarmee dazu, ertappt zusammenzuzucken.

„Was? Wie kommst du darauf, dass ich Rain – Moment! Das hat nichts mit ihr zu tun! Ich-", stammelte Sabo erregt los und versuchte verzweifelt sich zu rechtfertigen. Koala lachte daraufhin auf.

„Ach komm! Ich beobachte dich schon seit Stunden, wie du sehnsüchtig in Richtung Baltigo starrst", neckte Koala ihn.

„Das tue ich überhaupt nicht! Ich halte lediglich Ausschau nach feindlichen Schiffen!", rechtfertigte Sabo sich eifrig. Spöttisch zog Koala die rechte Augenbraue in die Höhe.

„Immer in die selbe Richtung?", witzelte die Revolutionärin.

„Warum muss ich mich überhaupt rechtfertigen? Ich bin schließlich -", Sabo schaffte es nicht, seinen Satz zu beenden, denn seine Teleschnecke klingelte laut in seiner Manteltasche. Er warf Koala noch einen säuerlichen Blick zu, bevor er ran ging.

„Ja? Sabo hier", meldete sich der Stabschef.

„Sabo? Hier ist Hack. Wir haben ein Problem", meldete sich der Fischmensch am anderen Ende der Leitung. Jetzt horchte auch Koala auf und starrte gebannt auf die Teleschnecke.

„Was ist passiert?", fragte die Revolutionärin und kam Sabo damit zuvor.

„Rain ist verschwunden. Sie war weder beim Frühstück, noch beim Mittagessen und zu unserem Training ist sie auch nicht aufgekreuzt. Wir haben das ganze Hautquartier nach ihr abgesucht, doch keiner hat sie gesehen", sprach der Fischmensch ruhig. Sabo kniff die Augen zusammen und knetete seine Nasenwurzel zwischen seinen Augen. Er gab ein langes, theatralisches Seufzen von sich. Er hatte es bereits geahnt, doch er hatte gehofft, dass Rain sich an ihr versprechen halten würde.

„Wir werden das Schiff absuchen. Ich melde mich, sobald wir sie gefunden haben", antwortete Sabo und gerade als Hack noch etwas sagen wollte, hatte Sabo bereits den Hörer hingelegt. Koala schmunzelte und blickte Sabo amüsiert an.

„Scheint, als siehst du sie schneller wieder als gedacht", neckte Koala weiter.

„Sei bloß still", murmelte der Blonde und begab sich in das innere des Schiffes. Er überlegte, wo man sich auf dem Schiff am besten verstecken konnte und entschied, dass der Frachtraum wohl der beste Ort für ein Versteck war. Schwach klommen die Lichter der Fackeln an den Wänden, als Sabo in den nach Salz und Seetang riechenden Frachtraum trat. Das Schiff schwankte bei dem leichten Wellengang, sodass er kurz taumelte. Sein Blick glitt über die unzähligen Fässer und Kisten, die hier übereinander gestapelt und mit Tauen festgezurrt standen. Er überlegte kurz, wo er sich in dieser Situation verstecken würde. Wahrscheinlich würde er sich hinter einigen Fässern verstecken. Hier unten lagerte auch der Proviant, weshalb man sich nicht zeigen musste, bis die Luft rein war. Auf leisen Sohlen schlich der Blonde eine reihe Kisten entlang und spähte hinter ein paar Fässer, sehen konnte er jedoch nichts. Er suchte weiter, bis er etwas kleines, fast schon unauffällig banales an einem der Taue fand. Ein Haar. Es war nur ein einzelnes Haar, dass sich in dem Geflecht aus Seilen verfangen hatte. Ein einzelnes, vollkommen unscheinbares blau schimmerndes Haar. Sabo schmälerte die Augen. Er hatte es gewusst. Er hätte es genau so getan. Seine Augen überflogen die Ladung bis er schließlich eine Kiste entdeckte, die ganz hinten in einer unauffälligen Ecke stand. Auf Zehenspitzen schlich er darauf zu. Der Deckel der Kiste war einen Spalt weit geöffnet und ein kleines Küchenmesser steckte dazwischen, damit der Deckel nicht zufallen konnte. Aus dem inneren der Kiste dran ein leichtes Licht nach außen. Sabo konnte ein Seufzen nicht unterdrücken, als er den Deckel öffnete und genau das fand, wonach er gesucht hatte. Rain lag in der Kiste, eingemummelt in einer Wolldecke, hielt ein einzelnes Streichholz vor ihre Nase, biss gerade von einem Apfel ab und las ein Buch mit dem Titel „Käpt'n Binks Abenteuer". Erschrocken sah sie auf und blickte Sabo mit weit aufgerissenen und trotzdem voller Unschuld leuchtenden Augen an.

The Deathly Hallows [One Piece FF]Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt