H a r p e r

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Dienstag hatten Sully und ich beide früh aus und deswegen beschloss ich ihn endlich mit zu Quentin zu nehmen. Nicht nur weil ich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr bei ihm gewesen war, sondern vor allem, um Sully noch tiefer in die Welt der Comics eintauchen zu lassen.

»Hier musst du links«, meinte ich und zeigte zur Seite. Sully grinste.

»Ich weiß, Harry. Ich bin in dieser Stadt auch aufgewachsen.« Er sah mich an und ich kräuselte die Stirn. »Ich bin mit Sicherheit schon hundert Mal an dem Laden vorbeigekommen.« Er legte mir seine Hand auf den Oberschenkel und drückte beruhigend zu. Ich atmete tief durch.

Er hatte ja Recht. Ich war nur fürchterlich aufgeregt. Der Comicbuchladen bedeutete mir alles, er war wie ein zweites Zuhause. Und Sully dorthin mitzunehmen war irgendwie bedeutsam.

Sully parkte in einer der Parklücken am Straßenrand und stellte den Motor ab.

»Angekommen.« Er grinste breit und ich konnte nur amüsiert den Kopf schütteln.

Ich stieg aus und wartete auf Sully bis er sich mit seinen Krücken aus dem Wagen gehievt hatte. Mir gefiel der Gedanke überhaupt nicht, dass er wieder selbst fuhr. Aber er wollte sich nicht länger in seinem eigenen Auto rumkutschieren lassen und das konnte ich ihm nicht verübeln. Ich würde es auch hassen. Zudem schien sein Knie laut des Arztes sehr gut abzuheilen. Er brauchte inzwischen nur noch eine Krücke.

»Danke«, meinte Sully und drückte mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange, als ich die Fahrertür für ihn schloss. Ich lächelte und nahm ihm den Schlüssel ab, um den Wagen abzuschließen.

Sully war mit der Krücke inzwischen beinahe verwachsen. Er kam mit ihr beinah so schnell voran wie jemand mit gesundem Knie.

Er humpelte neben mir den Gehweg entlang bis wir die Ladentür erreichten. Ich stieß sie auf und sofort ertönte das kleine Glöckchen zu unseren Köpfen. Mein Herz ging auf.

Ich hielt die Tür auf bis auch Sully hindurchgetreten war. Während ich bereits begeistert den Duft von alten Comicbüchern inhalierte, schaute Sully sich staunend um.

»Das ist ja so als würdest du dreißig Jahre zurückreisen«, murmelte er und entlockte mir ein Lachen. Genau das liebte ich ja so an dem Laden. Man fühlte sich in eine andere Welt, in eine andere Zeit versetzt. Der Rest der Stadt spielte keine Rolle, wenn man hier drin war.

»Hallo?«, ertönte es hinter den Regalen. Ich erkannte Quentins Stimme sofort.

»Hi, Quentin«, entgegnete ich und schlängelte mich die Gänge bis zum Tresen entlang.

»Harper!«, rief er begeistert und kam hinter der Theke hervor, um mich kräftig in den Arm zu nehmen. »Schön dich wiederzusehen.«

»Ich hab jemanden mitgebracht«, erklärte ich sofort und keine drei Sekunden später erschien Sully bereits hinter mir.

»Ach, sieh einer an.« Quentin grinste von einem Ohr zum anderen und ich wollte mir gar nicht vorstellen was gerade in seinem Kopf abging.

»Vielleicht sollte ich dich als Kundenanwerberin einstellen«, scherzte Quentin. Ich schüttelte grinsend den Kopf und sah wieder zu Sully, der sich noch immer mit großen Augen umsah.

»Der Laden ist der Hammer.«

Ich lachte und Quentin stieg mit ein. Vielleicht sollte ich das Jobangebot doch in Betracht ziehen.

Sully und ich blieben eine ganze Weile in dem Laden. Ich zeigte ihm meine liebsten Ecken und meine geheimen Empfehlungen. Quentin holte uns dann noch zwei Kisten mit besonders teuren Exemplaren. Sully war umgehauen von den Preisen, die man für diese dünnen Hefte bekommen konnte. Und als ihm erzählte, dass sich eins davon für dreihundert Pfund Zuhause in meinem Zimmer befand, wurden seine Augen noch größer.

Greatest PretendersGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt