Anders wie ich erwartete, traf ich Will nicht in der kurzen Pause und ich erschrak mich selber, wie abhängig ich schon von ihm war. Um das nicht jedem beliebigen zu zeigen, begann ich dafür ein Gespräch mit meinem besten Freund. "Und, mit wem machst du den Vortrag?" sein Blick lag sofort auf mir und man sah direkt, dass er mit seinem Partner absolut nicht einverstanden war. "Reese Stone", er verdrehte die Augen. " Ich bin ja tolerant und so nh Scheiß, aber der Typ holt sich meiner Meinung nach zu viel aus der Nase. Jedem das sein, aber muss er sich das dann auch noch in den Mund stecken?" Wie Edwin schüttelte ich mich einmal und musste mir sogar das Würgen unterdrücken. Um seinen Partner beneidete ich ihn echt nicht.
"Und du?" nun sah er mich fragend an und ich zeigte auf sie, da sie gerade mit ihren Freundinnen an uns vorbei lief. "Uh, Hastings. Harter Brocken und scheiß Charakter, aber god damn, für ihre Haare würde ich töten!" ich musste über seine Ausdrucksweise nur schmunzeln, fragte mich aber auch direkt, was er mit dem schlechten Charakter meinte. Für meinen Teil, hoffte ich das er nur übertrieb und antwortete deshalb auch nicht darauf.
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Der Unterricht verlief nur schleppend und auch wenn ich wusste das es nichts brachte, so starrte ich trotzdem auf die Uhr. Selbst Unterrichtsfächer, welche mich sonst interessierten, waren nichts, was mich begeisterten und das konnte vielleicht daran liegen, dass sämtliche Lehrer heute einfach nur vorlasen. Und ich meine, nur weil man selbst gerne liest, waren tausende Information in schleppender Geschwindigkeit selbst für einen Dokumentationsfan, wie mich echt schwer zu ertragen. Aber tatsächlich vergingen auch die Stunden irgendwann und seufzend verließ ich dann schließlich den Klassenraum. Ich blieb nicht lange allein, da ich Will schon von weitem auf mich zulaufen sah.
Ich begann, wie von selbst zu grinsen und hätte mich dafür am liebsten geschlagen. Ich meine ich fand ja Liebesfilme schon meistens viel zu kitschig und jetzt lief ich hier, grinsend von einem Ohr zum anderen und das wegen eines Jungens. Was die Leute sich von mir dachten, wollte ich gar nicht wissen und das war auch eigentlich nicht das, woran ich zuerst dachte. Stattdessen versanken meine Gedanken ins Nichts, als ich in das helle Blau seiner Augen sah, welche mittlerweile direkt vor mir waren. Als er dann noch anfing zu grinsen, verlor ich vollends meine Beherrschung und drückte meinen Kopf an seine muskulöse Brust. Ich vernahm sein leichtes Lachen und wie dann seine Hand zu meinem Hinterkopf fuhren und wie seine Finger anfingen, sanft meinen Hinterkopf zu kraulen. "So schlimm?" fragte er, noch immer leise lachend und ich nickte nur.
Beim Hochblicken sah ich, dass er mich auffordernd anblickte und deswegen begann ich zu erzählen "Irgendwie wollten alle Lehrkräfte auch nicht und wirkten besser, als jede Schlaftablette. Dann muss ich noch mit einem mir fremden Mädchen einen Vortrag erstellen und ich weiß noch nicht worüber" Ich wusste, dass es natürlich nichts hochdramatisches war, wenn ich noch kein Thema hatte, aber ich war vermutlich viel zu übermotiviert. Dies bemerkte auch Will, da er anfänglich etwas spielerisch schmollte, vermutlich um mich aufzuziehen und dann ein über meinen Kopf wuschelte. Danach sah er mich wieder etwas ernster an und fragte mich "Welches Mädchen ist das denn?" verwirrt über diese komische Frage, zog ich meine Augenbrauen hoch und deutete dann wie bei Edwin auf das blonde Mädchen. Ich fand es schon irgendwie faszinierend, dass sie immer zum richtigen Zeitpunkt an mir vorbeizulaufen. Aber auch wie Edwin, schien Will nicht besonders begeistert davon zu sein und sah ihr tatsächlich sogar böse hinterher. Ich fragte mich, was es nur mit diesem Mädchen au sich hatte, dass sie von beiden so gehasst wurde. Sein Blick änderte sich aber sofort wieder, als er mich ansah und da waren schon alle Gedanken vergessen.
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Will hatte leider keine Zeit, noch bei mir zu bleiben und sagte, dass er noch etwas wichtiges zu tun hatte und brachte mich deswegen nur nach Hause. Natürlich war ich am Anfang etwas enttäuscht und überlegte natürlich auch, was er so machte, aber dann fiel mir wieder ein, dass wir gar nicht zusammen waren und ich mir nicht solche Gedanken machen sollte.
Jetzt auf jeden Fall saß ich in meinem Zimmer und überlegte, welches Ereignis wir nehmen sollten. Und als ich kurz davor war komplett auszurasten, klingelte es an der Tür. Ich sprang aufs Geländer um schneller unten zu sein, ignorierte den bösen Blick meiner Mutter und öffnete schwungvoll die Tür. "Hi!" sie lächelte mich an und sah dann an mir herunter. Obwohl ich nicht wusste wieso, fühlte ich mich dabei ein bisschen unwohl und ich hatte das Gefühl, dass sie das wusste. Während ich da in meiner Leggings und dem Pulli meines Vater stand, welcher mir locker bis zu den knien reichte, hatte sie sich fast aufgebrezelt und ich musste sagen, dass sie mit offenen Haaren und in zivil gekleidet sogar noch fast schöner war, als zuvor. Ich bat sie herein und weil meine Mutter mich zu einer guten Gastgeberin erzogen hatte auch gleich, ob sie etwas zu trinken haben wollte. Da sei verneinte, verschwanden wir sofort nach oben in mein Zimmer. Auch das musterte sie, meiner Meinung nach ein bisschen zu lange. Ich traute mich jedoch nicht, sie danach zu fragen und beließ es dabei.
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"Gut, dann unterstreichen wir noch das, das und das! Dann müssen wir dann aber auch beim Vortragen erwähnen" sie deutete auf die geschriebenen Texte, welche die gelbe Plakatwand zierten. Ich nickte nur. Wir hatten uns für das Ereignis der "Mayflower" entschieden und ich musste wirklich sagen, dass es sehr angenehm war, mit ihr zu arbeiten. Sie war fast genauso motiviert wie ich und zeigte auch deutlich, wie intelligent sie war. Jede Sache machten wir zusammen und wir beide waren mit dem Endergebnis zufrieden. Tatsächlich verstanden wir uns auch relativ gut, weswegen ich nicht verstand, was die anderen so von ihr dachten. Gut, wir redeten jetzt nicht wirklich über Privates, aber normalerweise sollte es auch keinen Grund geben, wieso ich etwas gegen sie hätte. Wir verteilten noch, wer was vortragen sollte und danach machte sie sich auch schon breit zum Gehen. Währen sie also ihre Sachen suchte, ging ich runter ins Wohnzimmer, weil ich dort mein Handy habe liegen lassen. Schon beim Ansehen des Sperrbildschirmes erkannte ich Nachrichten von Will und Edwin und beide schrieben ungefähr das Gleiche. Und zwar, ob sie sich benommen hätte. Ich schüttelte nur den Kopf.
Beim Aufblicken sah ich, dass sie in der Tür zur Küche stand und sich bei meinen Eltern verabschiedete. Jedoch tat sie das bei mir nur sehr flüchtig, beim Herausgehen. Ich fragte mich natürlich, was los war und kam dann schlussendlich auf den Gedanken, dass sie es einfach eilig hatte, weswegen ich nur mit den Schultern zuckte und selbst wieder in meinem Zimmer verschwand.
Dort hatte ich wieder Raum zum Nachdenken und weil ich wusste, dass ich all das Erlebte besser verarbeiten konnte, indem ich es aufschrieb, hob ich mein Kissen und griff wie von selbst nach dem kleinen Buch. Aber ganz anders wie sonst, griff ich ins Leere und ich stutzte. Normalerweise lag es immer dort und ich verstand nicht, warum es unter meinem Kissen leer war. Jeder normale Mensch wäre vermutlich sonst wie in Panik geraten, aber ich hatte schon sehr lange nichts darin geschrieben und hatte es das letzte mal vermutlich einfach wo anders hingelegt und nur vergessen wohin. Und obwohl das Aufschreiben meiner Gedanken und Gefühle mir sehr wichtig war, so zuckte ich auch da einfach mit den Schultern und begann, mit Will zu schreiben.
Hätte ich nur nachgedacht.
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With all my heart
Ficção AdolescenteSavannah, 17 Jahre alt und in Sachen Liebe noch völlig unerfahren. Will, 19 Jahre alt und das komplette Gegenteil. Er ist gefährlich, heiß begehrt und so gar nicht das, was Savannah erwartet hätte. Was wird dieser Junge mit dem unscheinbaren Mädc...
