Das Spiel hat längst begonnen. Während wir eine Aufgabe nach der anderen bewältigen, würdigt er mir kein Blick zu. Er spricht nicht mit mir. Er ist tief in seinen Gedanken versunken. Manchmal wird er wütend und stampft auf den Boden. Manchmal wirkt er so Lustlos und seufzt mehrmals auf. Er konzentriert sich nicht aufs wesentliche, nicht auf den Ort und auch nicht auf den Weg denn wir gehen müssen. Meine Orientierung ist viel zu schlecht und durch seine mangelnde Konzentration verirren wir uns immer tiefer in den Wald. Langsam, aber sicher begreift er die missliche Lage.
Drum dreht er sich endlich zu mir, sieht mich endlich an und fragt nach: „Weist du wo wir hier sind?"
„Ich glaube wir haben uns verlaufen." sage ich viel zu leise.
Es ist bereits viel zu dunkel um noch etwas zu erkennen. Das einzige was wir bei uns tragen ist eine kleine Taschenlampe, eine Karte und eine Pfeife. Für Situationen wie diese.
„Gib her." sagt Malwin plötzlich und reist mir alles aus den Händen.
Diesmal verhält er sich sehr schroff. Was ist nur los mit ihm? Warum verhält er sich so?
„Was bedrückt dich?" frage ich direkt heraus.
Er ignoriert mich und starrt hinab auf die Karte. Pfeift dann anschließend wiederholt in die Pfeife. In der Hoffnung irgendjemand würde den Klang wahrnehmen und dementsprechend zur Hilfe eilen.
Jedoch Erfolglos. Keine Lebewesen ist zu hören, noch zu sehen.
„Bitte sage mir, was mit dir los ist." versuche ich es erneut, jetzt wo er ruhiger wird.
Er bestraft mich zum ersten mal. Er ignoriert mich immer noch und legt sich Wortlos mitten im Wald nieder. Anschließend starrt er steif in den Himmel.
„Sag mir bitte was mit dir los ist." flehe ich ihn regelrecht an und lasse nicht locker.
Währenddessen setzte ich mich zu ihm. Blicke auf ihm herab und erwarte diesmal eine Antwort.
„Mach dir keine Sorgen. Ich bin nur etwas schlecht gelaunt."
Endlich spricht er mit mir.
„Wieso? Bin ich dafür verantwortlich?" frage ich.
„Wir sind doch nur Freunde, oder nicht?" sagt er plötzlich so beleidigt.
„Ich denke schon." sage ich und setzte mich in den Schneidersitz.
„Gibt es jemanden in deinem Leben, für den du besondere Gefühle hegst?" fragt er mich nun.
Plötzlich bin ich diejenige die abstumpft und versucht den Augenkontakt zu vermeiden. Er lässt mir das nicht durchgehen und sagt daraufhin:
"Antworte mir! Wir sind doch Freunde, also bitte keine dummen Geheimnisse."
Seufzend versuche ich dann die passende Antwort zu finden und sage: „Verlange von mir keine direkte Antwort. Ich selbst bin meiner Gefühle noch nicht so sicher. Bevor ich mich zu euch gesellte, empfand ich kaum irgendeine Emotion. Ich verstand die Welt nicht, erst recht das menschliche Verhalten. Seit ich euch begegnet bin, lerne ich die diversen, unterschiedlichsten Situationen zu verstehen, zu begreifen, sie einzuschätzen und sogar zu realisieren. Also bitte setzte mich nicht so unter Druck."
„Oh ja. Diese Schwierigkeiten hast du eindeutig." äußert er sich plötzlich lächelnd.
Mit fällt ein Stein vom Herzen. Es tut gut ihn wieder so entspannt zu sehen.
„Es tut mir leid, das ich dir alles so grob aus der Hand gerissen habe. Ich wollte dich damit nicht verletzten. Ich leide nur ein wenig unter Kummer." entschuldigt er sich und setzt sich aufrecht hin.
Wir blicken uns direkt in die Gesichter und ich werde nervös.
„Was ist das für ein Kummer?" frage ich höflich nach.
„Liebeskummer." sagt er seufzend und rutscht näher zu mir.
Seine Augen, seine Blicke sind anders geworden. Sehr befremdlich.
„Hast du es ihr immer noch nicht gebeichtet?" frage ich und komme auch ihm ein wenig näher.
Ich weis nicht weshalb ich das mache. Ich will und muss es einfach.
„Nein. Jeden morgen ermutige ich mich und doch sind meine Lippen versiegelt. Ich habe angst vor jeglicher Ablehnung. Angst sie dadurch vollkommen zu verlieren. Das wäre mein Untergang." antwortet er angespannt.
Sein Körper wirkt so steif. Während ich ihn mir so verträumt ansehe, leckt er sich die Lippen und kommt mir unerwartet näher. Wie aus dem nichts drückt er mir einen sanften Kuss auf.
Ich bekomme gleich einen Herzinfarkt. Mein Körper, mein Geist spielt verrückt. Ich sollte ihn unterbrechen und andererseits will ich mehr. Seine Lippen, seinen warmen Atem. Wir werden immer Leidenschaftlicher und unser Kuss wird immer intensiver. Es geriet vollkommen außer Kontrolle und bevor wir die Grenze überschreiten, werden wir Gott sei dank unterbrochen.
"Na sieh an, wenn wir da haben. Welch versauten Schüler. Während ich euch so verzweifelt suche, macht ihr es euch hier recht bequem." sagt einer der Lehrer und blendet uns, wie aus dem nichts, mit einem grellen Licht.
Ah du meine Güte! Mein Klassenlehrer. Sofort schubse ich Malwin beiseite und springe auf.
Ist das peinlich!!
„Eure intime Show ist hiermit beendet. Ich sehe nochmals darüber hinweg, aber lässt das für die Zukunft sein. Zuhause könnt ihr machen was immer ihr auch wollt, aber nicht während der Schulzeit. Nun ab mit euch." sagt der Lehrer und wendet uns den Rücken zu.
Malwin springt ebenso auf die Beine und schweigend folgen wir ihm bis hin zu meinem Platz.
Keiner ist zu sehen. Alle liegen bereits im Bett. Mein Klassenlehrer geht jetzt mit strengen Blicken an uns vorbei. Er lässt mich mit Malwin allein. An meinem Zelt lächeln wir uns nur noch mehr beschämt zu.
„Das darf nie wieder vorkommen." spreche ich und breche die eisige Stille.
Er hingegen sagt daraufhin: „Ich bereue es keineswegs."
Was ist das wieder für ein Tonfall? Er macht mich schon langsam verrückt. Ich werde noch wahnsinnig. Durchgehend, total unbeabsichtigt starre ich ihm sogar auf die Lippen.
„Gute Nacht." sagt er plötzlich und entreißt mich sofort aus den Gedanken.
„Ja. Gute Nacht." sage ich beschämt und gehe verlegen in mein Zelt.
Was denke ich mir nur dabei? Er liebt doch bereits eine andere. Ich denke Freunde machen sich nichts kaputt. Vor allem weil ich mir dessen sicher bin, dass es nicht nur bei einem Kuss geblieben wäre. Wenigstens habe ich den wichtigsten Punkte einer Freundschaft begriffen und will Malwin durch meinen jetzigen, verwirrten, vielleicht sogar kurz anhaltenden Zustand nicht verlieren, oder sogar verletzen.
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Heartbeat (B1)
RomanceHierbei handelt es sich um eine junge Dame, welches noch lernen muss was Gefühle bedeuten. Auf ihrem Weg lernt sie dabei zwei wunderbare junge Männer kennen, die nicht unterschiedlicher sein können. Hier prallen somit diverse Charaktere aufeinander...
