Ich sah ihn einfach nur an, prägte mir die genauen Konturen seines Gesuchtes ein und versuchte zu verstehen, was ich gerade fühlte. Ich meine, ich kannte diesen Jungen nicht mal und dennoch blieb kein einziger Gedankengang ohne ihn. Was ich mich jedoch fragte war, wieso jeder so schlecht von ihm dachte. Gut, ich sah ihn gerade vielleicht das zweite Mal Lächeln und wie schön gesagt, kannte ich ihn eigentlich gar nicht, aber wie kann denn so ein Junge, der einen so liebevoll behandelt, böse sein? Ich nahm mir vor, mehr über ihn herauszufinden und das mit allen Mitteln.
Obwohl er vor mir stand und mir die Sicht versperrte, wusste ich das uns sämtliche Schüler anstarrten. Die Blicke brannten sich von allen Seiten in meinen Körper und mir lief ein Schauer über den Rücken. Ich räusperte mich einmal und sagte "Die starren uns alle an" und da schien auch er aus deiner Starre erlöst zu sein, denn er blickte sich um und sein Grinsen verschwand. Sein Kiefer verhärtete sich und auf einmal war er nicht mehr dieser süße Junge. Auf einmal wirkte er nämlich gefährlich und nun könnte ich verstehen, was alle sagten. Seine Augen gefroren zu Eis und sogar sein Griff in meinem Kreuz erhärtete sich.
"Wenn ihr was zum Glotzen wollt, kann ich es euch gerne mal zeigen!" Seine Stimmt war laut, aber kein Schreien und sie war viel tiefer, viel bedrohlicher, als ich sie je wahrgenommen hatte. Sogar ich zuckte zusammen, riss mich aber schnell wieder am Riemen. Ich sah an ihm runter und erkannte, dass er seine andere Hand zu einer Faust geballt hatte und wie ein Reflex, der aus dem Nichts kam, nahm ich genau diese Hand in meine. Sofort entspannte er sich wieder, legte seine Hand um meine und führte sie zu seiner Brust, wo er beide Hände flach drauflegte.
Ich konnte sein Herz unter meinen Fingern fühlen und tatsächlich beruhigte auch mich das ein bisschen. Er sah mich wieder an, ohne die winzigste Spur eines negativen Gefühls und das brachte mich zum Lächeln. Noch nie war ich so dermaßen nah mit einem Menschen. Noch nie fühlte ich mich so verbunden. Aber vermutlich dachte ich das alles nur, weil ich noch keinerlei Erfahrungen mit Jungs hatte. Ich war einfach naiv. Ich wusste ja nicht, was dieser Junge mir noch alles bedeuten würde.
Plötzlich klingelte sein Telefon, was uns beide zusammenzucken ließ und ihn kurz genervt aufstöhnen. Als er dann den Namen auf dem Telefon las, zogen sich seine Augenbrauen zusammen und er nahm sofort ab. Zuerst erzählte der andere etwas auf der Leitung, dann sprach Will eine ganze Weile auf Spanisch, was ich nicht verstand und dann war er plötzlich weg. Die Kälte war wieder da und die Blicke der anderen rückten sich wieder in meinen Blickwinkel. Ich schüttelte meinen Kopf und drehte mich schnell wieder zu meinem Spind um. Ich fragte michdie ganze Zeit, wer da am Telefon war und warum er so schnell abgehauen war.
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Ich sah Will den ganzen Vormittag nicht mehr. Auch Edwins klägliche Versuche, mich aufzumuntern halfen nicht. Vorallem aber nervte mich die Tatsache, dass ich total aufreizende Klamotten anhatte und der Mann, für den diede gedacht waren, sich nicht mal blicken ließ. Frustriert schmiss ich meine Schultasche in die Ecke des Flures und zog langsam meine Schuhe aus. Da meine Eltern diesmal beide nicht da waren, hob ich die Sachen auch nicht wieder auf.
Frustriert setzte ich mich auf das Sofa und vergrub mein Gesicht in dem Kissen. Am liebsten hätte ich auch losgeschrien, aber dann wäre ich mir sehr bescheuert vorgekommen. Amüsiert von dem Gedanken, wie ich in ein Kissen schreie, drehte ich mich so um, dass ich mit dem Gesicht zur Decke lag. Mir war vorher noch nie aufgefallen, dass unsere Decke schöne Muster hatte. Es waren ganz viele Vierecke, welche sich ineinander reihten und nach und nach größer wurden. Wie aus dem Nichts, begann ich die Muster zu zählen.
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1233...
Mein Magen begann zu grummeln und das Geräusch brachte mich so aus dem Konzept, dass ich vergaß, bei welcher Zahl ich mittlerweile war. "Mist!", murmelte ich leise vor mich hin und war tatsächlich enttäuscht, dass ich nicht mehr weiterzählen konnte. Aber ich wollte schnell was essen, bevor sich der Hunger in Übelkeit wandelte.
Da ich aber keine Lust hatte, richtig zu kochen, machte ich mir lediglich ein Sandwich und auch das aß ich relativ schnell auf. Und weil ich wegen es Tellers mit Brotlrümel nicht die Spülmaschine anschmeißen wollte, stellte ich mich kurzerhand mit dem schmutzigen Teller an die Spüle und wusch ihn ab. Nebenbei fiel mir ein, dass ich eigentlich noch Hausaufgaben machen müsste und das nicht gerade wenig.
Fluchend stellte ich den Teller in die Ablage zum Trocknen, rannte in den Flur und schnappte mir beim Laufen meine Schultasche. Als ich beim Treppe hochgehen fast stolperte, bremste ich meine Geschwindigkeit ein wenig runter und ging dann eher gemütlich. Trotz allem war ich, als ich vor meiner Zimmertüt stand, ziemlich aus der Puste.
Ich öffnete schwungvoll die Tür und blieb gleich darauf in einer Schockstarre stehen.
Was machte er hier ?
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With all my heart
Roman pour AdolescentsSavannah, 17 Jahre alt und in Sachen Liebe noch völlig unerfahren. Will, 19 Jahre alt und das komplette Gegenteil. Er ist gefährlich, heiß begehrt und so gar nicht das, was Savannah erwartet hätte. Was wird dieser Junge mit dem unscheinbaren Mädc...