Auf der Suche nach Geld durchwühlte Victor das Handschuhfach des Autos. Mit Sicherheit bewahrte sein Vater überall ein paar Scheinchen auf, für Notfälle. Oder erledigte er alles mit Kreditkarte? Sein Portemonnaie hatte er mitgenommen, um Gale von Jolie abzukaufen, also befand sich das leider nicht im Auto.
»Schau mal hinter den Sonnenblenden nach«, schlug Gale vor und fuhr auf den Parkplatz des Schnellrestaurants.
»Ja Moment.« Victor zog ein Handbuch aus dem Handschuhfach und eine Sonnenbrille. Außerdem kamen Handschuhe zum Vorschein. Wie passend. Vic erlebte zum ersten Mal, dass jemand welche in dem Fach aufbewahrte, das nach ihnen benannt war. Er griff erneut hinein und zog eine orangefarbene Dose heraus. Sie ähnelte der, die er im Krankenhaus bekommen hatte. In seiner befanden sich die Medikamente gegen das Schwindelgefühl. Aber wofür war diese hier?
Victor warf einen Blick aufs Etikett. Quetiapin? Noch nie gehört. Er griff noch einmal ins Handschuhfach und zog einen kleinen Beutel mit Reißverschluss hervor. Dieser war ebenfalls beschriftet. Für Polizeikontrollen. Als Vic ihn öffnete, kamen tatsächlich Geldscheine zum Vorschein. Er lachte erleichtert. Davon würde er zwei riesige Burgermenüs kaufen.
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Im Endeffekt haben sie vier Menüs bestellt. Gale schaufelte Pommes in seinen Mund und seufzte genussvoll, als würde er in seinem Leben zum ersten Mal welche essen. »Ich schwöre, ich esse bis ich platze!«
»Nur zu.« Victor schob ihm ein paar seiner eigenen Pommes näher und lächelte. In naher Zukunft musste Gale sich eh nicht verwandeln, also konnte er seinem Körper die Nährstoffe ruhig gönnen. »Hat Jolie euch nicht versorgt?« Er dachte an den schlechten Zustand, in welchem sich Gale damals befunden hat. Mit gebrochenen Rippen und abgemergeltem Körper.
»Genug von ihr«, schmatzte Gale und trank einen Schluck. »Wieso warst du mit deinem Vater dort?«
Ja, wieso eigentlich? Victor zuckte mit den Schultern. »Er stand vor dem Krankenhaus.« Sollte er ihm alles erzählen? Unter dem Tisch bewegte er die Zehen, mittlerweile kribbelten sie nur noch und waren nicht mehr taub. Das schürte Hoffnung in ihm. Aber der Schwindel überkam ihn regelmäßig und das war für seine Zukunftspläne ebenso hinderlich. Wohl oder übel musste er sich von seiner Ballettkarriere verabschieden. Er seufzte. »Ich dachte, er will mich entführen, aber dann ist er zu Jolies Haus gefahren.«
»Was für ein Glück.« Gale wickelte seinen zweiten Burger aus der Verpackung. Weil es keine vegane Variante gab, hatte er sich einen Hamburger ohne Fleisch bestellt und belegte ihn mit Pommes, für den Geschmack. Er biss hinein und ein zufriedenes Lächeln trieb Grübchen in seine Wangen.
»Aber ehrlich gesagt mache ich mir Sorgen, weil er dich gesehen hat. Also, deine Verwandlung. Was, wenn Jolie ihm von der Magie erzählt?«
»Ich glaube nicht, dass sie ihr Wissen freiwillig teilt.« Gale schluckte. »Das würde einen Konkurrenten erzeugen und sie müsste die Vögel teilen.«
»Was sie sowieso schon tut«, stellte Victor fest und dachte an den Jungen, der in ihrem Haus im Koma lag. Zumindest kam es ihm plausibel vor, dass es so war. Warum sonst befanden sich so viele Gerätschaften an seinem Körper? »Hat Jolie einen Sohn?«
»Was weiß ich denn?« Darüber schien Gale nicht reden zu wollen. Wahrscheinlich wollte er nicht die Beweggründe erfahren, aus denen seine Spezies ausgerottet wurde. Er versank kurz in seinen Gedanken, dann nahm er Blickkontakt zu Victor auf. »Was hältst du davon, wenn wir nach Hollywood fahren? Dort gibt es sicher Chirurgen, die mein Bein abnehmen, ohne lästige Fragen zu stellen.«
Der Themenwechsel flipperte durch Victors Kopf und löste eine Fehlfunktion im Denken aus. »Du lässt dein Bein nicht abnehmen.«
Gale zog die Nase kraus. Mit verschränkten Armen lehnte er sich zurück. »Würdest du es tun? Also ... Wenn ich Vogel bin natürlich. Du könntest es mit einem Saitenschneider abschneiden.«
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Mitternachtsgesang
FantasyAls seine Mutter stirbt, muss Victor zu seinem Vater nach Amerika ziehen. In der Villa des weltbekannten Aufreißer-Milliardärs wird der Teenager mit Homophobie und Anzüglichkeiten konfrontiert. Weil er mit diesem Lebensstil nichts anfangen kann, ve...
