Ich musste eingeschlafen sein.
Mein Körper musste immer noch fertig und verwundet sein.
Es dämmerte. Mir war kalt.
Irgendwo in mir sagte eine Stimme, ich sollte mich umdrehen und weiterschlafen.
Und irgendwie machte ich das auch.
Ich schlief einfach wieder ein und fiel in einen traumlosen Schlaf. Es war kalt und dunkel. Und es erinnerte mich an die letzten Tage im Keller.
Vielleicht träumte ich auch. Von Schlägen und Beleidigungen und vom Alleingelassenwerden.
Plötzlich spürte ich etwas Warmes und schreckte hoch.
"Gute Nacht, Jinx." Master Ramin strich über meinen Rücken. Seine Finger waren angenehm warm.
Irgendwie war noch alles verschwommen und das einzige, was ich wahrnahm waren seine Berührungen und seine Stimme.
"Jinx, sieh mich an."
Ich hob meinen Kopf. Mein Arm machte sich bemerkbar. Ich unterdrückte jeglichen Schmerzenslaut.
In Master Ramins Gesicht stand so etwas wie Sorge. "Du hast geweint?"
Geweint?
Ich tastete nach meinen Wangen. Sie waren nass.
Oh.
Er strich mir vorsichtig eine Strähne aus der Stirn. "Du hast wieder Albträume."
Ich versuchte den Kopf zu schütteln, aber sein Blick ließ mich innehalten.
"Du brauchst mich nicht anlügen. Ich sehe es." Er seufzte. "Ich kenne dich, Jinx. Besser als jeder andere." Er zog mich vorsichtig an sich.
Ein heißer Schauer lief meinen Rücken hinab. Es stimmte.
Ich spürte wie mir der Hals zuschnürte. Ich vermisste ihn.
"Jinx, seit wann sind sie wieder da? Die Albträume. Ich glaube nämlich" Seine Arme um mich verstärkten ihren Griff. Ganz leicht. Aber ich fühlte mich gleich besser. "Dein Schlafmangel lässt dich so ... böse werden." Er sah mir tief in die Augen.
Ich senkte den Blick. Und schwieg.
"Du bist gereizt und ungehorsam und kein Tag vergeht im Moment, an dem ich dich nicht bestrafen muss." Er seufzte. "Jinx, ich vermisse dich."
Jetzt sah ich ihn an. Und er schien es wirklich ernst zu meinen. "Master, ich ... ich verstehe nicht.", wisperte ich und sank gegen ihn.
Seine Hand strich über meinen verletzten Arm. Ganz vorsichtig und sanft. Als hätte er Angst mich noch mehr zu verletzten. "Du weißt, was ich meine. Und ich wünsche mir, du wirst wieder wie früher. Bevor das alles. Das hier ist nicht der Jinx, den ich liebe. Das ist ein ungehorsamer Jinx, der nach Bestrafung schreit."
"Master... ich", wollte ich protestierten.
"Siehst du. Ich weiß, du kannst lieb sein." Seine Augen suchten meine und hielten sie fest. "Und für deine Albträume lasse ich mir etwas einfallen. Das kriegen wir hin, okay?"
Ich nickte.
Master Ramin löste sich und stand auf.
Nein! Bitte nicht! Bitte!
"Master", flüsterte ich flehend. "Bitte."
Einen Augenblick lang war er unentschlossen. Dann strich er durch mein Haar, drückte mich zurück auf die Matratze und deckte mich zu. "Wenn du dich die nächsten Tage benimmst, kannst du wieder bei mir schlafen."
"Master, bitte.", hauchte ich und versuchte ihn so bittend anzusehen wie ich nur konnte. Es tat fast körperlich weh, dass er wieder ging.
Ich wollte das nicht. Ich brauchte das.
"Ich weiß, Jinx. Ich weiß, dass du viel Aufmerksamkeit und Zuwendung brauchst." Er küsste mich. Zärtlich. "Aber du musst lernen, dass wenn du dich nicht benimmst, es Konsequenzen hat. Ich möchte nicht, dass du wirst wie am Anfang. Vier Tage, okay? Dann darfst du bei mir schlafen."
Er lächelte. Aber er sah besorgt aus.
Dann ging er und löschte das Licht.
Ich blieb alleine zurück. Und konnte nicht mehr schlafen. Zu sehr fehlte seine beschützende, liebende Wärme.
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Master Ramin
Genç KurguMaster Ramin lebt mit seinen vier Jungs in Unsterblichkeit. Seit Jahrhunderten wohnen sie nun schon im Schloss in den Bergen. Bis eines Tages ein vierjähriger Junge vor der Tür sitzt. Einsam und verlassen. Sie nehmen ihn auf. Er wird größer und ä...
