"Wie fühlst du dich, Tae?", fragte ich sanft, während ich mich neben ihn ans Bett setzte und ihn dabei beobachtete, wie er den Rücken seines Sohnes streichelte. Warm lächelnd beobachtete ich ihn dabei. "Unglaublich glücklich!" Seine Worte wurden mit seinem schönsten Lächeln bestätigt.
Zuerst verwunderten mich seine Worte, weil wieso sollte er glücklich sein? Er lag doch gerade im Sterben..
Doch als ich im nächsten Augenblick erkennen konnte, wie liebevoll und tatsächlich glücklich er seinen Sohn musterte und ihm sogar schwach einen Kuss auf die Stirn hauchte, wusste ich sofort wie er es meinte.
Er ist unglaublich glücklich, seinen Sohn noch kennengelernt zu haben, beziehungsweise noch mit ihm Zeit verbringen zu können. Sein scheinbar letzter Wunsch ist tatsächlich noch in Erfüllung gegangen. Das machte mich auch glücklich, jedoch mit einem bitteren Nachgeschmack.
"Danke Kookie..! Ich bin dir so unglaublich dankbar für alles. Einfach alles.", fing er plötzlich an, sentimental zu werden, währenddessen er weiterhin die Pupillen auf das schlafende Baby gerichtet hatte. "Für all die Jahre, die du an meiner Seite warst. Vielleicht sterbe ich jung, ja vielleicht liegt mein ganzes Leben noch vor mir, aber ich habe wundervolle Freunde an meiner Seite, die jeder Zeit für mich da waren und mir zuhörten, wenn ich wieder mal nicht wusste, ob die Socken farblich zu meinen Haaren passten. Ich habe den wunderschönsten Mann aller Zeiten kennengelernt, durfte lernen, was es bedeutet verliebt zu sein und diese Liebe täglich spüren. Ich durfte heiraten und bin schließlich sogar noch Vater geworden und konnte meinen Sohn kennenlernen."
Die Worte sprach er ohne Pause, ohne ein Stottern, weder noch ein Zittern in der Stimme war zu hören. Er strahlte über beide Ohren und wieder fragte ich mich, ob er tatsächlich eine tödliche Krankheit hatte.
"Mein Leben war toll. Ich kann mich nicht beschweren. Ja, ich würde viel lieber noch länger bei dir und meinem Sohn bleiben, um die Welt reisen und einfach das Leben genießen. Nur war dies nun mal nicht für mich bestimmt und es ist okay. Weißt du wieso, Jungkook?"
Ich schüttelte den Kopf. Ich kämpfte hart gegen mich selbst an, nicht in Tränen auszubrechen. Taes Worte schmerzten so sehr. Wieso sagte er das plötzlich?
"Weil du an meiner Seite warst."
Das reichte mir endgültig.
"T..tae..", schluchzte ich laut und umklammerte seine warme Hand. Wie lange sie noch so warm sein wird? Wie lange noch so viel Leben in ihr stecken würde?
Wie lange er überhaupt noch hat..?
"Baby, ich sage dir das jetzt, weil ich nicht weiß wie es morgen mit mir aussehen wird. Ich möchte, dass du weißt, dass ich dich über alles liebe. Du bist meine Kraft, die ich zum Leben brauche. Wegen dir habe ich erst so lange gekämpft. Ich liebe dich so unglaublich.. Bitte weine nicht, mein Schatz, mein Baby.", hauchte er zum Ende leise, drückte schwach meine Hand und zog mich näher an sich, sodass unsere Nasenspitzen sich berührten.
Mit verweinten Augen sah ich in sein dunkles Braun, das noch immer so voller Leben funkelte.
Wie lange noch, ist die Frage..
"Jungkook, wenn ich nicht mehr da sein sollte, bitte trauere nicht zu lange. Kümmere dich um Myeong und vergesse dich nicht dabei. Bitte verliere dein wunderschönes Lächeln nicht. Ich bin immer bei dir und werde es für immer sein. Du wirst es nur nicht sehen und nicht spüren können, aber ich werde weiterhin die Nächte an deiner Seite schlafen und meinen Arm um dich gelegt haben, wie du es von mir gewohnt bist."
Er redete und redete. Alles was dem älteren am Herzen lag, sprach er aus. Seine Worte waren so unfassbar sanft. Es machte mich fertig. Wie konnte er einfach von mir verlangen, weiterzuleben ohne ihn? Er hatte doch keine Ahnung..
Ich brachte kein einziges Wort über die Lippen. Ich konnte ihm nicht antworten. Es würde nur in einer einzigen Heulattacke enden. Ich hatte ja jetzt schon die Augen zusammengekniefen, sodass ich nicht in seine Augen blicken musste. Es war wie Folter für mich. So unerträglich.
"Sie mich an, Baby.", forderte er auf, aber ich schüttelte den Kopf. Tu mir das nicht an, Tae..
"Baby..", hauchte er sanft, spürte plötzlich seinen heißen Atem an meinen Lippen, weshalb ich nun doch gucken musste. Er war mir ganz nah, unsere Lippen berührten sich fast.
"Werde bitte glücklich. Falle nicht in die Einsamkeit sondern kümmere dich um unseren Sohn und suche dir jemand neues der dich so liebt, wie du bist. Mit dem du zusammen alt werden kannst und dich nicht so früh verlässt. Ich bitte dich darum, Jungkook." Das gab mir nun endgültig den Rest, ich schluchzte laut auf und weinte unfassbar stark. Mein Herz zerriss sich in tausend Teile. Es hatte nun aufgehört, zu schlagen.
"Lebe, Jungkook. Bitte lebe, tue es für mich.", hauchte er gegen meine Lippen und platzierte seine ganz vorsichtig auf meine.
Ein unglaublicher Kuss entstand. Nicht einmal auf unserer Hochzeit küssten wir uns so gefühlvoll wie heute. Langsam in einem unbeschreiblichem Rhythmus bewegten sich unsere Lippen aufeinander, während meine salzigen Tränen sich zwischen ihnen drängten.
Ich krallte mich an den Älteren und steckte meine ganze Liebe in den Kuss. Tae sollte merken, wie sehr ich ihn doch brauchte. Er war meine Luft, die ich zum Atmen brauchte. Er war der, der mein Herz erst zum Schlagen brachte. Ohne ihn bin ich eine leere Hülle, die von außen zwar lebte, von ihnen aber gestorben war.
Langsam lösten wir uns, er musterte mich lächelnd und wischte meine Tränen weg. Jedoch brachte das nicht viel, da sich sofort neue anbahnten.
"Eine kleine Bitte hätte ich noch, Baby." Was denn noch? War das denn nicht schon genug? "Alles was du möchtest, Tae..", ich zwang mich zu einem kleinen Lächeln.
"Du weißt ja, ich möchte verbrannt werden. Ich möchte, dass meine Urne zur Hälfte schwarz und zur Hälfte weiß ist - wie Yin und Yang. Du bist die weiße Hälfte und ich die schwarze. Sie gehören zusammen, sind für immer vereint, sowie du und ich, Kookie. Auch wenn ich nicht mehr für dich sichtbar sein werde."
Das war einfach alles zu viel für mich. Es machte mich so kaputt und trotzdem werde ich ihn diesen Wunsch erfüllen und sagte deshalb mit zusammengebissenen Zähnen: "Alles was du willst, mein Tae.."
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𝐈𝐍 𝐓𝐇𝐄 𝐄𝐍𝐃 • ᵗᵃᵉᵏᵒᵒᵏ
FanfictionEine schwierige Zeit bricht in dem Haus des Paars ein. Taehyung geht es über Wochen hinweg schlechter, verliert Appetit und Ausdauer. Er und sein Mann Jungkook gehen zum Arzt, um ihn untersuchen zu lassen und dann die Diagnose. Kim Taehyung leidet...
