Wir warteten. Fünf Minuten. Zehn. Zwanzig.
Dann sah Master Ramin mich an. Fragend. Die Augen halb zusammen gekniffen. Angespannt. "Wo ist, Tristan?" Seine Stimme war ganz ruhig. Wie die Ruhe vor dem Sturm. Einen heftigen, unvermeidlichen Sturm.
"Ich weiß es nicht." Ich senkte den Blick. Auf das mittlerweile kalte Essen.
"Jinx!" Seine Hand schnellte vor und griff meine. Drückte mein Handgelenk schmerzhaft zusammen. "Lüg mich nicht an."
"Ich weiß es wirklich nicht." Aber es klang wie eine Lüge. Und für Master Ramin klang es bestimmt erst Recht danach.
"Dann geh ihn suchen. Und wehe er ist in fünf Minuten nicht da."
Ich wusste nicht, ob die Drohung mir galt. Oder Tristan.
"Ja, Master." Ich machte mich so schnell wie möglich auf zu Tristans Zimmer.
Es sah aus wie immer. Wie bevor ich gegangen bin.
"Tristan?", fragte ich. Aber keine Antwort.
Ich suchte im Bad. In den anderen Zimmern. Überall. Aber ich fand Tristan nicht.
War er abgehauen?
Nein. Das konnte nicht sein. Das würde Tristan nicht tun.
Ich seufzte und fuhr mir durchs Haar. Ich wollte definitiv nicht zurück ins Esszimmer. Trotzdem hatte ich keine andere Wahl.
"Und?" Master Ramin stand auf und blieb vor mir stehen.
Ich schwieg und fuhr mir durch den Nacken. "Hm."
Seine Hand klatschte an meine Wange. Härter als wahrscheinlich beabsichtigt. Viel härter.
Ich zog scharf die Luft ein.
"Wo. Ist. Tristan." Master Ramin packte mein Kinn und drückte es schmerzhaft nach oben.
"Ich weiß es nicht, Master. Ich habe ihn nicht gefunden."
Er sah mir tief in die Augen. Musterte mich. Schwieg.
Eine Minute. Dann ließ er mich los. "Wir suchen ihn. Wir alle."
Die anderen nickten und machten sich sofort auf die Suche nach ihm.
Master Ramin hielt mich zurück. "Möchtest du mir irgendwas sagen?"
Ich schluckte. "Nein."
"Sicher?"
Ich nickte. "Ja. Ich ... Ich weiß ehrlich nicht, wo er sein könnte. Wir haben nur geredet."
Seine Augen verengten sich. Sein Griff um meinen Oberarm verstärkte sich. "Worüber?"
Ich schluckte erneut.
Scheiße.
Sollte ich die Wahrheit sagen? Dann würde er mich verprügeln. Und zurück in den Keller stecken. Ganz sicher.
"Worüber, Jinx." Es war nicht einmal mehr eine Frage.
Ich bekam eine Gänsehaut. "Er hat ..."
Eine zweite Ohrfeige. Mein Gesicht wurde taub. Ich schnappte nach Luft.
"Er vermisst seine Eltern."
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Master Ramin
Novela JuvenilMaster Ramin lebt mit seinen vier Jungs in Unsterblichkeit. Seit Jahrhunderten wohnen sie nun schon im Schloss in den Bergen. Bis eines Tages ein vierjähriger Junge vor der Tür sitzt. Einsam und verlassen. Sie nehmen ihn auf. Er wird größer und ä...
