Das Telefonat mit Cooper und seinem verkniffenen Sohn dauert länger als ich dachte, doch letzten Endes sind sie begeistert von meinem Vorschlag über den Hutmacher und die Grinsekatze. Als ich Peters Büro verlasse, sehe ich, dass die meisten Kollegen schon gegangen sind und auch Maddies Büro ist dunkel. Mist!
Auf dem Weg zur U-Bahn schreibe ich Maddie eine Nachricht.
Maddie
Hey Liebes, hast
du zufällig die Nummer
von Phil Wooding
bei dir eingespeichert?
Natürlich. Wieso?
Willst du ihn jetzt doch
um ein Date bitten? ;)
Sofort werden meine Wangen rot und ich schüttele verwirrt meinen Kopf.
Er hat mir heute die Vorlage
für die Idee für den zweiten
Cooper-Pitch geliefert
und ich wollte mich nur bei
ihm bedanken.
Kannst du das nicht morgen
auch machen?
Wenn du die Nummer nicht
rausrücken willst, kannst du
das auch einfach sagen.
Alles gut. Ich schick dir den
Kontakt.
Danke, Maddie.
Ungeduldig starre ich auf mein Display und kurz darauf piept es auch mit der Nachricht, dass Maddie mir Kontaktdaten zukommen lassen hat. Ich speichere seine Nummer ein und tippe mit zittrigen Fingern eine Nachricht.
Philipp
Hey Philipp, hier
ist Ricardo. Ich wollte
nur sagen, dass die Idee
mit dem Hutmacher und
der Grinsekatze begeistert
angenommen wurde. Also
danke für die Inspiration.
Nervös warte ich auf eine Antwort, doch bis zu meiner Haltestelle habe ich keine. Seufzend steige ich aus und stecke mein Handy in meine Jackentasche, doch als ich meine Hand herausziehen will, spüre ich es vibrieren. Ich reiße das Gerät schon fast heraus und mein Herz macht einen kleinen Hüpfer, als ich sehe, dass ich eine Nachricht von Philipp habe.
Philipp
Hallo Ricardo. Das
freut mich sehr. Woher
hast du meine Nummer?
Ich habe Maddie danach gefragt,
denn sie hat deine Visitenkarte
in Area 51 versteckt.
Du hast Maddie nach meiner
Nummer gefragt?
Ja. Ist das schlimm?
Nein. Ich bin nur
überrascht.
Ich kann sie auch wieder
löschen, wenn es dir nicht
recht ist.
Jetzt werd nicht albern,
Ricardo. Ich hab dich
heute praktisch nach
einem Date gefragt und
jetzt soll ich sauer sein,
dass du dich nach meiner
Nummer erkundigst?
Und auch das ignorierst
du bitte. Tut mir leid,
ich weiß nicht mal, ob
du auf Männer stehst.
Tu ich.
Gerade will ich noch etwas antworten, als mein Telefon in meiner Hand zu klingeln beginnt und ich es fast fallen lasse.
„Hey," antworte ich atemlos und versuche, möglichst normal zu klingen, obwohl mein Herz ganz schnell schlägt.
„Na?" höre ich Deans vertraute Stimme. „Ich wollte zumindest mal hören, wie es dir geht, wenn ich dich schon nicht sehen kann."
„Ganz gut," antworte ich. „Den zweiten Cooper-Auftrag bekommen wir wohl auch."
„Das klingt doch super, erzählst du es mir morgen früh?" Dean klingt abgehetzt. „Ich muss leider schon wieder-"
„Alles gut, das kann ich dir auch ein anderes Mal erzählen," stimme ich zu.
„Bis später," haucht er noch ins Telefon, dann ist die Verbindung beendet.
Der Chat mit Philipp erscheint wieder auf meinem Display und ich überlege kurz, was ich ihm noch schreiben soll. An seinem Status erkenne ich allerdings, dass er nicht mehr online ist und beschließe, ihn für heute in Ruhe zu lassen.
•••
„Hat der Nudelauflauf eigentlich geschmeckt?" fragt Dean mich am nächsten Morgen, als ich mir gerade mein Hemd anziehe.
„War super," sage ich und betrachte sein noch im Bett liegendes Spiegelbild. „Wieso bist du schon wach?"
Er wälzt sich aus dem Bett und streckt sich ausgiebig. Ich sehe wieder auf mein Hemd und suche nach Falten.
„Ich bin mit Amy auf dem Großmarkt verabredet," verkündet er und kommt zu mir, um mich von hinten zu umarmen.
Blitzschnell weiche ich aus und schaue ihn grimmig an. „Nicht zerknittern, das habe ich gerade gebügelt!" meckere ich.
„Wow," macht er lachend und hebt entschuldigend die Hände. „Entschuldige."
„Ich hab heute ein Meeting," erkläre ich etwas sanfter.
„Und da willst du jemanden aufreißen oder warum siehst du so gut aus?" schmeichelt er und ich werde rot.
„Sehe ich sonst etwa nicht gut aus?" stichele ich und Dean zwinkert mir zu.
„Immer," wendet er ein. „Aber heute eben noch besser als sonst. Bin ich froh, dass ich dich zumindest heute ein bisschen länger ansehen darf."
Damit verschwindet er im Badezimmer, während ich versuche, meine Haare in Form zu bringen.
•••
Als ich meine Jacke anziehe, kommt Dean mir eilig hinterhergelaufen. „Was ist jetzt?" frage ich verwirrt.
„Na, ich komme mit," erklärt er.
„Wohin?"
„Zur U-Bahn. Großmarkt, hab ich doch gesagt."
„Oh, okay," mache ich und halte ihm die Tür auf.
„Bloß nicht zu viel freuen, Mr. Cook," grinst er und drückt mir einen Kuss auf die Wange.
In der U-Bahn bekommen wir keine Sitzplätze und so drängt Dean sich dicht neben mich an die gegenüberliegende Tür. „Wow," sagt er. „Dass du das jeden Morgen aushältst."
„Es ist nicht immer so voll," murmele ich und starre auf die Tür des Wagens. „Was wollt ihr denn auf dem Großmarkt?"
„Oh, wir brauchen noch einige Sachen für das Probeessen heute," faselt er los. Nur vage bekomme ich mit, dass er über die neue Frühlingskarte redet und dann hält der Zug bereits an Philipps Haltestelle. Schon von Weitem erkenne ich Elfenbein und Wuschelhaare und mein Herzschlag beschleunigt sich.
Allerdings hat er eine Tür zu spät erwischt und sieht nun suchend über die moosgrüne-stahlgraue Masse hinweg. Als der Zug bereits wieder fährt, treffen sich unsere Blicke und seine Farbe ändert sich augenblicklich in ein Sonnengelb mit lavendelfarbenen Sprenkeln. Ich lächele ihm zu und blende Deans Gerede vollkommen aus.
Philipp schaut entschuldigend auf die ganzen Menschen zwischen uns und ich zucke verständnisvoll mit den Schultern. Er lässt mich keine Sekunde aus den Augen und ich bekomme erst spät mit, dass Dean mich anspricht.
„Ich muss jetzt raus," erklärt er und ich sehe widerwillig von Philipp zu ihm.
„Okay, viel Erfolg," sage ich und lächele.
„Dir auch," flüstert Dean und streichelt meine Wange. „Bis heute Abend." Er küsst sanft meine Lippen und drückt sich dann zwischen den Menschen zum Ausgang hindurch.
Mit vor Schreck geweiteten Augen sehe ich zu der anderen Tür, wo bis eben noch Philipp stand, doch die Wuschelhaare sind nicht länger zu sehen.
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Farbenspiel | ✓
RomanceRicardo Cook hat eine besondere Gabe: er kann recht passabel zeichnen und er kann die Farben anderer Menschen sehen. Doch nicht alle Menschen haben die gleichen Farben und manche sind ein wahrer Regenbogen. ------------ ❝ Verzweifelt suche ich in me...
