»Wie, er hat mein Zimmer durchsucht?« Victor knetete seine Hände. »Hat er etwas gefunden?«
»Er hat plötzlich aufgehört zu suchen, als Alexander rein kam.« Gale biss sich auf die Unterlippe. »Dann ist er gegangen und kurz danach kamst du.« Er tippte gegen den Schlüssel. »Glaube mir, das hier ist eine sinnvolle Anschaffung.«
Victors Magen verkrampfte. Er presste die Hand auf den Bauch. »Heute ist mein Dad irgendwie komisch.«
»Nur heute?« Gale zog die Augenbrauen hoch. Er marschierte zur Fensterbank, nahm die Tasse auf und füllte sie im Bad mit Wasser, um seinen Schlafbaum zu gießen. Er zupfte ein paar Blätter ab und entsorgte sie im Papierkorb. »Ich glaube, er hat irgendetwas mit dir vor. Er hat mit jemandem telefoniert und gesagt, dass du ihm krank vorkommst.«
»Krank?« Victor zupfte am Saum seines Shirts. Deshalb die Arzttermine? »Was für eine Krankheit soll ich denn haben?«
Gale zuckte mit den Schultern. »Ich habe nur einen Bruchteil mitbekommen.« Seufzend ließ er sich neben Victor auf die Bettkante fallen. »Vielleicht sollten wir uns doch darum bemühen, dich früher hier raus zu bekommen.«
»Wir?« Victor lächelte schief. Er musterte Gale von der Seite. Im Licht der einfallenden Mittagssonne schimmerten seine Haare besonders rot. Er streckte die Hand aus, um eine der geschwungenen Strähnen zu berühren. Das seidige Haar glitt über seine Fingerkuppen. »Du machst dir Sorgen um mich?«
»Natürlich.« Gales Blick ließ keinen Zweifel an seiner Aussage. »Ich habe keine Ahnung wozu dein Vater imstande ist.« Er rückte näher an Victors Seite und lehnte sich gegen seine Schulter. »Ich hätte ahnen müssen, dass er noch einmal reinplatzt. Verdammt, warum hat er mich gesehen?«
»Er hat Yoru gesehen.« Victor legte seinen Arm um Gale und strich mit den Fingern über seinen Rücken. Ein Kribbeln fuhr durch seine Hand. »Gary Swimwater hat er heute Morgen verabschiedet.« Er grinste herausfordernd.
Gale drehte den Kopf in seine Richtung und lachte nasal. »Hat er beim Frühstück etwas über mich gesagt?«
Nichts nettes. Victor schluckte. »Nein.« Seine Pupillen sprangen zwischen den Ebenholziriden hin und her. Das Herz klopfte aufgeregt in seiner Brust. Sie waren alleine und die Tür war abgeschlossen.
»Nein?« Gales Augenbrauen zogen sich zusammen. »Er hat nicht betont, wie professionell ich rüberkam?« Er grinste und näherte sich Victors Gesicht. »Mit den Dehnungsübungen und dem Surferakzent?«
»Das soll ein Surferakzent sein?« Victor lachte. Das Kribbeln breitete sich in seinem Bauch aus. Je näher Gales Gesicht kam, desto intensiver stieß ihm der süßliche Kirschgeruch entgegen. Ob seine Lippen danach schmeckten? Er befeuchtete seine eigenen mit der Zunge und bereitete sich darauf vor, Gale zu küssen.
Bevor das geschah, klopfte jemand an die Tür. Wer auch immer das war, versuchte nicht, die Klinke zu drücken, sondern wartete, bis Victor reagierte.
Gale ließ von ihm ab und Victor seufzte. Er drückte ihn an seine Brust und hauchte gedanklich einen Kuss auf seine Stirn, ehe er sich der Tür widmete. Er entriegelte sie und öffnete sie nur so weit, dass er erkennen konnte, wer davor stand. Es war die rothaarige Küchenangestellte mit einem Tablett in der Hand. Darüber lag eine silberne Glocke, sodass Victor nur mutmaßen konnte, was sich auf dem Tablett befand. Doch nicht schon der bestellte Kuchen? Sie lächelte stolz. »Wir mussten nichts dafür einkaufen.«
»Ist das schon der Kuchen?« Victor blinzelte überrascht.
Sie nickte. »Wie bestellt, ohne Ei und Milch. Es sind Erdbeeren, Kiwi und Mandarinen darauf.« Mit einer feierlichen Bewegung hielt sie ihm das verhüllte Tablett entgegen. »Ich bin davon ausgegangen, dass er vegan sein soll, deshalb habe ich auch auf Gelatine verzichtet.«
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Mitternachtsgesang
FantasiaAls seine Mutter stirbt, muss Victor zu seinem Vater nach Amerika ziehen. In der Villa des weltbekannten Aufreißer-Milliardärs wird der Teenager mit Homophobie und Anzüglichkeiten konfrontiert. Weil er mit diesem Lebensstil nichts anfangen kann, ve...
