Gloed
Suzuka, Japan
27. September 2015
„Fuck...", kam es ihm über die Lippen, als er bemerkte, was eben passiert war, und schlug sich die Hände vors Gesicht.
Das konnte doch nicht wahr sein! Das war so verdammt peinlich!
Da redete er das ganze Wochenende auf Nico ein, dass sie doch jetzt zusammen waren, dass er ihm so gerne näherkommen wollte, dass er doch am kommenden Mittwoch sowieso volljährig wurde und es doch dann keine Rolle mehr spielte und schaffte es tatsächlich, den Älteren zu einer gemeinsamen Dusche zu überreden.
Es war unglaublich, was alleine der Gedanke daran schon in ihm angerichtet hatte, aber als Nico angefangen hatte ihn zu küssen und ihn auch nur leicht zu berühren, war das schon fast zu viel gewesen und dann...
Verdammt, er hatte ihn kaum in die Hand genommen und er kam schon...
Schlimmer hätte es wohl nicht werden können. Er schämte sich total dafür. Er war sich ziemlich sicher, dass Nico in derselben Zeit noch nicht einmal vollständig erregt war und ihn versetzte das Bisschen schon vollkommen in Ektase. Kurzzeitig war ihm echt zum Heulen, weil er so wütend auf sich war, dass er sich einfach null im Griff hatte.
Was sollte Nico denn jetzt von ihm denken? Jetzt sah der Ältere doch erstrecht das dumme Kind in ihm und sah sich in seiner Skepsis gewiss auch noch bestätigt.
„Hey... Das ist doch nicht so schlimm", hörte er Nico sagen, aber ansehen mochte er ihn gerade nicht. Er hatte Angst, dass er sich trotzdem über ihn lustig machte oder vielleicht sogar enttäuscht darüber war.
„Ach nein?! Ich... Ich bin...", stammelte er undeutlich, wusste nicht, wie er in Worte fassen sollte, was ihm gerade durch den Kopf schoss. Er zitterte und das ließ ihn sich auch nicht gerade besser fühlen. Das war schlimmer, als einen dummen Fehler im Rennen zu machen und er hätte nie geglaubt, dass er bei seinem riesigen Ehrgeiz jemals sowas denken würde. Er hatte sich noch nie so blöd und bloßgestellt gefühlt, wie jetzt gerade.
„Das kann passieren. Glaub nicht, dass ich in deinem Alter so viel mehr Selbstkontrolle hatte", redete Nico allerdings weiterhin mit ruhiger Stimme auf ihn ein und das half ihm zumindest, sich ein wenig zu fangen, auch wenn er immer noch am liebsten losheulen würde.
„Das ist so verdammt peinlich!", stieß er unglücklich aus und war einmal mehr froh, dass er Nico das alles nicht auf Englisch erklären musste. Er war sich nicht sicher, ob er die Sprache dafür gut genug beherrschte.
„Ich weiß. Aber da bist du nicht der Erste und mich stört das jetzt nicht", zeigte Nico auch weiterhin vollstes Verständnis für ihn. Etwas, womit er gar nicht gerechnet hatte. Es musste doch für den Älteren so richtig beschissen sein, von ihm erst so angemacht zu werden und dann nicht einmal wirklich zum Zug zu kommen...
„Mich ärgert das aber. Wie willst du denn so Spaß mit mir haben?", wandte er mit einem Schulterzucken ein. Alleine, wenn er darüber nachdachte, wie viel Erfahrung Nico ihm garantiert schon voraushaben musste... Er konnte da gar nicht mithalten und das würde sich deutlich bemerkbar machen. Er befürchtete irgendwie, dass Nico nach einer Weile ganz schön frustriert wegen ihm sein würde.
„Den will ich sicher nicht alleine haben und es ist nicht so, dass wir dich nicht wieder erregt bekommen. Vorausgesetzt, du versinkst nicht für den Rest des Tages im Erdboden", nahm dieser das alles jedoch äußerst gelassen, was ihn stark wunderte. Dieser Mann musste doch jetzt Druck ohne Ende haben, oder etwa nicht?
„Wie kannst du das nur so locker nehmen?", wollte er also verständnislos wissen, wagte es inzwischen auch, seine Hände wieder sinken zu lassen und Nico anzusehen.
„Was hätten wir davon, wenn ich mich jetzt beschwere? Das hilft auch nicht. Also atme erstmal durch", riet dieser ihm und auf seinem Gesicht spiegelte sich nicht das leiseste Anzeichen von Frust oder Ärger. Peinlich war ihm das alles immer noch, aber Nicos völlig entspannte Reaktion machte es leichter, nicht aus der Dusche flüchten zu wollen.
„Wie lange passiert sowas?", fragte er also ein bisschen kleinlaut und vielleicht auch ziemlich naiv, wenn er es recht bedachte. Er kam sich ohnehin schon wie ein Trottel vor, dann konnte er jetzt auch seine ganze Unerfahrenheit preisgeben. Wenn es Nico wirklich nicht störte, dass er sich in manchen Dingen eben noch so gut wie gar nicht auskannte, sollte er die Chance womöglich nutzen, dass er so umsichtig mit ihm war.
„Schwer zu sagen, immerhin bist du ja mit mir zusammen", scherzte der Deutsche allerdings.
„Sehr witzig...", gab er zurück, musste nun aber doch ein wenig darüber schmunzeln. Er hätte nicht geglaubt, dass ihm das so früh gelingen würde und die Tatsache, dass Nico auch erst jetzt lächelte und nicht davor, ließ ihn sich zumindest nicht ausgelacht fühlen.
„Na, siehst du. Die Welt dreht sich noch. Komm mal her", forderte der Ältere ihn nun auf und hielt die Arme auf. Er zögerte zwar kurz, weil er nun nicht wie ein kleines Kind wirken wollte, das man tröste musste, doch er konnte nur froh sein, dass sein Freund nicht nur gut aussah, sondern scheinbar auch noch einen tollen Charakter hatte.
„Tut mir leid...", nuschelte er also, schmiegte sich in die Umarmung und atmete einmal tief durch. „Ich weiß manchmal einfach nicht, was ich machen soll. Das ist so viel... Und ich weiß nicht, wie ich das kontrollieren soll." Er hatte sich in den letzten Jahren eher mit Motorsport beschäftigt und nicht mit irgendwelchen Flirts und Bettgeschichten. Dafür war einfach keine Zeit, wenn man so früh so erfolgreich sein wollte...
Anderenfalls würde er wohl kaum in so jungen Jahren schon hier fahren. Der jüngste Formel-1-Fahrer, den es bisher gab. Das hörte sich toll an und gleichzeitig setzte ihn das nicht selten doch ganz schön unter Druck. Das traute er sich aber nicht offen zu sagen, denn er hatte Angst, dass dann alle glaubten, er wäre an dieser Aufgabe gescheitert. Er wollte beweisen, dass er nicht zu Unrecht hier war, dass er all diesen Erwartungen gerecht werden konnte und...
Er wollte auch den Erwartungen in seiner Beziehung gerecht werden. Auch für Nico wollte er nicht der unreife Idiot sein, der alles falsch machte und mit dem der Sex vielleicht aufregend, aber nicht befriedigend war. Er hatte gar nicht so richtig gemerkt, dass er sich dahingehend längst unter Druck setzte und Forderungen an sich stellte, von denen Nico niemals gesprochen hatte.
„Am besten, indem du es nicht kontrollierst, das funktioniert bei Gefühlen nämlich gar nicht", riet Nico ihm und ließ ihn jetzt auch nicht los. Er nutzte das, um sich noch etwas mehr an ihm festzuhalten. Das tat gerade irgendwie gut und so musste er ihn nicht ansehen, während er zugab, dass er eben so vieles momentan einfach nicht wusste.
„Aber ich möchte mit dir auf Augenhöhe sein. Ich will nicht hinterher hängen...", gestand er also, worüber er sich die ganze Zeit solche Gedanken machte. Ihm war bewusst, dass zehn Jahre nicht wenig waren und er war so froh, als Nico ihm in Singapur sagte, dass sie es versuchen würden. Er wollte das nur einfach nicht vermasseln. Er wollte ihm zeigen, dass er nicht so schlecht wie sein Ruf war und dass er zu sowas wie geistiger Reife auch fähig sein konnte.
„Max, wir sind hier nicht auf der Rennstrecke", erinnerte Nico ihn und brachte ihn nun doch dazu, dass sie sich wieder ansahen. „Das hier sind Wir. Das ist unsere Beziehung und da müssen wir nicht mit Tempo 300 durchrauschen."
„Schon, nur... Ich will nicht, dass dir was fehlt, nur weil ich noch nicht soweit bin", versuchte er ein bisschen hilflos zu erklären, worauf er von seinem Freund angelächelt wurde.
„Und ich möchte nicht, dass du dich so unter Druck setzt. Gibt dir Zeit und nicht nur hierbei. Versuch nicht, allen Erwartungen gerecht zu werden. Niemand hat dir vorzuschreiben, was du wann und wie hinbekommen musst."
Worte, die ihm verdammt guttaten zu hören, ihm aber auch deutlich machten, wie gut Nico ihn einschätzen konnte und wieder fragte er sich, ob dieser ihm nur auf Grund seines Alters etwas voraushatte oder ob es womöglich an seinem Elternhaus und seinen eigenen Erfahrungen lag, dass er war, wie er eben war.
Auch diesmal schien der Deutsche sehr genau zu sehen, dass etwas in ihm vor sich ging, dass er nachdenklich wurde und hakte nach: „Es geht nicht nur hierum, oder?"
Ein bisschen traurig und auch ertappt schüttelte er den Kopf, während Nico nach den Handtüchern angelte. So langsam wurde das Wasser wirklich kalt und vielleicht sollten sie ihr Gespräch erst einmal woanders fortführen. Trotzdem verließen sie die Dusche nicht, ohne, dass Nico noch einmal nach seiner Hand griff und ihn an etwas erinnerte.
„Ich bin jetzt für dich da. Du kannst mir immer sagen, was dich bedrückt." Worte, die ihn lächeln ließen, die ihn dazu bewogen, seinem Freund zurück ins Zimmer zu folgen und sich neben ihm auf dem Bett nieder zu lassen.
Das war alles noch ziemlich neu für ihn. Nicht nur, dass es seine erste, richtige Beziehung war, dass es sein erstes, richtiges Verliebtsein war... Auch die ganze Nähe, jemanden zu haben, dem er alles sagen konnte... Er hatte da manchmal nicht dieses Vertrauen, zumal er davor auch immer gewarnt worden war. Aber jetzt, bei Nico, hatte er das starke Gefühl, ihm alles sagen zu wollen, was ihn beschäftigte und was ihm wichtig war.
Er wünschte sich nur, dass er das niemals bereuen musste, dass es richtig war, in so einem Moment mal auf das Herz zu hören und nicht auf den Kopf, wie er das bisher immer artig gemacht hatte...
Er zögerte noch kurz, begann dann aber trotzdem zu erzählen was in ihm vor sich ging. „Es ist nur... Manchmal ist das alles ein bisschen viel. Alle behandeln mich wie ein dummes Kind und manchmal fühle ich mich auch so. Ich weiß, dass ich mich nicht darüber ärgern sollte, dass es mir auch egal sein kann, was andere von mir halten, aber das krieg ich nicht immer so gut hin. Oft denk ich den ganzen Tag drüber nach, ohne es zu wollen. Mein Vater sagt auch, dass ich mich darum nicht kümmern soll, nur ist das ja immer viel leichter gesagt, als getan. Es gibt einfach Tage, da zweifle ich sehr daran, ob ich schon hierhergehöre."
Zweifel, von denen er sich immer verboten hatte, sie auszusprechen, weil er Angst hatte, dass sie ihn schwach machen würden. Nico hörte ihm die ganze Zeit aufmerksam zu, zeigte ihm, dass ihn das durchaus interessierte und meinte schließlich: „Ist wirklich ganz schön früh. Aber das war deine erste Saison und du machst nicht mehr falsch, als andere Piloten, die erst mit Anfang 20 in die Formel 1 kommen."
Eine Meinung, die ihn freute und Worte, die ihn schmunzeln ließen. „So wie du?", wagte er es seinerseits, der Sache ein wenig Humor zu geben und fragte sich im selben Moment, ob es normal war, dass sein Herz so freudig schlug, nur weil er Nico lachen hörte. Er konnte sich nicht erinnern, bei einem anderen Menschen so viel Nähe zugelassen zu haben. Nicht nur körperliche Nähe, sondern auch emotionale.
„Ja, so wie ich. Weißt du... Ich finde, du musst keine Angst davor haben, etwas nicht zu wissen oder falsch zu machen. Fehler helfen dir, was zu lernen und weiter zu kommen. Du kannst dich nicht zu dem Fahrer entwickeln der du werden willst, wenn du nicht auch an dir arbeitest und aus deinen Fehlern lernst. Kritik ist nicht immer falsch. Man muss eben wissen, was man mit ihr anfangen kann", entgegnete Nico ihm, was er von der Sache hielt und endlich wusste er, welche Meinung sein Freund auch sportlich gesehen von ihm hatte. Das hatte er sich ja ohnehin schon etwas länger gefragt, sich aber nicht so richtig getraut, ihn mal darauf anzusprechen.
„So hab ich das noch nie betrachtet. Ich dachte eigentlich immer, dass man unbedingt darauf achten sollte, keine Fehler zu machen", gab er das wieder, was er von seinem Vater gelernt hatte und worauf er deshalb auch immer so verbissen zu achten versuchte. Ihm kam schon länger der Verdacht, dass es möglicherweise etwas einseitig war, nur auf das zu hören, was sein Vater sagte.
Wenn er sah, wie Carlos' Vater mit seinem Sohn umging, fand er viel, was ihm gut gefiel, von dem er sich manchmal sogar heimlich wünschte, sein eigener Vater würde sich da mal was abschauen, nur würde das niemals passieren, so viel war ihm auch klar.
„Niemand kann keine Fehler machen. Nur aus einem Fehler nichts zu lernen ist doof", fand Nico und das klang in seinen Ohren irgendwie auch absolut logisch. Es freute ihn, dass er mit dem Älteren auch über diese Dinge reden konnte, ohne dass es ihm peinlich sein musste. Irgendwie fühlte er sich bei ihm sofort wohl und verstanden. Ein Gefühl, welches er so überhaupt nicht kannte.
„Du hast ja richtig Ahnung, was", lächelte er ein bisschen verlegen, traute sich nun auch wieder, nach Nicos Hand zu greifen und ihre Finger miteinander zu verschränken.
„Tja, ich bin alt und weise", behauptete Nico, wohl nicht ganz ernst gemeint und schaffte es wirklich, dass er über den für ihn so peinlichen Zwischenfall im Bad langsam nicht mehr nachdenken musste und sich endlich wieder fallen lassen konnte. Er hätte nie geglaubt, dass ihm sowas mal gelingen könnte, doch offensichtlich sollte man bei Nico niemals nie sagen.
„So alt nun auch wieder nicht", gestand er ihm also zu und wagte es, sich langsam zu ihm herüber zu beugen und ihn in einen Kuss zu verwickeln.
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Grid Tales
Fanfiction⊱ Wie sieht so eine Teambesprechung mit der FIA aus? Auf welche Art und Weise haben Nico und Lewis sich früher so duelliert? Was ging bei Checos Marketingtermin so gehörig schief? Was versteht man unter einem kleinen brasilianischen BBQ? Eine bunte...
