Tristan war wie vom Erdboden verschwunden. Als hätte es ihn nie gegeben. Aber er konnte doch nicht abgehauen sein. All seine Sachen waren noch da. Niemand rannte ohne seine Sachen davon. Oder?
Das Abendessen fiel aus. Wir suchten immer noch.
Mein Magen drehte sich um. Er musste wieder auftauchen. Er musste.
Obwohl es doch genau das war, was ich mir gewünscht hatte. Aber jetzt nicht mehr. Jetzt wollte ich einfach, dass er wieder da.
Master Ramin warf mir jedes Mal einen gefährlichen Blick zu, wenn er mich sah.
Ich hatte Angst vor ihm. Und es gab keinen Weg ihn davon zu überzeugen, dass ich nicht wusste, wo Tristan warm.
Klar. Es war meine Schuld. Irgendwie. Er war weggerannt. Vor mir. Wegen mir.
Um Mitternacht packte mich Master Ramin. Er schwieg. Seine Hand krallte sich schmerzhaft in mein Haar.
"Mast-"
"Sei still.", fuhr er mich an. Seine Hand krallte sich so fest in meine Kopfhaut, dass ich schwören konnte, es blutete.
Und ich fragte mich, wie viel er wirklich wusste.
Master Ramin zerrte mich mit sich. So wütend hatte ich ihn noch nie gesehen. Und ich wusste es besser, als mich zu wehren.
Erst als ich die Kellertür sah, versteifte sich mein Körper und meine Füße stemmten sich gegen den Boden. Ganz automatisch. Panik kroch in mir hoch.
"Nicht!", rief ich. "Bitte!"
Master Ramin blieb stehen, griff meinen gebrochenen Arm und sah mich an. "Ein Wort und ich breche ihn dir nochmal."
Ich schluckte. Aber ich konnte nicht zurück in den Keller. Ich konnte nicht!
"Master, bitte. Lass es mich erklären.", flehte ich. Meine Stimme brach. Ich spürte, wie mir Tränen in die Augen tragen.
Master Ramin legte den Kopf schief. "Erklären? Was denn?"
Ich biss mir auf die Lippe. Heftig. Ich schmeckte Blut. "Wir haben ... Ich habe blöde Sachen gesagt. Aber ich weiß wirklich nicht, wo er ist."
"Blöde Sachen? Was denn?" Seine Finger bohrten sich in meinen Arm.
Ich gab unter dem Schmerz nach. Sank auf die Knie. Wimmerte. "Dass ... Dass ... Dass"
Ohrfeige.
Ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. "Dass ich ihn hasse. Und wütend auf ihn bin. Und er dich mir weggenommen hat. Aber"
"Es reicht." Seine Stimme war eiskalt und schnitt durch mich hindurch. Er zerrte mich hinter sich her.
Ich flehte ihn an, aber er ignorierte mich. Auch meine Schmerzensschreie, als er meinen Arm mit zwei geschickten Bewegungen brach. Meinen Zusammenbruch. Meinen vollkommenen, nervlichen Zusammenbruch, als er die Tür öffnete.
Ich schrie und wehrte mich. Panik lähmte mich. Und gleichzeitig konnte ich nicht aufhören um mich zu schlagen. Zu treten. Ich weinte. Angst schnürte mir die Kehle zu. Alles war nebelig. Ich konnte nichts mehr sehen. Mein Atem raste. Ich war kurz vorm Kollabieren.
Plötzlich ließ Master Ramin mich los. Ich schlug heftig auf den Boden auf. Meine Beine hielten mich nicht mehr. Ich rollte mich schluchzend zusammen.
Aber er ignorierte mich. Er sagte eine Weile gar nichts. Und dann auf einmal: "Tristan? Was machst du hier?"
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Master Ramin
Teen FictionMaster Ramin lebt mit seinen vier Jungs in Unsterblichkeit. Seit Jahrhunderten wohnen sie nun schon im Schloss in den Bergen. Bis eines Tages ein vierjähriger Junge vor der Tür sitzt. Einsam und verlassen. Sie nehmen ihn auf. Er wird größer und ä...
