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„Ich weiß", sagte James leise. „Nur der Gedanke gefällt mir nicht." „Wir schreiben uns doch jeden Tag." Langsam kamen die Farben wieder zurück. Ich atmete erleichtert auf. Natürlich landete mein erster Blick auf einem der tausend Poster die ich von meiner Lieblingsband habe. Ich war so stolz, dass sie auch aus Australien kamen. Sofort sah ich in die braunen Augen von meinem zweitem Helden, Calum, und entspannte mich wieder einigermaßen. Ihre Musik gab mir immer wieder neuen Mut weiterzumachen. Durch sie habe ich gelernt, dass aufgeben nichts bringt. Weiter zu kämpfen, denn es gibt Menschen die mich lieben. Ich seufzte und legte mich ins Bett. „Ich werde dich vermissen", flüsterte er. Dies zu hören ist das Allerschönste was man sich vorstellen kann. „Ich dich auch. Aber es sind nur zwei Wochen." „Trotzdem", kam es spontan zurück. Ich musste grinsen. James sah mich mit seinen dunkelblauen Augen direkt an. Eigentlich waren wir noch nie getrennt gewesen. Sogar in den Pausen ist er meistens bei mir, da ich keine Freunde habe. Das klingt vielleicht hart, aber es stimmt. Ich bin die Außenseiterin mit dem heißen Stiefbruder. Ich war zwar schon mit mindestens vier Jungs zusammen, und bei jedem dachte ich Vollidiotin, dass er mich mögen würde. Dass er anders als die anderen sei. Dass er mich liebe. Doch dann stellte es sich heraus, dass er mich hinter meinem Rücken auslacht. „Sieht sie es denn nicht? Oh stimmt, das habe ich ja ganz vergessen!" Hahaha. Sehr lustig. Ich versuche es zu vergessen, doch es tut so weh. Ich wollte doch nur jemanden haben, dem ich vertrauen konnte. Anscheinend war das zu viel verlangt. Aber ich habe daraus gelernt. Vertraue niemanden. Zeige niemanden deine Gefühle. Vergiss die anderen. Alle sind gleich. Es gibt keine Ausnahmen. Mach nicht noch einmal den gleichen dummen Fehler. „Ich geh dann nach Hause. Bis morgen." James kam zu mir und küsste mich auf der Stirn. Ich lächelte. Das machte er immer. Jedes mal wenn wir und sehen und wenn er ging. Mir gefiel es, dass machte es irgendwie zu „unserem Ding". Das konnte mir wirklich keiner nehmen. Und wieder einmal war ich so froh ihn zu haben. „Bis morgen", murmelte ich. Wie nach jedem Arztbesuch war ich so müde, dass ich jetzt schon ins Bett ging. Ich hätte sowieso nichts mehr gemacht. Wie immer ließ ich meine Bettlampe an. Ich hasste die Dunkelheit. Jedesmal bekam ich Panikattacken. Ich hatte keine Ahnung, wie ich dies über Jahre sogar über Jahrzehnte aushalten würde. Schon oft hatte ich mir überlegt einen Schlussstrich zu ziehen. Doch dann dachte ich an James und an meine Mutter. Ich konnte sie solchen Schmerzen nicht aussetzten. Schon nach kurzer Zeit war ich eingeschlafen. Ich öffnete meine Augen und seufzte. Nur noch drei Tage. Ich wusste schon jetzt wie diese Aussehen werden. James wird zu mir kommen, wir werden zusammen in die Schule gehen. Dort angekommen werden alle Mädchen sofort zu tuscheln anfangen. Ich kann gar nicht verstehen was man jeden Tag neues über uns sagen kann. Ab diesen Zeitpunkt werde ich die ersten zwei Stunden auf mich alleine gestellt sein. Ich werde gelangweilt im Unterricht hocken, während ich entweder über den Jungen nachdachte oder über 5sos. Ich würde sie mal voll gerne sehen. Andererseits auch nicht. Um ganz ehrlich zu sein, ich hatte null Selbstbewusstsein. Ich hasste es im Mittelpunkt zu stehen. Das konnte ich einfach gar nicht ausstehen. Nach diesen zwei Stunden wird vielleicht James zu mir kommen und ich würde eine schöne Pause mit ihm haben, oder ich werde sie alleine verbringen. Wenn er zu mir kommen wird, wird uns natürlich wieder jeder hinterher schauen, sowohl Mädchen wie auch Jungs.Was wieder nicht so meine Sache war. Doch dagegen konnte ich nichts machen. Manche Mädchen werden versuchen möglichst auf Beste Freunde mit mir zu machen, um mit James zu flirten. Er war der beliebteste Junge an der Schule. Was soll man da schon viel andreres erwarten? Und ich, ja ich glaube du weißt, welchen Platz ich hatte. Obwohl ich „total uncool" war, hat sich James noch nie mit mir geschämt. Im Gegenteil. Er würde nie etwas mit einem Mädchen anfangen, welches mich nicht mögen würde. Und da kamen leider nur wenige in Frage. Doch darauf war ich nicht wirklich stolz. Es war ja sein Leben und nicht meins. Er soll das Mädchen als Freundin haben, welches er liebt. Wie oft ich ihm schon versucht habe das einzureden, jedoch erfolglos. So war es jeden Tag, was sehr erschreckend war. Alles wiederholte sich ständig. Immer und immer wieder. Es veränderte sich nichts. Ich veränderte mich nicht, obwohl ich es mir so fest wünschte. Und genau so war es die drei Tage der Fall gewesen. Doch jetzt war erst einmal für sechs Wochen Pause.

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Das ist jetzt einmal ein etwas längeres Kapitel :) Ich wollte fragen wie euch die Geschichte bis jetzt gefällt, auch wenn sie noch etwas langweilig ist. Würde mich über Komentare sehr freuen :D

Clarissa xx

Broken piecesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt