S u l l i v a n

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Ich joggte auf der Stelle, während mein Blick durch die Gegend streifte, nur um wieder auf Harry zu landen. Sie stand vor mir und band sich ihre Haare neu zusammen. Dass dabei ein paar ihrer honigfarbenen Strähnen nach vorne herausfielen, ließ mich schmunzeln.

Buttons stand neben ihr und blickte mit müden Augen zu ihr hinauf. So völlig ohne Tatendrang hatte ich ihn noch nie gesehen.

»Wir können los«, meldete Harry und setzte sich keine Sekunden später in Bewegung. Ich folgte überrumpelt und schloss wieder zu ihr auf, während Buttons im gemütlichen Trab hinterher trottete.

Zu meinem Entsetzen war ich bereits nach kurzer Zeit aus der Puste und wir mussten eine Gehpause einlegen. Harry neben mir wirkte nicht einmal richtig aufgewärmt.

»Gott, wie schaffst du das nur?«, prustete ich völlig außer Atem und hielt mir die Seite.

Harry lachte. »Ich geh seit über einem Jahr fast jeden Tag laufen, Sully. Du kannst mich nicht als Maßstab sehen.«

Oh, ich sah sie ganz und gar nicht als Maßstab. Höchstens als Maßstab für meine perfekte zukünftige Frau.

Ich schüttelte nach diesem Gedanken so heftig den Kopf, dass mir für einen kurzen Moment schwindelig wurde.

»Außerdem ist es nicht unbedingt die Kondition, die man beim Eishockey trainiert«, fügte sie hinzu und ich pflichtete ihr mit einem Nicken bei. Beim Eishockey war es nicht wichtig lange durchzuhalten. Vielmehr lag das Augenmerk auf Kraft und Schnelligkeit, Sprints, von null auf hundert und damit den Puls so schnell wie möglich hoch und wieder runter zu bekommen, um die Pausen auf der Bank zum Durchatmen überhaupt nutzen zu können.

»Warum machen wir das hier noch mal?«, fragte ich Harry und schenkte ihr ein gequältes Lächeln.

»Weil das Laufen den Körper fit hält. So wird das Blut mal wieder richtig durchgepumpt und dein Kreislauf kommt in Schwung.«

Ich warf ihr einen skeptischen Blick von der Seite zu. Mein Kreislauf kam auch in Schwung, wenn ich von meinem Bett aufstand, um mir in der Küche Frühstück zu holen.

»Wir können auch Sprints einlegen, wenn dir das besser gefällt«, schlug sie vor und sofort hellte sich meine Miene etwas auf. Ich hatte nichts gegen das Laufen, vor der Handverletzung hatte ich es schließlich auch drei Mal in der Woche getan. Nicht mit dem Ziel meine Kondition zu verbessern, sondern um meinen Körper fit zu halten. Gewichte stemmen war zudem nicht unbedingt die aufregendste Weise seinen Körper zu trainieren.

»Sprints hören sich super an.« Ich grinste sie an und setzte mich voller neuer Tatendrang gleich wieder in Bewegung. Zu joggen schaffte den Kopf frei, doch zu sprinten... versetzte dich für zwanzig Sekunden in eine völlig andere Welt.

Harry schloss wieder zu mir auf. »Gut, dann lass noch bis da vorne zur Ecke und dann sprinten wir bis zu der großen Eiche.« Fragend zog ich eine meiner Augenbrauen nach oben. Welche Eiche? »Du wirst sie erkennen«, versicherte mir Harry. Da war ich mir nicht so sicher.

Harry schien meine anhaltende Skepsis wohl auch nicht zu entgehen. »Guck einfach wo ich stoppe und dan–«

»Wer sagt«, ich unterbrach mich, um Luft zu holen. »dass du vor mir bist?«, warf ich schweratmend in den Raum und grinste sie frech von der Seite an. Sie zog eine ihrer Augenbrauen nach oben und musterte mich skeptisch.

»Du hast eine ganz schön große Klappe, Sally

Und damit war der Ehrgeiz in mir erwacht. Wir kamen an der Ecke an und ich raste los. Der Wind pfiff mir um die Ohren, trieb mir die Tränen in die Augen und ließ meine Lunge sich zusammenziehen. Mein Atem rasselte, in meinen Ohren rauschte es, doch all das spielte keine Rolle. Der Boden schoss unter mir lang, die Bäume verschwammen um mich herum und mein Blick hatte sich fest auf das Ende des Wegs festgetackert. Die große Eiche stand am Waldrand. Sie war der letzte Baum, bevor der Wald den Feldern wich.

Greatest PretendersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt